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Agenten des GRU? : Verdächtige im Fall Skripal: Russische Zeitung findet Hinweise auf falsche Identitäten

Die Briten sind sich sicher: Zwei russische Agenten haben den Giftanschlag auf Sergej Skripal verübt. Unter falschen Namen seien sie nach Großbritannien eingereist. Eine russische Zeitung hat nun Indizien gefunden, die diese Version stützen. 

Skripal-Attentat: Mit diesen Fotos sucht Sctland Yard nach Alexander Petrow und Ruslan Boschirow.

Mit diesen Fotos sucht Sctland Yard nach Alexander Petrow und Ruslan Boschirow. Sie sollen Sergej Skripal und seine Tochter vergiftet haben. 

Picture Alliance

Alexander Petrow und Ruslan Boschirow - unter diesen Namen sollen zwei Männer nach eingereist sein, um den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal zu ermorden. So heißen die beiden Russen nicht wirklich, sind sich die britischen Geheimdienste und Polizei sicher. Es seien die Tarnidentitäten zweier aktiver Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU, heißt es. Wer sich tatsächlich hinter den Pseudonymen verberge, sei Scotland Yard aber bekannt.

Auf die russische unabhängige Zeitung "Fontanka" hat sich auf die Suche nach Informationen über die beiden Verdächtigen gemacht. Und tatsächlich einige Indizien gefunden, die darauf hinweisen, dass es sich bei  und Ruslan Boschirow um Tarnidentitäten von Agenten handeln könnte. 

Reisepässe mit verdächtig ähnlichen Nummern 

Zunächst machen die Nummern der Reisepässe, mit denen die beiden  am 2. März dieses Jahres von Moskau nach London geflogen sind, stutzig. Sie würden derselbe Serie entstammen und sich nur in den letzten beiden Ziffern unterscheiden: 1297 und 1294 würden die letzten Ziffern der Passnummern lauten, berichtet "Fontanka".

Die Nummerierung der russischen folgt bestimmten Regeln und dient dazu, bestimmte Informationen über den Besitzer zu kodieren. So enthält sie etwa verschlüsselte Daten über den Ausstellungsort oder die Gültigkeitsdauer des Passes. Die große Ähnlichkeit der Passnummern könnte also entweder darauf hindeuten, dass die Pässe zur selben Zeit, am selben Ort ausgestellt wurden und ähnliche Informationen über die beiden Besitzer verschlüsselt werden mussten - oder aber dass die Nummerierung absichtlich bei der Erstellung der Reisepässe vergeben wurde. 

Aus den Seriennummer lässt noch mehr herauslesen: Diplomatenpässe tragen etwa die Seriennummer 10. Pässe, die vom Migrationsdienst ausgestellt wurden, haben die Seriennummern 61, 62, 63 oder 64. Diese Informationen sind öffentlich zugänglich.

Die Reisepässe von Petrow und Boschirow tragen die Seriennummer 65. Diese wird erst seit etwa zwei Jahren für nicht-biometrische Pässe vergeben.

Im Netz quasi nicht existent

Wie "Fontanka" herausgefunden haben will, sollen die Reisepässe von Petrow und Boschirow tatsächlich beide etwa zur gleichen Zeit vor zwei Jahren ausgestellt worden sein. Im Zeitraum zwischen September 2016 und März 2018 reisten die beiden Männer demnach mit diesen Pässen nach Amsterdam, Genf, Mailand und mehrmals Paris. Petrow sei außerdem vom 28. Februar 2017 bis zum 5. März 2017 in gewesen.

Man könnte meinen, wer so viel reist, würde wenigstens ein paar Fotos in sozialen Netzwerken zur Schau stellen. Insbesondere in Russland, wo nur sehr wenige Menschen sich Gedanken um die Sicherheit ihrer Daten machen und sehr freizügig ihr komplettes Leben im Netz ausbreiten.

Doch im Fall von Petrow und Boschirow verhält es sich anders. In sozialen Netzwerken sind die beiden quasi nicht existent. Die Profile, die unter dem Namen von Boschirow registriert sind und 2014 erstellt wurden, sind praktisch leer - sowohl auf Facebook, als auch im russischen Netzwerk VKontakte. 

Anscheinend zwei Flüge von London nach Moskau gebucht 

Dennoch ist es "Fontanka" gelungen, eine Adresse zu finden, unter der Boschirow registriert ist. Es handelt sich dem Bericht zufolge um ein 25-stöckiges Haus in Moskau. Doch dort kennt offenbar niemand einen Boschirow. "In der Wohnung lebt nur eine ältere Frau", haben Nachbarn der Zeitung erzählt. Einen Mann hätten sie nie in der Wohnung oder auch im Treppenhaus gesehen. 

"Trotz des reifen Alters fallen die Biografien der beiden Männer äußerst bescheiden aus und geben Grund zu Spekulationen, was die britische Version, es handele sich um fiktive Identitäten und die beiden würden für einen russischen Geheimdienst arbeiten, nicht ausschließt, lautet das Fazit der Zeitung. 

Kritiker bemängeln jedoch, dass sich der russische Militärgeheimdienst ausgefeiltere "Legenden", also fiktive Biografien, für seine Agenten ausarbeiten würde. Ein schlüssige Einwand. Doch es gibt noch einen Umstand, der zumindest seltsam erscheint. Nach Erkenntnissen der britischen Behörden haben Boschirow und Petrow Tickets für zwei aufeinander folgende Flüge von London nach Moskau gehabt - am Abend des 4. März und in der Nacht am 5. März. Genommen haben sie schließlich den ersteren Flug, nur ein paar Stunden nachdem Skripal und seine Tochter vergiftet auf einer Parkbank in Salisbury gefunden wurden. 

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ivi