VG-Wort Pixel

"Jeder hat es geglaubt" 48-Jährige stiehlt Identität ihrer Tochter und lebt das Leben einer jungen Frau

Aufschrift Police auf dem Heck eines Polizei-Fahrzeugs
Als die Polizei sie bei einer Verkehrskontrolle stoppte, habe sie zunächst alle Vorwürfe bestritten (Symbolbild)
© Picture Alliance
Mit Anfang 20 schreibt sie sich an der Uni ein, kassiert tausende Dollar an Studienkrediten, arbeitet in der Stadtbibliothek – in Wahrheit ist sie Mitte 40. Eine US-Amerikanerin hat zugegeben, die Identität ihrer Tochter gestohlen zu haben.

Sie habe den Führerschein gemacht, sei zur Uni gegangen, habe Studienkredite erhalten. Eine 48-jährige US-Amerikanerin hat zugegeben, zwei Jahre lang das Leben einer halb so alten Frau geführt zu haben – das ihrer Tochter. Der Staatsanwaltschaft zufolge hat sich die heute 48-Jährige des Identitätsdiebstahls und des Sozialversicherungsbetrugs schuldig bekannt.

Angeklagte soll tausende Dollar Fördergelder eingestrichen haben

Medienberichten zufolge nahm die Geschichte 2016 im US-Bundesstaat Arkansas ihren Anfang. Dort habe die Angeklagte eine Sozialversicherungskarte auf den Namen ihrer Tochter, mit der sie keinen Kontakt hatte, beantragt. Laut der Wirtschaftsnachrichtenwebsite "Market Watch" war die heute 48-Jährige Frau auf der Flucht vor der örtlichen Polizei, nachdem sie angeblich 28.000 US-Dollar von einer Autowerkstatt gestohlen hatte, in der sie zwei Jahre zuvor kurzzeitig gearbeitet habe. Dazu habe sie sich sechs Kreditkarten über Firmenkonten ausstellen lassen. Auch in diesem Fall habe sie sich später schuldig bekannt.

Aufgeflogen sei sie erst 2018. Inzwischen habe sie in Mountain View gelebt, einer Kleinstadt im Bundesstaat Missouri. Die Polizeibehörde aus dem nahe gelegenen Staat Arkansas, die weiterhin nach der Frau fahndete, habe die städtische Polizei über die unter falschen Namen (und Alter) lebende Verdächtige informiert. Die Ermittler dürften nicht schlecht gestaunt haben, als sie erfuhren, dass die Mitvierzigerin tatsächlich im Grenzstädtchen lebte und dort in der Stadtbibliothek arbeitete. Die noch größere Überraschung: Sie habe sich ein Jahr zuvor unter dem Namen ihrer Tochter an der Southwest Baptist University eingeschrieben. Dabei habe sie, so die Staatsanwaltschaft, 9400 Dollar Bundesstudiendarlehen, knapp 6000 Dollar Ausbildungsfördergelder, 337 Dollar für Bücher und fast 1900 Dollar weitere Finanzierungsgelder kassiert.

Bis zu fünf Jahre Haft

"Jeder hat es geglaubt", sagte Chief Jamie Perkins vom Mountain View Police Department in Missouri gegenüber der "New York Times". Sie habe sogar Freunde gehabt, die glaubten, dass sie in den Zwanzigern sei. Als die Polizei sie bei einer Verkehrskontrolle stoppte, habe sie zunächst alle Vorwürfe bestritten. Doch, als die Beamten ihr die erdrückenden Beweise für den Identitätsdiebstahl vorlegt hätten, sei die Frau jedoch eingeknickt. "Sie war nur auf der Flucht, weil sie in einer Beziehung mit häuslicher Gewalt steckte und schon seit Jahren auf der Flucht war", sagte Chief Perkins.

Nach Bundesgesetzen drohen der Frau laut Staatsanwaltschaft nun bis zu fünf Jahre Haft. Gemäß einer bereits erfolgten Anordnung muss sie zudem 17.521 Dollar an die Universität und an ihre Tochter zurückzahlen.

Sozialversicherungsbetrug und Identitätsdiebstahl seien in den USA sehr häufige Verbrechen, sagt Nikos Passas, Professor für Kriminologie und Strafjustiz an der Northeastern University der "New York Times". Allein vom 1. April bis zum 30. September habe es mehr als 270.000 Anschuldigungen wegen Sozialversicherungsbetrugs gegeben, von denen mehr als 167.000 als Betrugsversuche eingestuft worden seien.

Quellen: Pressemitteilung Staatsanwaltschaft Western District of Missouri; "New York Times"; "Market Watch"

yks

Mehr zum Thema



Newsticker