HOME

Urteil erwartet: Einem Drahtzieher der Roten Khmer droht lebenslange Haft

30 Jahre nach dem Ende der kommunistischen Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha rückt das erste Urteil gegen einen der Drahtzieher näher. Am Montag begannen vor dem Völkermord-Tribunal gegen Kaing Guek Eav alias Duch (62) die Schlussplädoyers.

30 Jahre nach dem Ende der kommunistischen Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha rückt das erste Urteil gegen einen der Drahtzieher näher. Am Montag begannen vor dem Völkermord-Tribunal gegen Kaing Guek Eav alias Duch (62) die Schlussplädoyers.

Der Angeklagte war Vorsteher des schlimmsten Foltergefängnisses der Roten Khmer in Phnom Penh. Ihm droht lebenslange Haft. Unter seiner Leitung kamen in dem Gefängnis S-21 und dem angeschlossenen Hinrichtungslager zwischen 1975 und 1979 mindestens 15 000 Menschen ums Leben. Nur eine Handvoll überlebte.

Als erstes kamen am Montag die Anwälte von Angehörigen der Opfer zu Wort. Sie bezweifelten, das Duch bei seiner Entschuldigung und Bitte um Vergebung zum Auftakt des Prozesses ehrlich war. Sie wiesen auch Duch Aussage zurück, er sei nur ein kleines Rad in der Mordmaschine gewesen und wäre selbst umgebracht worden, wenn er sich nicht gefügt hätte.

"Der Angeklagte hat das, was er getan hat, nicht nur getan, weil er dieselbe ideologische Überzeugung hatte wie die Führungsriege (der Roten Khmer), sondern weil es sein Leben leichter machte", sagte Anwalt Karim Khan. "Die Menschen wollen verstehen, wie ein Mann ein solch barbarisches System errichten konnte", sagte Anwalt Philippe Canonne. Auf zahlreichen Akten, die später gefunden wurden, hat Duch handschriftlich die Hinrichtung der gefolterten Opfer befohlen.

Duch ist unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Das Verfahren hatte vor neun Monaten begonnen. Das Tribunal ist ein Gemeinschaftsgericht der kambodschanischen Justiz und der Vereinten Nationen. Es gibt sowohl einheimische als auch internationale Richter und Ankläger. Sowohl die Ankläger als auch die Verteidiger sollen ihre Schlussplädoyers bis Donnerstag vortragen. Das Urteil wird erst für das nächste Jahr erwartet.

Außer Duch sind vier weitere frühere Funktionäre der Roten Khmer angeklagt. Es handelt sich um die damaligen politischen Führungsfiguren wie den Präsidenten und den Außenminister des Regimes. Anders als Duch weisen sie jede Schuld von sich. Ihre Prozesse sollen im nächsten Jahr beginnen. Die Roten Khmer wollten einen Bauernstaat verwirklichen. Sie verfolgten jeden mit Schulbildung und zwangen die Menschen aus der Stadt zu harter Arbeit auf das Land. In den vier Jahren ihrer Herrschaft kamen durch Hungersnöte, Krankheiten und in den Gefängnissen zwei Millionen Menschen ums Leben.

DPA / DPA