HOME

Urteil gegen Paralympics-Star: Pistorius bleibt trotz Verurteilung auf Kaution frei

Das Gericht in Pretoria hat Paralympics-Star Oscar Pistorius wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen. Trotzdem bleibt er, bis zur Verkündigung des Strafmaßes, vorerst gegen Kaution in Freiheit.

Nach dem Urteil wegen fahrlässiger Tötung darf Oscar Pistorius bis zur Verkündung des Strafmaßes gegen Kaution in Freiheit bleiben. Dies entschied Richterin Thokozile Masipa am Freitag in Pretoria. Damit setzte sich sein Verteidiger gegenüber der Staatsanwaltschaft durch, die sich gegen eine Verlängerung der Kautionsregelung ausgesprochen hatte. Das Strafmaß soll ab dem 13. Oktober verkündet werden.

Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung

Pistorius ist wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp schuldig gesprochen worden. Richterin Thokozile Masipa verkündete ihr Urteil am Freitag in Pretoria. "Das Gericht hat ihn der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden", sagte Masipa. Das Strafmaß gab sie noch nicht bekannt. Die Höchststrafe liegt bei 15 Jahren, aber auch eine Bewährungsstrafe ist möglich.

Schon tags zuvor hatte Masipa einen Mord oder Totschlag ausgeschlossen. Für die Staatsanwaltschaft ist das Urteil eine schwere Niederlage. Denn aus Sicht der Anklage tötete Pistorius seine Freundin Steenkamp absichtlich, als er in der Nacht zum Valentinstag 2013 in seinem Haus durch eine geschlossene Toilettentür schoss.

Die Richterin ging zunächst auf die Nebenanklagepunkte des fahrlässigen Waffengebrauchs und Besitzes von illegaler Munition ein. Sie sprach ihn für schuldig, Anfang 2013 bei einem Essen mit Freunden fahrlässig einen Schuss abgegeben zu haben. Von zwei weiteren Vorwürfen, einmal durch das Sonnendach eines Autos geschossen und gesetzeswidrig Munition besessen zu haben, sprach sie den 27-Jährigen dagegen frei.

Strafmaß wird erst in einigen Wochen bekanntgegeben

Pistorius nahm den Schuldspruch mit Fassung auf. Der Verurteilte zeigte am Freitag kaum eine Regung. Nach Verlesung des Urteils schien er sich stattdessen leicht vor Richterin Masipa zu verbeugen. Am Vortag hatte er wiederholt im Gerichtssaal geweint.

Der an den Unterschenkeln amputierte Ausnahmesportler hatte seine Freundin im Februar 2013 in der Nacht zum Valentinstag mit vier Schüssen getötet.

Die Schüsse auf Steenkamp hat Pistorius nie bestritten. Er argumentiert aber, hinter der geschlossenen Toilettentür einen Fremden vermutet und aus Panik vor dem vermeintlichen Einbrecher geschossen zu haben.

Debatte um Kautionsregelung

Staatsanwalt und Verteidiger tauschten nach dem Schuldspruch Argumente aus, ob der frühere Sportstar bis zur Verkündung des Strafmaßes weiter auf freiem Fuß bleiben sollte oder nicht.

Während sein Anwalt dies bejahte, argumentierte Staatsanwalt Gerrie Nel, dass Pistorius über kein eigenes Haus mehr verfüge, weil er dieses mittlerweile verkauft habe und seitdem bei seiner Familie lebe. Gegen eine Verlängerung der Kautionsregelung spreche auch Pistorius' früheres Verhalten, sagte Nel. Als Beispiel führte er einen Zwischenfall in einem Nachtclub an, der sich während des Verfahrens ereignet habe.

Pistorius Anwalt Barry Roux bestätigte den Verkauf des Hauses. Die vergangenen 18 Monate habe sein Mandant bei seinem Onkel gewohnt, erklärte Roux dem Gericht. Richterin Thokozile Masipa traf zunächst keine Entscheidung. Nach einer längeren Mittagspause entschied sie nun für eine Verlängerung der Kautionsregelung.

yps/ono/DPA/AFP / DPA