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USA: Missbrauch auf Polygamistenranch

Nach der Vergewaltigung eines Mädchens haben US-Behörden in Texas mehr als 50 Kinder von der Ranch eines verurteilten Polygamistenführers in Sicherheit gebracht. Wie die Zeitung "Houston Chronicle" in ihrer Online-Ausgabe berichtete, seien 18 der Kinder missbraucht worden.

Das eingezäunte Gelände in der Nähe von Eldorado im Westen des Bundesstaates Texas war evakuiert worden, nachdem die Polizei dort nach einem 50 Jahre alten Mann gesucht hatte. Ihm wird vorgeworfen, ein 16 Jahre altes Mädchen geheiratet und mit ihm ein Kind gezeugt zu haben, berichtete die Online-Ausgabe der "Standard Times". Zwei weiße Busse mit dem Namen einer örtlichen Baptistenkirche an den Seiten hätten die Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und 17 Jahren vom Gelände gefahren, berichtete CNN. Wie der Sprecher eines Kinderschutzbundes (CPS) berichtete, würden auf dem Gelände noch immer Sektenmitglieder vernommen.

"Wir haben es mit vielen Opfern zu tun", sagte CPS-Sprecher Marleigh Meisner. "Augenscheinlich sind sie missbraucht worden." 18 Mädchen seien in der Obhut von CPS. 34 Mädchen würden noch befragt. Darrell Azar, ein anderer CPS-Sprecher, betonte, die Aktion habe nichts mit Religion oder einer besonderen Lebensart zu tun. "Das einzige Interesse ist, Kinder vor Missbrauch zu schützen", sagte er dem "Houston Chronicle".

Offene Vielweiberei

Der Gründer der Kolonie, Warren Jeffs, ist der Anführer einer fundamentalistischen Mormonensekte, die offen Vielweiberei betreibt. Jeffs war im vergangenen Jahr zu mehrjähriger Haft verurteilt worden. Er hatte ein 14-jähriges Mädchen verheiratet und zum Vollzug der Ehe mit ihrem 19 Jahre alten Cousin gezwungen. Die Richter sahen darin eine Beihilfe zur Vergewaltigung. Das Mädchen hatte in dem Prozess ausgesagt, Jeff habe ihr erklärt, ihre Seligkeit sei in Gefahr, falls sie die Ehe mit ihrem Cousin ablehne.

Die rund 10.000 Anhänger der Mormonensekte leben an der Grenze der US-Bundesstaaten Utah und Arizona in polygamen Haushalten. 2003 zog die Sekte auf eine große Ranch und baute dort einen Tempel. Abtrünnige Mitglieder berichteten von erzwungenen Ehen mit Minderjährigen, Kindesmissbrauch, Erpressung und Nötigung. Bei seiner Festnahme stand Jeffs auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher der amerikanischen Bundespolizei FBI. Es lagen Haftbefehle gegen den Sekten-Chef in den Staaten Arizona und Utah vor, wo er minderjährige Mädchen mit älteren, verheirateten Männern verkuppelt haben soll.

DPA / DPA
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