Verbrechen von Velbert Misshandelte Kassandra hat ein Blackout


Erstmals seit dem brutalen Verbrechen vor gut drei Wochen konnte die Polizei Kassandra befragen - doch das neunjährige Mädchen hat keinerlei Erinnerung an die Tat. Ihr mutmaßlicher Peiniger, ein 14-jähriger Junge, sitzt weiter in Untersuchungshaft.

Die neunjährige Kassandra aus Velbert kann sich nicht daran erinnern, dass sie vor drei Wochen misshandelt und in einen Gully-Schacht geworfen wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft erklärten am Mittwochabend, das Kind, das sich nach wie vor im Krankenhaus befindet, sei am Nachmittag erstmals zu der Tat angehört worden. Sie könne sich zurzeit nicht an das unmittelbare Tatgeschehen erinnern. Heißt, sie kann momentan auch keine Hinweise auf den Täter geben.

Kassandra war Mitte September fast zu Tode geprügelt und dann in einen Kanalschacht geworfen worden. Der Täter hatte zudem den Schacht mit dem Gullydeckel verschlossen. Suchhunde hatten das Mädchen in der Nacht während starker Regenfälle entdeckt. Laut Polizei wäre sie ansonsten wenig später ihren schweren Verletzungen erlegen. Das Mädchen erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und zahlreiche innere Verletzungen. In den vergangenen Tagen hat sich ihr Gesundheitszustand laut Polizei und Staatsanwaltschaft aber erheblich gebessert.

Anwältin des Verdächtgen bereitet Haftbeschwerde vor

Die Polizei verdächtigt einen 14-jährigen Jungen. Er sitzt seit vergangenem Freitag in Untersuchungshaft und bestreitet die Vorwürfe. Die Polizei betonte am Mittwoch, sie ermittle weiter in alle Richtungen. Die Anwältin des mutmaßlichen Peinigers hatte zuvor angekündigt, sie wolle die Freilassung des verhaltensauffälligen Jungen erwirken. "Die Beweislage rechtfertigt keine Inhaftierung", sagte die Hamburger Anwältin. Sie arbeite gerade an einer Haftbeschwerde. "Ich habe allergrößte Zweifel an der Täterschaft meines Mandanten." Der "Bild"-Zeitung zufolge hat die Strafverteidigerin den 14-Jährigen inzwischen im Gefängnis besucht.

Faserspuren und Zeugen belasten 14-Jährigen

Die Ermittler gehen dagegen weiterhin von seiner Schuld aus. Über die Haftbeschwerde wird das Wuppertaler Amtsgericht entscheiden, sobald die Staatsanwaltschaft dazu Stellung genommen hat. Faserspuren, die mit denen an der Kleidung des Förderschülers übereinstimmen, waren an Kassandras blutbefleckter Jacke und an einem nicht näher beschriebenen "Tatmittel" entdeckt worden. Zudem sollen Zeugenaussagen den Jungen belasten.

Der Schüler hatte Hausverbot in dem Spieltreff, aus dem Kassandra verschwunden war. Eltern hatten sich beschwert, dass der Jugendliche kleinere Kinder ärgere und provoziere. Schüler berichteten, dass der 14-Jährige sich oft geprügelt habe. Gegen ihn war schon früher wegen Beleidigung und Sachbeschädigung ermittelt worden. Die Verfahren wurden aber eingestellt. Ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung ist noch offen.

DPA/AP AP DPA

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