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Verdächtige ermittelt: Maddie McCann und die Hoffnung nach dem Cleveland-Wunder

Vor sechs Jahren verschwand Madeleine McCann. Nach der Befreiung dreier Frauen in Cleveland schöpfen die Eltern neue Hoffnung. In der Tat haben britische Ermittler eine neue Spur.

Von Thomas Schmoll

Die Anrufer waren sich jeweils absolut sicher, dass es sich um Madeleine McCann handelt. Allein verganges Jahr waren es zwei in Queenstown, Neuseeland. Einer meldete sich im März bei der Polizei, ein anderer nach der Silversternacht. Die Verkäuferin hatte keinen Zweifel daran, das britische Mädchen, das seit sechs Jahren vermisst wird, gesehen zu haben - an der Seite eines "verdächtigen Mannes".

Und tatsächlich hat das Mädchen eine unglaubliche Ähnlichkeit mit Maddie McCann, sogar das Merkmal im rechten Auge ( Kolobom) stimmt überein. Schon in den Vorjahren hatte es Hinweise auf das Double gegeben. Um absolut sicher zu sein, bat Scotland Yard die neuseeländischen Kollegen um einen DNA-Test. Die Untersuchung ergab, dass die kleine Neuseeländerin mit Sicherheit nicht Madeleine McCann ist. "Ich glaube, es war absolut notwendig, sie auszuschließen, da sie so oft falsch identifiziert worden war. Es war notwendig ihrer armen Familie in Neuseeland und den McCanns zuliebe", sagte die Verkäuferin dem Newsportal stuff.co.nz.

Sechs Jahre vergebliche Hoffnung

Es ist einer der vielen Rückschläge gewesen, den Kate und Gerry McCann in den sechs Jahren zu verkraften hatten, seit ihre Tochter am 3. Mai 2007 während eines Familienurlaubs in Porugal verschwand. Vier Jahre war sie damals. Seither suchen die Eltern nach dem Mädchen, verwendeten viel Zeit und viel Geld dafür. Portugiesische Ermittler, britische Fahnder, Privatdetektive - alle haben jahrelang versucht, Maddie zu finden. Vergeblich. Auch eine Leiche wurde nie entdeckt.

Die portugiesische Polizei musste den Verdacht fallen lassen, dass die Eltern ihre Tochter getötet hätten. Im Internet waren sie längst von Spinnern und Verschwörungstheoretikern für schuldig erklärt worden. Die Ermittlungen in Portugal wurden 2008 offiziell beendet. Wieder drei Jahre später rollte Scotland Yard den Fall auf Anweisung des britischen Premiers David Cameron neu auf ("Operation Grange"). Im April 2012 erklärten die britischen Kriminalisten zur Verblüffung der Öffentlichkeit, dass es möglich sei, dass Maddie McCann noch lebe. Kürzlich veröffentlichte sie ein Suchbild der Kleinen, wie sie heute aussehen könnte.

Sechs Briten unter den Gesuchten

Und nun berichtet die Polizei von Spuren, die offenkundig übersehen oder gar ignoriert wurden. "Der Zweck unserer Untersuchung war, den Fall mit neuen Augen zu sehen - und das lohnt sich", sagte Hamish Campbell, Chef der Abteilung für Mord und Schwerverbrechen von Scotland Yard. Seine Leute hatten noch einmal alle Akten und Spuren überprüft, offenbar mit Erfolg. Der Kriminalist sprach jüngst von "zahlreichen Personen", die identifiziert worden seien - als Verdächtige oder zumindest als Zeugen. "Es gibt mehr als eine Handvoll Menschen, die wir im Zusammenhang mit dem Fall befragen werden – und sei es nur, um sie von unserer Liste zu streichen", sagte er.

Die britische "Daily Mail" meldete zunächst die Zahl von mehr als 20 Verdächtigen. Nun ist von zwölf die Rede, die laut Ermittler etwas mit dem Fall zu tun haben könnten: Reinigungskräfte, Handwerker, Gärtner. Nach Angaben der Polizei sind darunter sechs Briten. Sie alle wurden bisher nicht befragt oder nach Einschätzung der Fahnder nicht genügend vernommen. Die sechs Briten sollen in dem portugiesischen Ferienort Praia da Luz zu jener Zeit gearbeitet haben, als Maddie verschwand. Als Handwerker sollen sie vor allem Ausländern Dienste angeboten haben. Portugal ist bei britischen Touristen sehr beliebt. Scotland Yard will die Kollegen überzeugen, sich den Fall neu anzusehen. Die Briten wissen, dass das nicht einfach wird: Neue Untersuchungen kosten Geld. Und führen sie zum Erfolg, stehen die Portugiesen als Versager da.

"Natürlich gibt es Hoffnung"

Chefermittler Campbell verwies auf die spektakuläre Befreiung der drei Frauen in Cleveland, die alle rund oder genau ein Jahrzehnt gefangen gehalten worden waren. "Natürlich gibt es Hoffnung, Maddie lebend zu finden.“ Ähnlich äußerte sich das Ehepaar McCann. "Die Entdeckung dieser jungen Frauen stützt unsere Hoffnung, die ohnehin niemals nachgelassen hat, Madeleine zu finden." Das Ärzte-Paar sieht das Wunder von Cleveland als Beweis dafür, "dass Kinder manchmal entführt und über lange Zeiträume gefangen gehalten werden. Deshalb bitten wir die Öffentlichkeit, wachsam zu bleiben und weiter nach Madeleine zu suchen".