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Ermordeter Regierungspräsident: Verdächtiger im Fall Lübcke hat rechtsextremen Hintergrund

Der festgenommene 45-Jährige, der den Regierungspräsidenten von Nordhessen, Walter Lübcke, erschossen haben soll, hat einen rechtsextremen Hintergrund. Das bestätigten Ermittler inoffiziell.

Wer den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (Archivbild von 2012) getötet hat, ist bislang unklar

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurde Anfang Juni auf seiner Terrasse erschossen. Ein Tatverdächtige wurde am Wochenende in Hessen festgenommen

DPA

Die Verhaftung eines Tatverdächtigen im Fall des erschossenen nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke wirft viele Fragen auf. Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft haben sich bisher weder zur Identität noch zum möglichen Motiv des Mannes geäußert. 

Spezialkräfte hatten den 45-Jährigen am frühen Samstagmorgen in Kassel festgenommen. Seit Sonntag sitzt er unter dringendem Mordverdacht in Untersuchungshaft. Die Festnahme erfolgte den Angaben zufolge "aufgrund eines DNA-Spurentreffers".

Medien: Mann soll rechter Szene nahe stehen

Mehrere Medien berichten unterdessen unter Berufung auf Ermittler, dass der Mann der rechten Szene nahestehen oder zumindest in der Vergangenheit Kontakte in das rechte Milieu gehabt habe. Der "Tagesspiegel" schrieb, es sei aber weiterhin unklar, ob Lübcke aus einem rechtsextremen Motiv getötet worden sei. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Kassel wollte sich auf Anfrage nicht zu den Medienberichten äußern. 

Der 65-jährige Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha entdeckt worden. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf und starb kurz darauf. Seither ermittelte eine 50-köpfige Sonderkommission. 

Behörden geben sich zugeknöpft

Die Behörden gaben sich auch nach der Verhaftung des Tatverdächtigen zugeknöpft. Weitere Informationen zur Festnahme und zum aktuellen Sachstand sollten erst in dieser Woche bekannt gegeben werden, hieß es in einer Erklärung. Wann die Öffentlichkeit informiert wird, wurde nicht mitgeteilt. Auch zu Herkunft oder Staatsangehörigkeit des Verhafteten machten die Ermittler keine Angaben.  

Die Innenpolitikerin der Linken, Martina Renner, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Sollte sich bewahrheiten, dass der Täter aus der rechtsextremen Szene stammt, wäre meine Erwartung, dass der Innenausschuss des Bundestages für nächste Woche eine Sondersitzung anberaumt." Dabei müsse es dann nicht nur um den Hintergrund des mutmaßlichen Täters gehen, sondern auch um das aktuelle Gefährdungspotenzial im Bereich des Rechtsextremismus.

tis / DPA