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Vater für Flammentod seiner Töchter verurteilt: Lebenslang - und fürs Leben gestraft

Er sprach zunächst von einem Unfall, später von dem gescheiterten Plan, gemeinsam mit seinen Töchtern aus dem Leben zu scheiden. Das Gericht überzeugte er damit nicht: Es verurteilte den Dänen Peter-Thue R. wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Uta Eisenhardt, Potsdam

Ich bin fürs Leben gestraft, mehr können Sie mich nicht bestrafen." Diese reuevollen Worte gab Peter-Thue R. der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Potsdam vor der Urteilsberatung mit. Heute begründete der Vorsitzende Richter Frank Tiemann, warum der Däne, der im August seine beiden Töchter im Auto verbrennen ließ, lebenslang ins Gefängnis muss.

Während der Ausführungen des Richters stiert der Angeklagte nach unten, einzig sein gleichmäßiges Kaugummikauen verrät, dass ihm das Gehörte nicht gleichgültig ist. Akribisch hangelt sich der Richter durch die Biografie des 41-Jährigen. Sie ist geprägt von Unstetigkeit, vieles hat Peter-Thue R. in seinem Leben begonnen, wenig zu Ende gebracht. "Der Angeklagte neigt dazu, große Träume und wenig Tatkraft zu haben", so formulierte es bereits der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

1999 erwarb der Agrarökonom mit seiner Frau Christina O. einen heruntergekommenen Hof in Norddänemark. Zwei Jahre später wurde ihre Tochter Marlene geboren, ein weiteres Jahr später kam Line zur Welt. Die Eltern arbeiteten als Lehrer. "Es war die schönste Zeit meines Lebens", sagte Peter-Thue R. darüber. "Wir hatten zwei Autos und zwei wohlgeratene Kinder." Sie endete mit dem Auszug seiner Frau. Sie hatte kein Interesse mehr an dem Mann, der sich ihrer Meinung nach zu wenig um das Familienleben bemühte - es noch nicht einmal schaffte, gemeinsam zu essen - und der sich eher vor dem Fernseher und Computer entspannte als in der Natur oder im Kontakt zu Freunden.

Im Wettstreit mit der Mutter

Nach der Trennung begann Peter-Thue R., mit seiner Ex-Frau zu wetteifern. Zunächst punktete er mit dem Recht, den Wohnort der beiden Mädchen bestimmen zu dürfen und einer neuen Partnerin, die einen kleinen Sohn in die Patchwork-Familie brachte. "Damals stand es 5:1 für Thue", sagt seine Tante. Doch die neue Freundin spürte, wie sehr er noch an Christina hing und trennte sich. Obendrein hatte Peter-Thue R. seinen Job als Hilfslehrer verloren und darum Schwierigkeiten, den Kredit für seinen Hof zu bedienen.

Seine Ex-Frau dagegen hatte mittlerweile ihren heutigen Ehemann kennen gelernt und mit ihm ein großes, neues Haus erworben, eines, das im Gegensatz zum alten Hof nicht sanierungsbedürftig war. Peter-Thue R. wollte ihrem Glück nicht tatenlos zusehen, wollte ihr wenigstens die Kinder entfremden. Er beschloss, mit ihnen ins 200 Kilometer entfernte Fredericia zu ziehen - auch gegen den Willen seiner Mädchen.

Obwohl er Christina O. seine Pläne verheimlichte - "um Fakten zu schaffen", wie der Richter meint - gelang es ihr, diese zu durchkreuzen: Sie erhielt nun das Recht, fortan den Wohnort der Mädchen festzulegen. Die Sommerferien sollten die Mädchen noch je zur Hälfte bei einem Elternteil verleben, danach jedoch konnte die Mutter bestimmen, wie oft der Vater seiner Töchter sah.

Er brauchte Schlafmittel und Reserve-Benzin

Peter-Thue R. hatte auf der ganzen Linie verloren. In dieser "gravierenden narzisstischen Krise", so der Vorsitzende, fasste er den Entschluss, seine beiden Töchter zu töten. Er ließ sich ein starkes Schlafmittel verschreiben. Zwar erklärte er, dieses für sich selbst benötigt zu haben, indes wollte sich kein Zeuge finden, der seine Schlafprobleme bestätigte und oder die Probleme mit einer Tankkarte, die der Grund gewesen seien, warum er stets Reserve-Benzin mit sich geführt habe.

Am 10. August fuhr er dann mit seinen Töchtern zu einer Indoor-Skihalle in der Nähe von Hamburg. Vor der Fahrt hatte er zwei Kanister mit Scheibenreiniger geleert und diese mit je fünf Litern Benzin gefüllt. Er hätte sich am Abend des 11. August auf den Rückweg nach Dänemark begeben müssen, um die Kinder zu ihrer Mutter zu bringen. Doch er folgte seinem Plan und verabreichte seinen Töchtern das für Kinder ungeeignete Schlafmittel - er, der stets auf deren Gesundheit geachtet, ihnen noch nicht mal Süßes bewilligt hatte. Statt nach Norden fuhr er nach Süden, in einen Waldweg bei Börnicke. Er verschüttete das Benzin im Bereich von Beifahrersitz und Rückbank, auf der seine angegurteten Kinder schliefen. Den Bereich des Fahrersitzes sparte er aus. Mit einem Feuerzeug entfachte er den Brand, der sich schnell zu einem Feuerball entwickelte, wie ein Test des Landeskriminalamtes ergab.

Gezieltes Vorgehen

Der Zustand seiner Kleidung und die Art seiner Verletzungen deuten darauf hin, dass der Vater zwei, höchstens drei Sekunden im brennenden Auto geblieben sein könne. "Das reicht für Hinsetzen, Anzünden und Verlassen des Autos", sagt der Richter. Das spricht für ein gezieltes Vorgehen, es gab keine Zeit für ein Schwanken zwischen erweitertem Selbstmord und dessen Abbruch.

Den letzten Ausschlag, das Geschehene als heimtückischen und aus niederen Beweggründen begangenen Mord zu werten, gab das Verhalten von Peter-Thue R. nach der Tat. Jemand, der ernsthaft gemeinsam mit seinen Kindern sterben wollte, würde angesichts seines Scheiterns zusammenbrechen. Stattdessen habe der Vater sofort eine Unfall-Version aufgetischt, voller Details, die ihm im Prozess Stück für Stück widerlegt wurden.

"Ich habe Ihre letzten Worte noch in guter Erinnerung", sagt der Richter zum Schluss. "Wenn das wirklich ernst gemeint und nicht nur hohles Gerede ist, müssten Sie das Urteil annehmen." Der Angesprochene schüttelt energisch mit dem Kopf. Er will sich mit seinem Verteidiger Thomas Arndt beraten, auch über die Frage, ob wo er die Haft verbüßen wird. Peter Thue R. will nicht in seine Heimat, wo ihn jeder als Kindermörder kenne. Sein Anwalt dagegen rät dem narzisstisch gestörten Mandanten zu einer Therapie. Die könne er nur in seiner Muttersprache durchführen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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