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US-Lehrer verging sich an Schülerin: 30 Tage Haft für Vergewaltigung

Er war Lehrer, sie Schülerin. 14 Jahre war sie alt, als der damals 49-Jährige sie vergewaltigte. Das Mädchen nahm sich später das Leben. Ein Gericht verurteilte den Mann jetzt zu 30 Tagen Gefängnis.

Von Annette Berger

Als der Richter das Urteil verkündet, kann die Mutter des Mädchens es nicht fassen. 30 Tage soll der Mann ins Gefängnis, der zugab, ihre minderjährige Tochter vergewaltigt zu haben. Einst war er ihr Lehrer, eine vermeintliche Vertrauensperson. Das Mädchen kann das Urteil nicht mehr hören. Cherice Morales ist tot, nahm sich während der jahrelangen Dauer des Verfahrens das Leben, wenige Wochen vor ihrem 17. Geburtstag. Die Mutter stürmt aus dem Gerichtssaal, nachdem sie mehrmals "Ihr kotzt mich alle an" in den Raum gebrüllt hat.

Protest gegen Richter Baugh geplant

Viele Menschen dürften die Sichtweise der Mutter teilen. In den USA löst das Urteil, das am Montag in Billings im US-Bundesstaat Montana fiel, derzeit einen Proteststurm aus. Am Donnerstag soll es in der 100.000-Einwohnerstadt im Norden der Vereinigten Staaten, nicht allzu weit von der kanadischen Grenze, einen Protestzug gegen die Entscheidung geben.

Die Wut richtet sich gegen Richter G. Todd Baugh, einen 66-jährigen Juristen mit grauem Bart, der schon angekündigt hat, für eine weitere Amtszeit als Richter kandidieren zu wollen. Offenbar kann er keine Fehler in seiner Einschätzung erkennen. Das, was seine Gegner im Fall Cherice Morales besonders schockiert, ist seine Sicht auf das Mädchen. Ihr wirkliches Alter sei damals, zum Tatzeitpunkt, zwar erst 14 Jahre gewesen, jedoch wirkte sie viel älter und habe sich auch entsprechend verhalten, meint Richter Baugh. Cherice habe die Situation genauso unter Kontrolle gehabt wie ihr Lehrer Stacey Dean Rambold, der damals 49 Jahre alt war, als er mit seiner Schülerin schlief. Zu seiner Einschätzung gelangte der Richter, nachdem er sich Aufnahmen von Aussagen des Mädchens zu der Tat und zu ihrer Beziehung mit dem Lehrer angehört hatte. Ein Teenager mit vielen Problemen sei sie gewesen. Und frühreif.

Mit dieser Einschätzung macht der Richter aus dem sonst so idyllischen Montana mit seinen vielen Bergen und wenig Einwohnern derzeit in ganz Amerika Schlagzeilen. Als zynisch dürften viele Beobachter die Details des Urteils empfinden. Denn auf den ersten Blick erhielt Ex-Lehrer Rambold am Montag eine viel härtere Strafe, nämlich 15 Jahre Gefängnis. Doch fast die gesamte Haftzeit - bis auf 31 Tage - wurde ihm gleichzeitig erlassen.

Der Richter begründete auch das genau: Rambold habe schließlich im Rahmen des Verfahrens an einer Therapie für Sexualstraftäter teilgenommen. Zudem sei er durch die juristische Aufarbeitung des Falls selbst hart gestraft. Rambold habe seine Arbeit, seine Familie und sein Heim verloren. Im Internet habe es eine öffentliche Hetzjagd auf ihn gegeben. Die verbleibenden 31 Tage reduzierte der Richter dann noch um einen Tag - den habe der frühere Lehrer schon abgesessen. Der Staatsanwalt hatte 20 Jahre Haft mit einer Reduzierung um zehn Jahre gefordert. Cherices Mutter hatte immer wieder gefordert: "Sperrt ihn ein!" Sie hatte im Rahmen des Verfahrens eine Zahlung über mehr als 90.000 Dollar - die Angaben über die Summe variieren - wegen des "widerrechtlichen Todes" ihrer Tochter von der Schulbehörde erhalten. Aber sie wollte auch, dass Rambold hart bestraft wird.

Therapie anstelle von Haft

Nun wird der frühere Lehrer also nur einen Monat hinter Gitter verbringen. Bei dem Urteil wird es wohl bleiben, denn der Staatsanwalt hat bereits angekündigt, nicht in Berufung gehen zu wollen. Der Fall, der auf den ersten Blick simpel anmutet, ist komplex. Wie die Beziehung zwischen dem damals erst 14-jährigen Mädchen und dem viel älteren Lehrer genau verlief, ist nicht ganz klar. Rambold gab eine Vergewaltigung nur in einem Fall zu, der Mann und das Mädchen sollen aber über einen längeren Zeitraum intim gewesen sein. Im Frühjahr 2008 kam die Polizei dem Lehrer auf die Spur. Er wurde erst vom Dienst freigestellt und kündigte wenig später. Auch seine Erlaubnis, als Lehrer zu unterrichten, gab er zurück. Etwa zwei Jahre später - das Verfahren lief noch – brachte sich das Mädchen um. Ihre Mutter sagt, die Vergewaltigung hätte eine Rolle bei ihrem Selbstmord gespielt.

Das Verfahren gegen Rambold wurde nach dem Tod des Mädchens auf Eis gelegt und dann eine Vereinbarung getroffen: Der ehemalige Lehrer sollte ein dreijähriges Programm zur Behandlung von Sextätern absolvieren, dann würden die Vorwürfe fallen gelassen.

Nachdem er zwei Drittel dieser Therapie absolviert hatte, wurde Rambold allerdings aus der Behandlung geschmissen. Er schwänzte plötzlich Termine. Er hatte, was während der Therapie nicht erlaubt war, Sex mit einer - erwachsenen - Frau, und er hatte Kontakt mit Minderjährigen. Letzteres soll allerdings harmlos gewesen sein, denn diese Minderjährigen stellten sich später als Familienmitglieder heraus. Inzwischen habe er eine neue Therapie aufgenommen, sagte Rambolds Anwalt vor Gericht.

Ob diese Details die Wut über das Urteil beschwichtigen können, ist fraglich. Etliche US-Websites berichteten am Mittwoch über das Urteil. Auf Twitter gab es zwar nur vereinzelte Einträge dazu, jedoch hatten sie alle denselben Tenor: "ungerecht". Einer wiederholte auch einfach nur das, was die Mutter gerufen hatte, als sie entsetzt aus dem Gerichtssaal stürmte: "You people suck!"

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