US-Erziehungslager Freisprüche nach Tod im Boot-Camp


Der Fall sorgte für Aufsehen in den USA, und auch das Urteil sorgt für Aufruhr: In einem Erziehungslager war der 14-jährige Martin Lee Anderson von Aufsehern so verprügelt worden, dass er starb. Nun wurden alle acht Angeklagten freigesprochen.

Nach dem Tod eines Jugendlichen in einem Erziehungslager in Florida sind sieben ehemalige Aufseher und eine Krankenschwester vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen worden. Ein Gericht in Panama City kam zu dem Schluss, der Tod des Jugendlichen im Januar 2006 sei nicht unmittelbar auf Misshandlung zurückzuführen.

Das Urteil löste heftige Proteste aus. Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude brandmarkten die Freigesprochenen als Mörder und kritisierten die Geschworenen.

Der 14-jährige Martin Lee Anderson wurde wegen Diebstahls in das sogenannte Boot Camp eingewiesen, das wie ein militärisches Trainingslager geführt wird. Auf einem 30-minütigen Video war zu sehen, wie er von den angeklagten Aufsehern geschlagen und getreten wurde, nachdem er bei sportlichen Übungen zusammengebrochen war. Die Männer zwangen ihn dann, zur Wiederbelebung Ammoniak zu inhalieren, wobei die Krankenschwester zusah. Der Junge starb einen Tag nach dem Vorfall in einem Krankenhaus.

Die Verteidigung erklärte, die Aufseher hätten geglaubt, der Junge täusche Unwohlsein vor, um sich vor den Übungen zu drücken. Sein Tod sei die Folge einer vorher nicht diagnostizierten Bluterkrankung gewesen, die bei körperlichem Stress den Sauerstofftransport der Blutzellen behindere. Dem schlossen sich die Geschworenen nach nur 90-minütiger Beratung an.

Die Mutter des Jungen schrie auf, das Urteil sei ungerecht. Ihr Anwalt Benjamin Crump sagte zu Journalisten: "Wenn man einen Hund tötet, kommt man ins Gefängnis. Wenn man einen schwarzen Jungen tötet, passiert nichts." Der Fall, insbesondere die Veröffentlichung des Videos, hat in Florida eine hitzige Debatte über Erziehungslager für jugendliche Straftäter ausgelöst.

"Rassistisch und verbohrt"

Dem Sturm der Entrüstung nach dem Urteil schlossen sich auch regionale Politiker an. "Nur 90 Minuten Beratungen über das Leben eines Kindes", kritisierte die demokratische Senatorin Frederica Wilson, dies sei "rassistisch, diskriminierend und verbohrt". Justizbeamte des Bezirks Nord-Florida sowie das Justizministerium in Washington kündigten eine Überprüfung an. In einem Zivilverfahren hat sich der Staat Florida bereits mit der Familie des Jungen auf die Zahlung von fünf Millionen Dollar (3,4 Millionen Euro) Entschädigung geeinigt.

Melissa Nelson/AP AP

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