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Urteil in Heidelberg: Stalker muss mindestens 15 Jahre ins Gefängnis

Ständige Anrufe, Kratzer am Auto, wüste Beschimpfungen: Nach monatelangem Psychoterror ermordete ein Mann seine Ex-Partnerin. Das Heidelberger Landgericht verhängte nun eine lebenslange Haftstrafe.

Erst stellte er ihr über Monate nach, dann erstach er sie mit einem Messer: Wegen Mordes an seiner früheren Tanzpartnerin und Freundin hat ein 61-Jähriger eine lebenslange Haftstrafe bekommen. "Der Angeklagte ist für seine Tat voll verantwortlich", sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag vor dem Heidelberger Landgericht. Der Mann hatte die 59-Jährige vor der Tat immer wüster beschimpft, rief sie ständig an, zerkratzte ihr Auto und fuhr an ihrer Wohnung vorbei, um nachzuschauen, ob sie zu Hause war. Tanzte sie mit anderen Männern, wurde er rasend eifersüchtig.

Mit einem Messer im Vorgarten erstochen

Die beiden hatten sich bei einem Tanzkurs kennengelernt. Eine Zeitlang führten sie auch eine Liebesbeziehung, ehe sie den Kontakt abbrach. Das wollte er jedoch nicht akzeptieren und begann mit dem Stalking. Als ein Gericht daraufhin festlegte, er dürfe keine Tanzveranstaltungen mehr besuchen, wenn seine Ex-Partnerin anwesend sei, kam für ihn einem Tanzverbot gleich - und er rastete aus: Im Oktober 2013 erstach er die Frau mit einem Messer in ihrem Vorgarten.

"Das, was einmal Liebe gewesen sein mag und später Freundschaft, war verschwunden und wandelte sich in Wut und Zorn", sagte der Richter. Die Kammer sah bei dem Täter aber keine besondere Schwere der Schuld. Das bedeutet, dass der Mann nach 15 Jahren wieder auf freiem Fuß sein könnte.

Täter wollte sich im Neckar ertränken

Der Verurteilte wollte sich dem Gericht zufolge nach der Tat eigentlich betrunken im Neckar ertränken, brach aber vorher bewusstlos zusammen, wurde von einer Joggerin gefunden und kam in ein Klinikum. Dort vertraute er sich einer Ärztin an und gestand die Tat. Vor Gericht hatte er weinend gesagt: "Ich wollte das Gegenteil von dieser unbeschreiblichen Katastrophe." Die Kammer hielt es zwar für möglich, dass er vor der Tat die irrationale Hoffnung gehabt habe, noch etwas reparieren zu können. Dies ändere aber nichts an seiner Tötungsabsicht für den Fall, dass die Frau nicht mit ihm sprechen wollte. "Es kamen nur negative Handlungen von seiner Seite", so die Kammer weiter.

Die Richter folgten mit ihrer Entscheidung der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Binnen einer Woche kann Revision eingelegt werden.

mod/DPA / DPA