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Verfahren gegen Wettermoderator: Kachelmann wirft Anwalt Birkenstock raus

Reinhard Birkenstock ist nicht länger Anwalt von Jörg Kachelmann. Nach Informationen von stern.de hat sich der TV-Wettermoderator auf eigenen Wunsch von seinem Verteidiger getrennt.

Von Malte Arnsperger

Jörg Kachelmann hat von sich aus das Mandat mit seinen Anwälten Reinhard Birkenstock und Klaus Schroth beendet. Dies bestätigte Schroth im Gespräch mit stern.de. "Ich habe am Montagnachmittag eine E-Mail von Herrn Kachelmann bekommen, in der er mir für meine Arbeit gedankt hat und mir mitgeteilt hat, dass er sich entschieden habe, sich einen neuen Anwalt zu nehmen", so Schroth. Auch Birkenstock erklärte, dass die Trennung von Kachelmann ausgegangen sei. "Herr Kachelmann hat sich für einen anderen Anwalt entschieden. Mehr sage ich zu der Sache aber nicht", sagte Birkenstock am Dienstagvormittag zu stern.de.

Schroth sagte, dass er die genauen Gründe für den Verteidigerwechsel nicht kenne. "Ich bin auch sehr überrascht. Denn das Verhältnis zu Herrn Kachelmann war immer sehr gut. Da muss etwas passiert sein. Aber ich denke nicht, dass Herr Kachelmann diese Entscheidung alleine getroffen hat." Jörg Kachelmann steht in Mannheim wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vor Gericht.

Am Montagabend hatte Birkenstock mitgeteilt: "Ich habe der 5. großen Strafkammer des Landgerichts Mannheim heute angezeigt, dass ich nicht mehr Verteidiger von Herrn Kachelmann bin." Kachelmanns neuer Anwalt soll der Hamburger Jurist Johann Schwenn sein, der bereits "Zeit"-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff und Jan Philipp Reemtsma verteidigte.

"Es ist denkbar, dass Herr Kachelmann Herrn Schwenn in das Team hinzuziehen wollte und Herr Birkenstock das nicht wollte", so Schroth. "Möglicherweise will Herr Kachelmann eine andere Strategie."

Birkenstock stets auf Konfrontationskurs

Birkenstock vertrat Kachelmann seit dem Ermittlungsverfahren; im Team der Verteidiger gab der 65-Jährige mit der rauchig-heiseren Stimme eindeutig den Ton an. Und es schien, als sei ihm der Fall eine Herzensangelegenheit ­ sogar seine Frau bezog er in das Verfahren ein, die Mediatorin betreute Kachelmann in den Verhandlungspausen.

Gegenüber dem Gericht fuhr Birkenstock einen klaren Konfrontationskurs: Gleich zu Prozessbeginn stellte er Befangenheitsanträge gegen zwei der Richter, später nochmals gegen das gesamte Gericht, nachdem es die Strafkammer zunächst abgelehnt hatte, das mutmaßliche Opfer über ein Zeugnisverweigerungsrecht wegen möglicher Selbstbelastung zu belehren. Beide Male wurden die Anträge abgelehnt, doch zumindest mit dem zweiten Antrag hatte Birkenstock das Gericht nicht gut aussehen lassen. Die Richter korrigierten sich und holten die verlangte Belehrung nach.

Nicht zuletzt war Birkenstock das Gesicht der Verteidigung in der Öffentlichkeit ­ er war es, der in den Verhandlungspausen mit den Fernsehteams sprach und sichtlich Freude daran hatte, auf immer neue Art zu sagen, dass er über nichtöffentliche Verhandlungen nichts sagt.

Birkenstock beantragte nach Angaben des Amtsgerichts Köln zudem ein Ordnungsgeld gegen "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer. Er warf Schwarzer vor, sich nicht an eine Unterlassungserklärung gehalten zu haben. Schwarzer hatte Birkenstock in einem Artikel vorgeworfen, das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer des Fernsehmoderators zu diffamieren. So habe er die Frau als Stalkerin bezeichnet. Der Anwalt wies dies zurück und sagte, er habe dies niemals gesagt.

Die neue Verteidigung wird es schwer haben

Welche Gründe auch immer zur Trennung von Birkenstock geführt haben mögen ­- die neue Verteidigung wird es schon deshalb schwer haben, weil sie sich in ein bereits mehrere Monate dauerndes Strafverfahren einarbeiten muss. Angesichts der Masse der Gutachten und Vernehmungsprotokolle ist schon das eine Herausforderung.

Hinzu kommt: Sollte Schwenn am Ende des Verfahrens ein Plädoyer halten, so wird er Zeugenaussagen würdigen müssen, bei denen er selbst nicht dabei war. Es könnte sein, dass die Pflichtverteidigerin Combé nun eine entscheidende Rolle spielen wird.

Prozess zieht sich bis 2011

Der langjährige Fernsehmoderator Jörg Kachelmann muss sich seit drei Monaten wegen Vergewaltigung seiner Ex-Freundin vor dem Mannheimer Landgericht verantworten. Die Anklageschrift beschuldigt Kachelmann, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Kachelmann hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Prozess sollte ursprünglich bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Bereits in der vergangenen Woche zeichnete sich ab, dass sich der Prozess bis ins nächste Jahr hinziehen wird.

Mit Agenturen