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USA und Russland tauschen Agenten aus Fliegender Wechsel in Wien


Der größte Agententausch seit dem Ende des Kalten Krieges ist weit unspektakulärer verlaufen als ähnliche Operationen im Thriller: Kaum in Wien eingetroffen, wurden die Spione auch schon zwischen den USA und Russland ausgetaucht.

Transatlantischer Spionage-Showdown: Der größte Agentenaustausch zwischen den USA und Russland seit dem Ende des Kalten Krieges wurde zügig abgewickelt. Am Mittag hob eine russische Maschine mit Mitgliedern des kürzlich in den USA gesprengten russischen Spionagerings vom Flughafen Wien ab. Es wurde angenommen, dass das Flugzeug Moskau zum Ziel hat. Auch die US-Maschine, die die Spione nach Wien geflogen hatte, hob nur Minuten nach der russischen Maschine ab.

Die zehn in den USA enttarnten russischen Spione waren kurz zuvor mit der von der US-Regierung gecharterten Maschine von New York nach Wien geflogen. Das Flugzeug von Vision Airlines landete am Vormittag in der österreichischen Hauptstadt. Kurz davor hatte eine russische Militärmaschine aufgesetzt. An Bord, so wurde vermutet: die vier Russen, die für den Westen spioniert haben sollen und gegen die die zehn anderen Spione ausgetauscht werden soll.

Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. "Wir können keine Details der Aktion nennen", wurde ein namentlich nicht genannter hochrangiger US-Regierungsbeamter am Freitag in russischen Medien zitiert. Auch die österreichischen Behörden wollten die Geschehnisse nicht kommentieren.

Russen-Spione gestehen

Nur Stunden vor ihrem Abflug hatten die enttarnten russischen Spione vor einer New Yorker Richterin zugegeben, für die russische Regierung gearbeitet zu haben. Für jeden einzelnen stand ein Anwalt auf und antwortete auf die Frage, ob sie die Anklage akzeptieren, mit einem knappen "Ja". Die meisten hatten sich als Amerikaner getarnt. Ihre Häuser und Autos sowie Teile ihres Vermögens wurden eingezogen. Einige haben Kinder, die nun selbst entscheiden sollen, ob sie ihren Eltern nach Russland folgen.

Vor Gericht hießen "Richard" und "Cynthia Murphy" wieder Wladimir und Lydia Guryew, "Donald" und "Tracey" wurden wieder zu Andrej und Elena. Die als schöne Spionin bekannt gewordene Anna Chapman heißt allerdings wirklich so. Auch zwei weitere der zehn spionierten unter ihren tatsächlichen Namen. Sie waren erst Ende Juni nach jahrelangen Ermittlungen vom FBI festgenommen worden.

Schöne Agentin hat keine Lust auf Russland

Zwei der zehn russischen Spione kündigten an, nicht in Russland bleiben zu wollen. Die wegen ihres attraktiven Äußeren von der Boulevardpresse als "Agentin 90-60-90" bezeichnete Chapman wolle in Großbritannien leben, sagte ihr US-Anwalt Robert Baum. Chapman werde kein Buch über ihre Erfahrungen schreiben und auch keinem Film zustimmen, da alle Tantiemen von den US-Behörden beschlagnahmt würden. Einem Bericht des "Daily Telegraph" zufolge will sie ihren britischen Ex-Mann wegen Verleumdung verklagen. Alex Chapman hatte in Interviews unter anderem Annas Vater als Ex-KGB-Agenten bezeichnet.

Die vor der Spionageaffäre wohl bekannteste Beteiligte, die Journalistin Vicky Pelaez, will hingegen in ihr Heimatland Peru zurückkehren. Russland habe der 55-Jährigen ein Appartement und eine Lebensrente von 2000 Dollar (knapp 1600 Euro) im Monat angeboten sowie Visa und Flugtickets für ihre Kinder, wurde Pelaez' Anwalt zitiert. Dies habe sie jedoch abgelehnt.

"Das Netzwerk von in den USA operierenden Agenten wurde zerschlagen", sagte ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums. "Es hätte sich kein Gewinn für die nationale Sicherheit ergeben, wenn diese zehn Agenten länger in den USA inhaftiert worden wären." Der ehemalige CIA-Agent Peter Earnest sagte der Nachrichtenagentur AP, Washington könne mit dem Deal zufrieden sein. Die USA hätten zehn weniger wichtige russische Agenten aufgegeben und im Gegenzug vier Personen zurückbekommen, die in Russland wegen Spionage verurteilt worden waren.

Medwedew begnadigt vier Agenten

Noch in der Nacht zum Freitag unterzeichnete Medwedew einen Ukas, mit dem der angebliche CIA-Agent und Nuklear-Experte Igor Sutjagin, die mutmaßlichen Doppelagenten Alexander Saporoschski und Sergej Skripal sowie Gennadi Wasilenko begnadigt wurden. Zuvor hatten sie in einem Gnadengesuch an Medwedew ihre Schuld eingestanden.

Allerdings sollen sie stark unter Druck gesetzt worden sein. So hatte Sutjagin, der bereits seit fast elf Jahren in einem nordrussischen Straflager gefangen war, seine Schuld stets bestritten. Er soll Informationen über die russische Raketenabwehr sowie über Atom-U-Boote an eine britische Agentur mit Kontakten zum US-Geheimdienst übergeben hatte. Die anderen drei Männer saßen ebenfalls bereits seit mehreren Jahren in Haft. Auch sie sollen über Wien ausgetauscht werden.

joe/DPA/APN DPA

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