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Urteil in Neu-Delhi: Vergewaltiger in Indien schuldig gesprochen

In dem weltweit für Empörung sorgenden Vergewaltigungsfall in Indien sind vier Männer in allen Punkten schuldig gesprochen worden. Für Aufsehen sorgt eine asiatische Gewalt-Studie im Auftrag der UN.

Die vier Angeklagten seien in allen Punkten der Vergewaltigung und Ermordung einer 23-Jährigen im Dezember 2012 schuldig gesprochen worden, sagte ein Anwalt der Verteidigung am Dienstag in Neu-Delhi. Das Strafmaß soll den Angaben nach ab Mittwoch vor Gericht verhandelt werden. Den Männern droht die Todesstrafe. Alle vier Männer haben auf nicht schuldig plädiert. Ihre Verteidiger wollen das Urteil vor einem höheren Gericht anfechten. "Wir werden Rechtsmittel einlegen", sagte Anwalt V. K. Anand nach der Urteilsverkündung in Neu Delhi. Verteidiger Vivek Sharma schloss sich an.

Der Fall hatte international für Aufsehen und Empörung gesorgt und ein Schlaglicht auf die Stellung der Frau in Indien geworfen. Nach dem Vorfall kam es zu Massenprotesten. Die junge Inderin war in Neu-Delhi in einem Bus von den Männern mehrfach vergewaltigt, mit einer Eisenstange misshandelt und dann schwer verletzt aus dem Fahrzeug geworfen worden. Sie starb zwei Wochen später in einem Krankenhaus in Singapur. Einer der mutmaßlichen Täter hatte sich in Haft umgebracht. Ein weiterer wurde nach dem milderen Jugendstrafrecht zu drei Jahren Arrest verurteilt.

Derweil fördert jetzt eine groß angelegte Studie der Medizin-Zeitschrift "The Lancet" schockierende Zahlen zu Tage. Demnach sind Vergewaltigungen in der Asien-Pazifik-Region erschreckend weit verbreitet. Etwa jeder vierte Mann habe dort schon einmal seine eigene oder eine andere Frau vergewaltigt, berichten Forscher nach der ersten Studie dieser Art. Sie entstand im Auftrag der Vereinten Nationen. Dafür wurden insgesamt 10.000 Männer bis 50 Jahre in Bangladesch, Kambodscha, China, Indonesien, Papua-Neuguinea und Sri Lanka befragt.

Fast die Hälfte der Männer sind Mehrfachtäter

Fast ein Viertel der Männer räumte demnach ein, mindestens einmal eine Frau zum Sex gezwungen zu haben. In vielen Fällen handelte es sich um Vergewaltigungen in der Partnerschaft. Aber jeder zehnte Mann gab zu, auch schon eine Frau vergewaltigt zu haben, die nicht seine Partnerin war. Fast die Hälfte der Männer bekannte sich als Mehrfachtäter. Besonders eklatant war die Situation in Bougainville in Papua-Neuguinea. Dort sagten 27 Prozent der Männer, sie hätten schon andere als ihre Ehefrauen oder Partnerinnen vergewaltigt.

Fast Dreiviertel der Männer gaben dem Bericht zufolge als Grund für die Gewalt an, Sex stehe ihnen schließlich zu. 60 Prozent meinten, sie hätten es zur Unterhaltung getan und 38 Prozent, um eine Frau zu bestrafen. Die Forscher fanden heraus, dass Männer, die selbst als Kinder sexuell missbraucht wurden, öfter zu Vergewaltigern wurden als solche, die das in der Kindheit nicht erlebt hatten.

Teile des gleichen Verhaltensmusters

"Präventionsmaßnahmen brauchen langfristige Strategien", schrieb Autorin Rachel Jewkes vom Medizinischen Forschungsrat Südafrikas. "Tief in kulturellen Idealen und Vorstellungen von Männlichkeit und Geschlechterhierarchie verhaftete Verhaltensweisen müssen infrage gestellt werden."

Ein zweites Forschungsteam untersuchte die Gewaltbereitschaft der Männer. Es war überrascht über das Ergebnis: "Körperliche Gewalt geht nicht immer einher mit Vergewaltigung", berichtete die Autorin Emma Fulu von dem UN-Netzwerk Partner für Prävention in Bangkok. "Man nahm bislang an, dass körperliche und sexuelle Gewalt Teile des gleichen Verhaltensmusters sind, aber das ist nach unseren Recherchen nicht unbedingt der Fall." Fast die Hälfte aller Männer gab zu, die Ehefrau oder Partnerin schon mal geschlagen oder getreten zu haben. In Bougainville waren es sogar 80 Prozent.

Das UN-Netzwerk Partner für Prävention besteht aus mehreren UN-Organisationen. Sie legten auf Basis der wissenschaftlichen Analyse einen Bericht vor, der vor allem die Gründe der Männer für ihr Verhalten untersucht und Vorschläge macht, wie das Verhalten verändert werden kann.

ins/DPA/Reuters/DPA/Reuters