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Verbrechen in den Alpen: Vierfachmord-Zeuge dachte an Krimiserie "CSI Miami"

Das Motiv für das Verbrechen liegt im Dunkeln. Allerdings sind sich die Ermittler sicher, dass Annecy "nur zufällig zum Ort dieses Dramas" wurde. Ein Zeuge berichtet über Horroszenen am Tatort.

Nach dem mysteriösen Vierfachmord in den französischen Alpen sind die Ermittler offenbar einen kleinen Schritt vorangekommen: Es sei eindeutig, dass die Urlaubsregion nahe der Stadt Annecy "nur zufällig zum Ort dieses Dramas" geworden sei, sagte Staatsanwalt Eric Maillaud am Donnerstag bei einem Besuch der britischen Grafschaft Surrey, wo die Opferfamilie wohnte. "Die Ursachen, Gründe und Erklärungen (für das Blutbad) sind wahrscheinlich hier zu finden."

In savoyischen Alpen waren am Mittwoch vergangener Woche ein 50 Jahre alter Brite mit Wurzeln im Irak, seine Frau und seine Schwiegermutter sowie ein Fahrradfahrer aus Frankreich erschossen worden. Eine siebenjährige Tochter der Familie wurde angeschossen und schwer verletzt, ihre vier Jahre alte Schwester überlebte körperlich unverletzt.

Der 50 Jahre alte Familienvater Saad al Hilli hatte als Computeringenieur freiberuflich für mehrere Firmen gearbeitet. Zu den Auftraggebern sollen auch Unternehmen gehört haben, die etwa in der Satellitentechnik tätig sind. In Berichten war gemutmaßt worden, in dem beruflichen Umfeld des Mannes könne ein mögliches Motiv für den Mord liegen. Außerdem wurde über einen Erbschaftsstreit mit seinem Bruder spekuliert. Dabei soll es um mehrere Immobilien, unter anderem im Irak und in Spanien gegangen sein.

Zeuge beschreibt Szenen vom Tatort

Der britische Radfahrer, der die Leichen der Mordopfer entdeckt hatte, gab sein erstes Fernsehinterview. Im britischen Sender BBC sagte Brett Martin, der Tatort habe auf ihn gewirkt wie der Drehort für eine Folge der US-Krimiserie "CSI Miami". "Es gab viel Blut und Tote mit Einschusslöchern in den Köpfen", sagte der frühere Angehörige der britischen Luftwaffe. "Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Leben so etwas erleben muss." Zuerst habe er das Fahrrad des ermordeten französischen Radfahrers gesehen, dann die schwerverletzte sieben Jahre alte Tochter der al-Hillis, sagte Martin. Er habe zunächst gedacht, das torkelnde Mädchen würde nur spielen und Späße machen. "Als ich näher kam wurde mir klar, dass sie schwer verletzt und voller Blut war." Als er den Wagen gesehen habe, in dem sich das Ehepaar al-Hilli und die Mutter der Frau befanden, habe er zunächst an einen "furchtbaren Autounfall gedacht".

Die französischen Ermittlungsbehörden arbeiten mit 40 Beamten an dem Fall. Bereits in der vergangenen Woche war ein Viererteam nach Großbritannien gereist. Bei der Zusammenarbeit zwischen britischen und französischen Behörden hatte es Probleme gegeben. "Wenn zwei unterschiedliche Rechtssysteme aufeinander treffen, dann kann das zu Herausforderungen führen", sagte der Leiter des britischen Ermittlungsteams, Rob Price. "Wir haben die Probleme überwunden und sind entschlossen, das auch in Zukunft zu tun."

fw/DPA / DPA