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Urteil in Detroit: Erschießung unbewaffneter 19-Jähriger war keine Notwehr

Der Fall sorgte für Wirbel in den USA: Eine 19-Jährige klopfte nach einem Autounfall an eine Haustür - und wurde erschossen. Der Täter plädierte auf Notwehr, doch das Gericht sah das anders.

Schuss durchs Fliegengitter: Theodore Wafer droht nach seiner Verurteilung lebenslange Haft.

Schuss durchs Fliegengitter: Theodore Wafer droht nach seiner Verurteilung lebenslange Haft.

In Detroit ist ein Weißer der Tötung einer jungen Schwarzen schuldig befunden worden, die nach einem Unfall nachts an seiner Haustür geklopft hatte. Der 55-jährige Theodore Wafer wurde von dem Gericht in der US-Großstadt der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen, wie aus Justizkreisen verlautete. Wafer hatte nie bestritten, auf die 19-jährige Renisha M. geschossen zu haben, machte aber Notwehr geltend.

Die junge Frau hatte Anfang November 2013 im mehrheitlich weißen Detroiter Wohnviertel Dearborn Heights nachts einen Autounfall und klopfte daraufhin an der Haustür des Mannes. Wafer, der stets mit einer Pistole in Reichweite schlief, schoss jedoch mit einem Gewehr durch das Moskitonetz an der Tür und traf Renisha M. tödlich am Kopf. Eine Untersuchung zeigte, dass die Frau zur Tatzeit Alkohol und Spuren von Cannabis im Blut hatte.

Wafer sagte in dem Prozess aus, er sei um 4.30 Uhr in der Früh durch Hämmern an seine Vordertür und an seinen Seiteneingang geweckt worden. Der Lärm sei "unglaublich" gewesen. Er habe gedacht, draußen könnte mehr als eine Person sein und geschossen, um sich zu verteidigen. Dem Mann droht nun lebenslange Haft. Das Strafmaß soll am 25. August verkündet werden.

Der Fall hatte in den USA eine neue Debatte über Rassismus ausgelöst. Das Thema Hautfarbe wurde aber in dem Prozess kaum erwähnt. "Es geht um Menschen mit Waffen, die nicht die richtige Entscheidung treffen, bevor sie sie in die Hand nehmen", zitierte die Nachrichtenagentur AP Renisha Ms Tante Bernita Spinks.

mad/DPA / DPA
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