HOME

USA: 13-Jähriger ersticht Schwester, um seine Mutter zu bestrafen - sie verzeiht ihm

Als Paris 13 Jahre alt ist, ersticht er seine vierjährige Schwester Ella. Charity Lee, die Mutter der beiden, hat ihrem Sohn inzwischen verziehen. "Ich habe nie aufgehört Paris zu lieben", sagt sie.

13-Jähriger ersticht seine vierjährige Schwester, um seine Mutter zu bestrafen - sie verzeiht ihm

Es war der 5. Februar 2007, ein Montag kurz nach Mitternacht, als Polizisten ins Buffalo Wild Wings kamen, einem Fastfood-Restaurant, in dem Charity Lee als Kellnerin arbeitete. Es war ein Tag, der Lees Leben in ein Vorher und ein Nachher teilte: "Sie sagten, meine Tochter sei verletzt worden", erzählt die heute 44-Jährige der "New York Post". Eine Nachricht, die jeder Mutter das Blut in den Adern gefrieren lässt. "Sie müssen mich sofort zu Ella bringen", habe sie die Polizisten beschworen. "Sie können nicht zu ihr… sie ist tot."

Für Lee brach eine Welt zusammen. Wie konnte das passieren? Ihr kleines Mädchen war doch wohlbehalten zuhause – versorgt durch ihren großen Bruder und eine Babysitterin. Was hätte der Vierjährigen da zustoßen können? "Ist mein Sohn okay?", habe sie die Beamten gefragt. Die Antwort stößt ihr vor den Kopf: "Wir haben ihn, haben sie geantwortet und das war der Moment, wo das alles für mich keinen Sinn mehr gemacht hat."

17 Mal stach Paris auf seine kleine Schwester ein

Vor zehn Jahren verlor die US-Amerikanerin Charity Lee ihre vierjährige Tochter. Sie wurde ermordet - von ihrem großen Bruder Paris, damals 13 Jahre alt. Der Sender "Investigation Discovery" erzählt in der Dokumentation "The family I had" den ganzen tragischen Fall. Es ist die Geschichte einer Mutter zwischen Gram, Liebe, Angst und Vergebung. Eine Geschichte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Denn anders als ihre Mutter dachte, waren die beiden Geschwister in jener Nacht allein zuhause. Der 13-jährige Paris hatte die Babysitterin davon überzeugt, dass sie ruhig um 22 Uhr schon nach Hause gehen könne. Danach, so fanden die Ermittlungsbehörden später heraus, habe sich der Junge ein Messer aus der Küche geholt und sei ins Zimmer der schlafenden Ella gegangen. Er schlug und würgte seine kleine Schwester und stach mit dem Messer auf sie ein. Immer wieder. Anschließend telefonierte er noch mit einem Schulfreund, bevor er die Rettungskräfte anrief. Ella ließ er blutend liegen. Die Polizei fand später keine Anzeichen, dass er erste Hilfe geleistet habe.

Er wollte seine Mutter für ihre Drogensucht bestrafen

Doch wie konnte das passieren? Zunächst erzählte Paris den Ermittlungsbehörden, er habe eine sehr lebendige Halluzination gehabt, in der Ella ihn ausgelacht habe. Später gab er jedoch an, er sei am Morgen schon aufgewacht und wollte jemanden umbringen. "Ella war da ein leichtes Ziel", sagt die Mutter. Paris habe seine Mutter leiden sehen wollen, um sie für ihre Drogensucht zu bestrafen. Denn Lee war lange heroinabhängig und kam erst kurz bevor sie mit Paris schwanger wurde davon los. Als ihr Sohn zwölf Jahre alt war, hatte sie einen kurzen Rückfall mit Kokain. Tochter Ella war damals drei. Paris verzieh ihr das nie. In seinen Augen waren seiner Mutter die Drogen wichtiger als er.

Ihre Drogensucht ist auch der einzige Vorwurf, den sich Lee noch heute machen würde, sagt sie. "Tatsache ist, dass es ihn wütend gemacht und er diese Art gewählt hat, damit umzugehen."

Charity Lee verzeiht ihrem Sohn

Auch Paris kommt in der Dokumentation zu Wort. "Ich habe mich selbst für die Tat entschieden. Ich trage auch die Verantwortung für mein Verbrechen", sagt der heute 24-Jährige. "Ich bin nicht verrückt und habe auch keine psychischen Erkrankungen." Gutachter, die ihn untersucht haben, sehen das anders. Er sei ein Soziopath, sagen sie. Seit er acht Jahre alt war, habe Paris immer wieder Mordfantasien gehabt. Heute verbüßt er eine 40-jährige Haftstrafe – die höchst mögliche Strafe, die ein Jugendlicher in Texas erhalten kann. Lee selbst hat ihren Sohn akzeptiert wie er ist, habe ihm sogar vergeben. Auch wenn es ihr häufig schwer falle. Regelmäßig besucht sie ihn im Gefängnis. "Ich möchte keine Mutter sein, die ihr Kind verlässt", sagt sie. Sie habe nie aufgehört, ihren Sohn zu lieben. "Aber wenn er nicht im Gefängnis wäre, hätte ich Angst vor ihm.", räumt sie ein.

Die Menschen in Charity Lees Umgebung verzeihen nicht so schnell. Immer wieder wird sie von fremden Menschen auf der Straße angesprochen oder sogar beschimpft. Als eine Mutter, die ein Monster herangezogen hat. 2011 hat die 44-Jährige ihrer Tochter eine Stiftung gewidmet: Die Ella Foundation. Sie hilft Menschen, die von Gewalt betroffen sind.

Lee hat inzwischen noch ein Kind bekommen. Phoenix. Inzwischen ist sie vier Jahre alt, so alt, wie Ella war, als sie starb. Paris hat sein kleines Geschwisterchen nicht kennengelernt. Die Gefängnisregeln erlauben ihm keinen Besuch von Menschen, die jünger sind als 17 Jahre.

Neonazi erschossen: Wie ein Kind zum Vatermörder wurde
tyr