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Drama in Kalifornien: "Ich nenne das Folter" - Polizei schildert das Schicksal der 13 gefangenen Kinder

Ein Elternpaar soll in Kalifornien seine 13 gemeinsamen Kinder gefangen gehalten haben. Bei einer Pressekonferenz haben Ermittler und Ärzte nun erschreckende Details genannt. Die Anklage gegen die Eltern wiegt schwer.

"Wir hätten niemals an so etwas gedacht", sagte eine Nachbarin der "BBC", "aber im Nachhinein waren da rote Flaggen. Es kann nicht sein, dass man neun Kinder nie sieht oder hört." Der Fall der 13 von ihren Eltern im Haus festgehaltenen Kinder in Kalifornien erschüttert die USA.

Das beschuldigte Ehepaar soll am Donnerstag vor Gericht erscheinen. Das berichtete CNN am späten Dienstagabend (Ortszeit). Dem Paar aus der Stadt Perris südöstlich von Los Angeles werden schwere Misshandlung und Kindesgefährdung vorgeworfen, wie das Bezirkssheriffbüro in Riverside am Montag mitgeteilt hatte. Die Behörde spricht dabei sogar von "Folter" (torture). Die Eltern wurden festgenommen, die Kaution für eine Freilassung wurde dem Sheriffbüro zufolge auf hohe 9 Millionen Dollar (7,3 Millionen Euro) pro Person gesetzt.

Polizeifotos zeigen links eine Frau und rechts einen Mann, die ihre 13 Kinder in Kalifornien gefangen gehalten haben sollen

Ein Elternpaar soll in Kalifornien seine 13 gemeinsamen Kinder unter erbärmlichen Bedingungen gefangen gehalten haben

"Ich nenne das Folter"

Auf einer Pressekonferenz berichtete Polizeichef Gregg Fellows am Dienstag über die Befreiung der Erwachsenen und Kinder. Eine 17-Jährige entkam laut Fellows durch ein Fenster aus ihrem Elternhaus und rief mit einem eigentlich "deaktivierten Mobiltelefon" den Notruf. Die Polizisten, die sie für zehn Jahre alt hielten, schenkten ihr erst Glauben, als das Mädchen ihnen auf dem Telefon Fotos von den Zuständen im Haus zeigte. Fellows sagte laut "BBC": "Einige unserer Polizisten haben gesagt, dass es im Haus sehr faulig gerochen habe." Drei der Kinder seien angekettet gewesen. "Es war extrem schmutzig und wie wir bereits berichtet haben, waren viele der Kinder unterernährt."

Auf den Foltervorwurf angesprochen, antwortete der Polizeichef laut "BBC": "Können Sie sich vorstellen, dass jemand mit 17 Jahren aussieht wie eine 10-Jährige, an ein Bett gefesselt und unterernährt ist? Ich nenne das Folter." Hinweise auf sexuellen Missbrauch oder psychische Erkrankungen seien bislang nicht gefunden worden, allerdings stünden die Ermittlungen noch am Anfang.

Der Zugriff der Polizei habe die Mutter laut Polizeichef überrascht. "Ich kann den genauen Wortlaut des Gespräches nicht wiedergeben, aber die Mutter schien verwundert, warum wir das Haus betreten", sagte Fellows laut "BBC".

Weder Jugendamt noch Schulbehörde kontrollierten

Laut "New York Times" hatte der Vater die Lizenz für eine Privatschule. Die einzigen Schüler: Sechs seiner eigenen Kinder im Schulalter. So mussten die Kinder das Haus nicht verlassen und keiner Schule, keinem Lehrer, keinem Mitschüler konnte auffallen, wie schlecht es den Kindern der Familie geht. Bislang ist fraglich, wie eine Familie, die laut "New York Times" vor wenigen Jahren noch als normal galt, sich so entwickeln konnte. Videos in sozialen Medien zeigen, wie die Eltern in einer Hochzeitskapelle in Las Vegas ihr Ehegelöbnis erneuern - inklusive Elvis-Imitator. Die Mädchen tragen identische Kleider, die Jungen Anzüge. Die Farbe ihrer Krawatten passt zu der der Kleider der Mädchen.

Dem zuständigen Jugendamt sei nie etwas Negatives gemeldet worden und so hat wohl nie jemand die Familie besucht, um sich ein Bild zu machen. Auch von der Schulbehörde hat trotz der Schullizenz nie jemand den Unterricht der Familie besucht, berichtet die "New York Times".

Posttraumatische Belastung und Mangelernährung

Seit ihrer Befreiung sind die sechs minderjährigen Kinder der Familie im Krankenhaus. Die dortige Chefärztin Sophia Grant sagte laut "Bild", dass die posttraumatische Belastung der Kinder hoch sein wird. Ernährungswissenschaftler Donald Kirby sagte dem US-TV-Sender ABC, es könne Jahre dauern, bis die 13 Kinder der Familie sich von der langen Mangelernährung erholen. "Diese Kinder werden viel Unterstützung brauchen, um irgendwann ein normales Leben zu führen“, sagte Grant laut "Bild". Auf die Frage, ob dies überhaupt je möglich sei, antwortete sie: "Es gibt immer Hoffnung."

tkr