HOME

Urteil im Mordprozess erwartet: Der endlose Justizkrimi um Amanda Knox

Haben die Amerikanerin Amanda Knox und ihr Ex-Freund vor Jahren die Studentin Meredith Kercher getötet? Darüber entscheidet die italienische Justiz - mal wieder.

Amanda Knox wurde 2011 nach vier Jahren aus italienischer Haft freigelassen. Seitdem lebt sie wieder in den USA und will dort auch bleiben - egal, ob sie nun erneut verurteilt wird.

Amanda Knox wurde 2011 nach vier Jahren aus italienischer Haft freigelassen. Seitdem lebt sie wieder in den USA und will dort auch bleiben - egal, ob sie nun erneut verurteilt wird.

Wenn das Urteil im neuen Prozess um den Mord an Meredith Kercher gesprochen wird, wird die Angeklagte Amanda Knox im Gerichtssaal fehlen. Sie will die Entscheidung im Haus ihrer Mutter in den USA verfolgen, während ihr mitangeklagter Ex-Freund Raffaele Sollecito voraussichtlich gemeinsam mit seinem Vater nach Florenz reisen wird. "Wir werden dort sein, auch aus Respekt vor dem Gericht", sagte Francesco Sollecito der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. "Außerdem haben wir Vertrauen in die Justiz." Wie die beiden Angeklagten werden an diesem Donnerstag auch die Familie des Opfers und Medien aus aller Welt gebannt nach Florenz blicken.

Der Krimi um Lüge und Wahrheit fasziniert seit mehr als sechs Jahren die Öffentlichkeit. Noch immer ist ungeklärt, was in der kalten Novembernacht in Perugia im Jahr 2007 geschah, als die 21 Jahre alte Studentin Meredith Kercher brutal ermordet wurde. Schnell gerieten ihre Mitbewohnerin Knox sowie deren Freund Sollecito unter Verdacht. Beide bestritten ihre Schuld, doch 2009 verurteilte ein Gericht sie zu langen Haftstrafen. Nach vier Jahren im Gefängnis wurden sie 2011 in zweiter Instanz freigesprochen. Erst nach einer Entscheidung des höchsten Gerichts Italiens wurde der Fall wieder aufgerollt.

In dramatischen und emotionalen Appellen beteuerten Knox und Sollecito in dem neuen Prozess ihre Unschuld. Doch wenn die beiden unschuldig sind, wer tötete Meredith dann? Der Ivorer Rudy Guede sitzt zwar für die Tat hinter Gittern, ist aber nur wegen Beihilfe verurteilt. Der Staatsanwalt in dem neuen Prozess ist jedenfalls überzeugt von der Schuld der US-Amerikanerin Knox und des Italieners Sollecito und forderte Haftstrafen von 30 und 26 Jahren.

Knox könnte trotz Verurteilung frei bleiben

Lügt das ehemalige Liebespaar, töteten die beiden Meredith? Oder sind sie Opfer eines riesengroßen Justizirrtums? Seit Mitte September versucht zum dritten Mal ein Gericht Antworten zu finden. Doch vor dem Urteil sind viele Fragen offen. Schuld daran sind auch zahlreiche Ermittlungspannen und Widersprüche in dem Justizthriller, der in sechs Jahren gleich mehrere Gerichtskammern beschäftigt hat. Wie das Berufungsgericht in Florenz nun entscheidet, scheint offen - denn auch der neue Prozess brachte kaum neue Erkenntnisse.

Die heute 26 Jahre alte Knox und der drei Jahre ältere Sollecito telefonieren nach eigenen Angaben noch immer regelmäßig. Nach ihrer Freilassung 2011 kehrte Knox in die USA zurück, Sollecito nahm in Italien sein Studium wieder auf. Während Knox ein Buch schrieb und Millionen kassierte, blieb für Sollecitos Werk der Erfolg aus. Von Anfang an lag der Fokus der Medien auf der hübschen US-Amerikanerin. Zu gut passte die junge Studentin in die Geschichte der zunächst erhobenen Vorwürfe, in denen von Drogen, Alkohol und ausgeuferten Sexspielen die Rede war.

Sollte das Gericht nun auf schuldig entscheiden, droht Sollecito als Italiener eine erneute Haft. Anders ist die Situation für Knox, die als US-Bürgerin zunächst an Italien ausgeliefert werden müsste. Die 26-Jährige betonte mehrmals, sie werde auf keinen Fall nach Italien zurückkehren - im Falle einer Verurteilung sei sie dann eben eine "Flüchtige". Bevor überhaupt eine Auslieferung beantragt werden kann, muss das Urteil jedoch noch vom Kassationsgerichtshof in Rom bestätigt werden. Erst dann ist es tatsächlich rechtskräftig.

she/Miriam Schmidt, DPA / DPA