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Urteilsspruch in Köln: Bis zu sechs Jahre Haft für Kunstfälscher

Mit relativ milden Urteilen ist der spektakuläre Kunstfälscherprozess in Köln zu Ende gegangen. Die Angeklagten hatten vor dem Landgericht gestanden, bekannte Kunstwerke gefälscht und so Millionbeträge ergaunert zu haben. Für die Geständnisse bekamen sie Strafrabatt. Ein Mammutprozess mit fast 170 Zeugen wurde abgewendet.

In einem der größten Kunstfälscher-Verfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte hat das Kölner Landgericht relativ milde Haftstrafen bis zu sechs Jahren Haft verhängt. Das Gericht sprach die vier Angeklagten am Donnerstag des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs schuldig. Der Hauptangeklagte Wolfgang Beltracchi (60) erhielt die höchste Strafe von sechs Jahren.

Die Angeklagten hatten gestanden, über Jahre gefälschte Meisterwerke der Avantgarde der Zwischenkriegszeit in den Kunstmarkt geschleust und Millionen kassiert zu haben. Für die Geständnisse bekam das Quartett wie zuvor vereinbart einen Strafrabatt. Ihnen hätten sonst bis zu neun Jahre Gefängnis gedroht.

"In der Tat handelt es sich um ein nicht alltägliches Verfahren, an dem sich vermutlich die Geister scheiden", sagte der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer. Die Angeklagten hätten weder "Brot und Wasser im dunklen Verlies verdienst", noch seien ihre Taten eine "Eulenspiegelei".

Mammutprozess wurde abgewendet

Beltracchis Frau Frau Helene (53) muss für vier Jahre, der Komplize Otto S.-K. (68) für fünf Jahre ins Gefängnis. Helene Beltracchis Schwester Jeanette S. (54) erhielt ein Jahr und neun Monate auf Bewährung. Die Urteile entsprachen den zuvor in der Verständigung vereinbarten Höchststrafen. Ein drohender Mammutprozess mit fast 170 Zeugen wurde durch die Geständnisse abgewendet.

Zur Anklage standen 14 gefälschte Bilder im Stile von Max Ernst, Max Pechstein oder Heinrich Campendonk, mit denen die Angeklagten laut Gericht fast zehn Millionen Euro erlöst hatten. Die Ermittlungen zu mehr als 40 weiteren Fälschungen werden eingestellt. Diese Fälle hätten eine nicht so große Dimension, sagte Kremer.

Experten fielen auf Fälschungen herein

Motor des Betrugsgeschäfts war Wolfgang Beltracchi, der laut Staatsanwaltschaft schon 1975 in das Kunstbetrugsgeschäft eingestiegen war. Beltracchi hatte nach eigenen Angaben die Bilder allein gemalt, die Herkunftslegende von den angeblich sammelnden Großvätern Jägers und Knops erfunden und die Preise festgelegt. Seine Frau Helene lieferte in Auktionshäuser ein, der Komplize Otto S.-K. verkaufte an Galerien in Paris und Genf.

Renommierte Kunstexperten und weltbekannte Auktionshäuser fielen jahrelang auf die Fälschungen herein. Der Kunstmarkt habe es den Fälschern leicht gemacht und nur nachlässig geprüft, stimmten Staatsanwaltschaft und Verteidiger überein. Die ergaunerten Millionen verbrauchten die Angeklagten für ihren luxuriösen Lebensstil und teure Anwesen in Südfrankreich und Freiburg. Ein Teil sei auch in der Finanzkrise verloren gegangen. Knapp eine Million Schweizer Franken konnten die Fahnder noch rechtzeitig beschlagnahmen.

kave/DPA / DPA
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