Verdächtiger Laptop Sicherheitsalarm legt Münchner Flughafen lahm


Ausnahmezustand auf dem Flughafen München: Bei einer Kontrolle wurde der Laptop eines Unbekannten positiv auf Sprengstoff getestet. Der Mann verschwand dennoch im Abflugbereich. Die Polizei suchte vergeblich nach dem Verdächtigen. War es ein versuchtes Attentat? Oder ein Fehlalarm?

Terrorangst in München: Nach einem Sprengstoffalarm am Franz-Josef-Strauß-Flughafen tappen die Sicherheitskräfte im Dunkeln, was den Alarm ausgelöst haben könnte. Das Laptop des nach wie vor unbekannten Fluggastes sei bisher nicht gefunden worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Mittwochabend am Flughafen München. Dass es sich bei dem Besitzer der Tasche um einen Geschäftsmann oder einen eiligen Fluggast gehandelt habe, der seinen Flug noch gekriegt hat, konnte die Bundespolizei bisher ebenfalls nicht bestätigen. Die Bundespolizei hatte den Lufthansa-Terminal 2 vorübergehend gesperrt und sämtliche Abflüge von dort gestoppt. Einsatzkräfte mit Spürhunden hatten bis zum Abend vergeblich nach ihm gesucht. Die Sperrung wurde nach drei Stunden aufgehoben. Der Flugverkehr sollte sich im Laufe des Abends langsam wieder normalisieren, hieß es.

Die Polizei hält inzwischen einen Fehlalarm für wahrscheinlich. Ein Scanner habe bei der Sicherheitskontrolle des Handgepäcks gegen 15.30 Uhr Sprengstoff bei einem Laptop angezeigt, erklärte der Sprecher. "Das muss nicht zwingend heißen, dass Sprengstoff drin ist." Die Kontrollgeräte seien so eingestellt, dass sie Sprengstoff-Verdacht schon auf niedrigstem Niveau meldeten, sagte Ludwig Schneider von der Sicherheitsgesellschaft München. Daher kämen auch Fehlalarme immer wieder vor. Einen konkreten Verdacht auf Sprengstoff in einem Gegenstand habe es nicht gegeben.

Die Kontrolleure wollten den Laptop genauer prüfen, doch der Mann habe ihn ergriffen, sich eilig entfernt und sei dann spurlos verschwunden. Er sei aber keineswegs wie ein Flüchtender unterwegs gewesen. "Wir gehen davon aus, dass der Passagier es nicht mehr mitbekommen hat, dass noch was kommen sollte." Vermutlich habe er nur sein Gepäck gesehen und sei los. Es gebe Videoaufnahmen von dem etwa 50 Jahre alten Mann, die nun ausgewertet würden, sagte der Sprecher. Von der Beschreibung der Sicherheitskräfte her habe es sich um einen typischen Geschäftsmann gehandelt.

Passagiere mussten Flugzeuge wieder verlassen

"Die Situation ist ganz, ganz ernst genommen worden", kommentierte ein Flughafensprecher die Situation. Die Bundespolizei hatte nach dem Vorfall sofort Großalarm ausgelöst, den Wartebereich mit Geschäften und Restaurants abgeriegelt und mehrere hundert Personen in Sicherheit gebracht, erklärte der Sprecher weiter. Auch Passagiere, die bereits in ihren Flugzeugen saßen, mussten wieder aussteigen. Eine der gesperrten Ebenen diene der Abfertigung für sogenannte Schengen-Flüge. Für diese Ziele in Europa müsse der Fluggast nicht durch eine Passkontrolle, sondern lediglich durch die übliche Sicherheitsschleuse.

Nach Aussage eines Flughafensprechers waren von der Teilsperrung mehr als 100 Abflüge betroffen. Zwanzig Flugzeuge seien ohne die im Flughafengebäude wartenden Passagiere aufgebrochen, da die Maschinen wieder in Umlauf gebracht werden mussten. Vor den Sicherheitsschleusen bildeten sich lange Schlangen. Passagiere wurden zum Teil mit Essen und Getränken versorgt. Das Terminal 2 wird von der Lufthansa und ihren Partnern im Verbund Star Alliance genutzt.

Strafrechtlich habe der Mann, der den Großalarm auslöste, wenig zu befürchten, wenn er nichts Illegales bei sich habe, sagte der Polizeisprecher. "Das größere Problem werden wohl zivilrechtliche Ansprüche der Fluggesellschaften sein." Die Handgepäckkontrolle am Münchner Flughafen wird von der Sicherheitsfirma SGM im Auftrag der Behörden durchgeführt.

AFP/APN/DPA/wl/dis DPA

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