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Vereitelter Anschlag in Bonn Bombe hätte Hunderte Menschen töten können


Ausmaße wie in Madrid 2004: Der Sprengsatz von Bonn hätte einem Medienbericht zufolge etliche Menschen umbringen können. Der stellvertretende Generalbundesanwalt nennt die Bombe "höchst gefährlich".

Der Sprengsatz aus dem #link;Versuchter Anschlag in Bonn;Bonner Hauptbahnhof# war nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft höchst gefährlich. Laut faz.net hätte sie eine ähnlich verheerende Wirkung gehabt wie der Anschlag von Madrid 2004. Dabei waren 191 Menschen ums Leben gekommen. Polizeisprecher Thomas Held sagte zu dem Bericht: "Das ist vorgegriffen, weil der abschließende Bericht einfach noch nicht vorliegt."

Nach Einschätzung von Generalbundesanwalt Harald Range ist ein terroristischer Hintergrund derzeit nicht mit ausreichender Sicherheit festzustellen. Deshalb habe die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen in dem Fall bislang nicht übernommen, sagte Range in Karlsruhe. Die Bundesanwaltschaft stehe jedoch "in engem Kontakt" mit der Staatsanwaltschaft Bonn. "Selbstverständlich werden wir das Verfahren übernehmen, sobald sich zureichende Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund ergeben", sagte Range.

"Alles ist offen"

In der Sporttasche habe sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr befunden, sagte der für Terrorismus zuständige Bundesanwalt Rainer Griesbaum. Um das Rohr seien vier Butangaskartuschen befestigt gewesen. Zwar sei eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gefunden worden, aber noch kein Zünder, sagte Griesbaum. Für eine Explosion sei jedoch eine Initialzündung erforderlich. Es könnte sein, dass ein Zünder bei der Entschärfung zerstört oder weggeschleudert wurde.

Die kriminaltechnische Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen, sagte Griesbaum. Der Tathintergrund sei noch unklar. Es könne sich um politisch motivierte oder allgemeine Kriminalität handeln. "Mit einem Wort: Alles ist offen."

Anwalt von Omar D. fordert Erklärung für Festnahme

Das Fehlen eines Zünders wird von faz.net unter Hinweis auf die Behördenkreise damit erklärt, dass die Einsatzkräfte die verdächtige Tasche mit einer Wasserkanone beschossen hätten. Dabei sei der Zünder "in unzählige Teile zerrissen" worden. Die Ermittler gingen davon aus, dass die Taschenbombe eigentlich nicht im Bonner Hauptbahnhof, sondern vermutlich in einem Zug oder an einem anderen belebten Ort hätte deponiert werden sollen. Dazu sagte ein Polizeisprecher, auch das stehe noch nicht fest. Es könne sein, dass der Zünder zerschossen wurde - genauso gut sei aber auch denkbar, dass gar kein Zünder da war. Die Experten des Landeskriminalamtes hätten dies noch nicht geklärt.

Zuvor hatte der Anwalt Mutlu Günal eine Erklärung der Polizei gefordert. Sein Mandant Omar D. habe mit der Sache absolut nichts zu tun, sagte Günal. "Die Polizei mag mal erklären, woher dieser Tatverdacht kam. Einfach mal einen Unschuldigen festnehmen, das ist nicht so schön." Es sei wohl einfach mal "eine Sau durchs Dorf getrieben" worden. Ihn selbst habe die Freilassung keineswegs überrascht: "Ich bin fest davon ausgegangen", sagte Günal.

Keine Festnahme, sondern Ingewahrsamnahme

Ein Polizeisprecher stellte klar, dass die beiden Männer nicht festgenommen, sondern nur in Gewahrsam genommen worden seien. Es habe einen Hinweis auf sie gegeben, doch der Tatverdacht habe sich nicht bestätigt. "Wir ermitteln weiterhin in alle Richtungen", sagte Held.

Die Polizei sucht seit Dienstag mit einem Phantombild nach dem Mann, der am Montag eine möglicherweise für einen Sprengstoffanschlag präparierte Tasche auf einem Bahnsteig im Bonner Hauptbahnhof abgestellt haben soll. Der Mann wurde laut Polizei von einem 14 Jahre alten Schüler beschrieben. Die Hintergründe des Vorfalls sind nach wie vor unklar.

Spezialisten hatten die verdächtige Tasche vor Ort durch Beschuss mit einem Wasserstrahl zerstört. Anschließend begannen Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes mit der Untersuchung der einzelnen Teile. Ergebnisse dazu sind noch nicht veröffentlicht worden.

Die Freigelassenen sollen der Islamistenszene angehören

Zwei Verdächtige, die am Dienstag festgenommen worden waren, kamen noch am Abend wieder frei. Ein erster Tatverdacht habe sich nicht erhärtet, berichtete die Kölner Polizei. Bei einem der Freigelassenen handelt es sich nach Informationen aus Sicherheitskreisen um den Somalier Omar D., der der Islamistenszene zuzuordnen sei. Auch der zweite Mann soll Medienberichten zufolge der Szene angehören.

Omar D. und der zweite Mann sind Berichten von "Spiegel Online" und "Bild.de" zufolge alte Bekannte der Staatsschützer. Bereits im September 2008 waren sie auf dem Rollfeld des Flughafens Köln/Bonn geschnappt worden, nachdem sie nach Amsterdam und von dort weiter zur Ausbildung in ein pakistanisches Terrorcamp fliegen wollten. Die Ermittler bestätigten damals, dass die seinerzeit 24 und 23 Jahre alten Männer Abschiedsbriefe geschrieben haben und im Verdacht standen, in den Heiligen Krieg ziehen zu wollen. Sie wurden aber bald darauf wieder freigelassen.

Versuchter Anschlag in Köln

Im Sommer 2006 hatten zwei junge Islamisten in Köln zwei in Koffern versteckte Sprengsätze in Regionalzüge gestellt. Weil in den Gasflaschen kein explosionsfähiges Gemisch ist, explodieren die Zeitzünder-Bomben aus Gas und Benzin aber nicht. Im Mai war ein radikaler Salafist bei einer Demonstration gegen die rechtsextreme Splittergruppe "Pro NRW" in Bonn auf Polizisten losgegangen und hatte zwei von ihnen verletzt. Teile der Salafisten-Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

lin/DPA DPA

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