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USA 38 Schüsse in drei Sekunden auf psychisch Kranken: Familie verklagt Polizei

Anwalt in den USA: Geoffrey Fieger
US-Anwalt Geoffrey Fieger vertritt die Familie des getöteten 20-Jährigen
© Imago Images
Anfang Oktober wurde in Detroit ein psychisch kranker 20-Jähriger von der Polizei erschossen. 38 Schüsse gaben die Beamten in nur drei Sekunden auf ihn ab. Jetzt hat die Familie des getöteten Mannes Klage gegen die Polizisten eingereicht.

Porter B. hatte keine Chance. Ein Polizeieinsatz Anfang Oktober kostete den unter Schizophrenie leidenden Mann aus Detroit das Leben. In drei Sekunden gaben fünf Beamte aus mehreren Metern Entfernung 38 Schüsse auf den 20-Jährigen ab, weil er mit einem Messer in der Hand auf die Beamten zulief. Die Familie verklagt jetzt vier der Beamten auf 50 Millionen Dollar wegen grober Fahrlässigkeit, Körperverletzung und Verletzung des Behindertengesetzes des Staates Michigan.

Wie der Anwalt der Familie, Geoffrey Fieger, in einer Pressekonferenz am Dienstag bekanntgab, richtet sich die Klage gegen unbekannte Beamte, da der Polizeichef von Detroit ihm die Namen der Beamten, die "an der Hinrichtung" des Mannes beteiligt gewesen waren, nicht genannt habe. "Der Polizeichef hat trotz meiner direkten Bitte an ihn, alles zur Verfügung zu stellen, die Videos und alles, was mit diesem Fall zu tun hat... bis heute, in den letzten zwei Wochen, habe ich nichts erhalten," sagte Fieger. "Sie haben mir keine Informationen gegeben".

Fieger sagte, er werde die Namen der verklagten Beamten zu einem späteren Zeitpunkt vom Detroit Police Department erhalten und sie dann ergänzen.

Tödlicher Polizeieinsatz in den USA: Opfer von 19 Kugeln getroffen

Der Autopsiebericht habe festgestellt, dass die Schüsse nicht aus unmittelbarer Nähe abgefeuert wurden und dass Porter B. mindestens 19 Mal von Schüssen in den Kopf, das Gesicht, die Brust, die Arme und die Beine getroffen wurde, so Fieger. "Es ist einfach unsinnig, dass so etwas in einer zivilisierten Gesellschaft passieren konnte, wo doch den Polizeibeamten in Detroit so viele Alternativen zur Verfügung standen, um diese Art von Tragödie zu verhindern", sagte Fieger. "Sie sahen ihn draußen, provozierten die Konfrontation und töteten ihn ohne Entschuldigung."

Der Polizeichef, so Fieger weiter, habe zudem der Öffentlichkeit während der Pressekonferenz "bearbeitete Videos" des Vorfalls gezeigt. Er und sein Team plane jedoch, das gesamte Videomaterial zu beschaffen, indem sie Vorladungen an das Detroit Police Department ausstellen und die Videos der Öffentlichkeit zugänglich machen werden, sobald sie vorliegen.

Das Video, dass der Polizeichef vom Detroit Police Department Anfang Oktober auf einer Pressekonferenz präsentierte, dauerte nur wenige Minuten und die Aufnahmen stoppten kurz nach den ersten Schüssen. Der große Bruder des 20-jährigen Schwarzen hatte den Notruf gewählt, nachdem dieser mit einem Messer die Reifen seines Wagen aufgeschlitzt hatte.

Nach Angaben der Polizei hatte Porter B. in den vergangenen drei Jahren drei Familienmitglieder mit einem Messer attackiert, darunter auch seine siebenjährige Stiefschwester. Irgendwann wurde er in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, aus der er später ausbrach. Es brauchte vier Beamte, um ihn in Gewahrsam zu nehmen, und mehrere Taser-Einsätze während dieser Flucht.

Quellen: ABC News, "The Detroit News"

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