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Prozess in Florida: "Papa hat Mama wehgetan": Dreijähriger belastet Vater - 21 Jahre später findet er seine tote Mutter

Als Aaron Fraser drei Jahre alt war, sagte er, sein Papa habe seine verschwundene Mama erschossen. Aber es gab nicht genug Beweise. 21 Jahre später fand Fraser ihre Überreste in seinem Garten. Jetzt steht sein Vater vor Gericht.

Michael und Bonnie Haim vor fast dreißig Jahren mit ihrem Sohn Aaron

Michael und Bonnie Haim vor fast dreißig Jahren mit ihrem Sohn Aaron

Ein Mann in Florida muss sich seit Anfang der Woche wegen Mordes an seiner Ehefrau vor einem Gericht in Jacksonville verantworten. Das Besondere an dem Fall: Der 52 Jahre alte Michael Haim wurde vor 26 Jahren schon einmal der Tat beschuldigt - von seinem eigenen Sohn.

Aaron Fraser war drei Jahre alt, als seine Mutter Bonnie Haim im Januar 1993 verschwand. Einer Fürsorgerin sagte er kurz darauf, "Papa hat Mama wehgetan", wie der US-Nachrichtensender WJXT unter Berufung auf Gerichtsdokumente berichtet. Aaron habe damals auch erklärt, "Papa hat Mama erschossen" und "Mein Papa konnte sie nicht aufwecken." Aber die Polizei fand keinerlei Beweise, die Frasers Anschuldigungen gerichtsfest untermauerten.

Sogar Bonnie Haims Familie hatte Zweifel an Aarons Version der Ereignisse. "Er hat ein paar Dinge gesagt, von denen wir wissen, dass sie nicht wahr sind: 'Mamas Auto steht im See.' Wir wissen, dass ihr Auto nicht da war", zitiert der "Telegraph" eine Aussage ihres Vaters Robert Pasciuto in der Fernsehserie "Unsolved Mysteries" aus dem Jahr 2010.

Ermittler durchsuchten mehrfach Haims Grundstück

Michael Haim beteuerte nach dem Verschwinden seiner Frau seine Unschuld. Sie habe nach einem Streit das Haus verlassen und sei nicht zurückgekehrt. "Im Grunde war sie einfach nicht glücklich und sie wollte gehen, und ich konnte sie nicht davon abhalten zu gehen", sagte er laut WJXT 1993 in einem Interview.

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Die Polizei informierte Haim den Berichten zufolge damals nicht. Sie wurde von einem Wartungstechniker verständigt, der Bonnie Haims Portemonnaie mit 1250 Dollar in bar im Müllconatiner eines Hotels fand. Später entdeckten die Ermittler ihr verlassenes Auto in der Nähe des Flughafens von Jacksonville.

Michael Haim blieb all die Jahre ein Verdächtiger in dem Fall. Das Sorgerecht für seinen Sohn wurde ihm aus Angst um dessen Sicherheit entzogen. Mehrfach hätten die Ermittler in der Vergangenheit auch Haus und Grundstück der Familie durchsucht, berichtet der US-Sender CNN. Aber sie hätten nicht genug Beweise gefunden, um Haim wegen Mordes vor Gericht zu bringen.

"Ich hatte ihren Schädel in der Hand"

Fraser kam nach dem Verschwinden seiner Mutter in eine Pflegefamilie, die ihn später adoptierte und deren Namen er heute trägt. Viele Jahre später wurde ihm in einem Prozess gegen seinen biologischen Vater sein Elternhaus in Jacksonville zugesprochen. Als er 2014 zusammen mit seinem Bruder damit begann, das Haus zu renovieren, stieß Fraser laut WJXT im Garten unter der Betonplatte einer Außendusche auf menschliche Knochen - die sterblichen Überreste von Bonnie Haim, wie DNA-Tests später bestätigten.

"Ich sah etwas, das ich als Kokosnuss beschreiben würde", schilderte Fraser nach Angaben von WJXT jetzt im Zeugenstand den Moment, als er die Knochen seiner Mutter entdeckte. "Ich hob das Kokosnussobjekt auf und es stellte sich heraus, dass es der obere Teil ihres Schädels war. Ich hatte ihn in der Hand", sagte er demnach den Tränen nahe. "Wir schauten zurück in das Loch und konnten Zähne sehen. Zu diesem Zeitpunkt konnte man den oberen Teil ihrer Augenhöhlen erkennen."

Als die Spurensicherung die Fundstelle untersuchte, entdeckte sie dort dem Sender zufolge auch eine Patronenhülse, Kaliber .22. Das gleiche Kaliber hatte ein Gewehr, das Michael Haim 1993 besaß. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung sei zu dem Schluss gekommen, dass seine Frau an einem Mord "mit nicht spezifizierten Mitteln" starb. 2015 wurde Haim schließlich in Waynesville, North Carolina, wo er mit seiner neuen Familie lebte, verhaftet und noch im selben Jahr offiziell wegen Mordes angeklagt.

Haims Anwältin sieht keine Beweise

Für die Ermittler war der Fund der sterblichen Überreste von Bonnie Haim das entscheidende Puzzleteil, um ihren Ehemann als Mörder zu überführen. Doch Michael Haim bestreitet die Tat weiterhin und plädierte in dem Prozess auf nicht schuldig, wie die US-Medien berichten.

Haims Verteidigerin ist optimistisch, dass ihr Mandant frei kommt. Die Staatsanwaltschaft könne nicht beweisen, dass er seine Frau getötet und ihren Körper in der Nacht, in der sie verschwand, dort vergraben hat, erklärte Janis Warren. "Das Einzige, was wichtig ist, ist: Können sie beweisen, dass er sie getötet hat? Und können sie beweisen, dass er die Leiche in den Garten gelegt hat?", stellte die Anwältin fest. "Für keines der beiden gibt es Beweise."

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Quellen: WJXT"Telegraph"CNN, USA Today, "Washington Post", "Unsolved Mysteries", Twitter, Facebook

tkr