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Vergangenheitsbewältigung: Natascha Kampusch will ihr Verlies zuschüttten

Mehr als drei Jahre nach ihrer Flucht will Natascha Kampusch das Kellerverlies im Haus ihres Entführers Wolfgang Priklopil zuschütten lassen. "Ich überlege noch, was dann mit dem Haus geschehen soll", sagte die 21-Jährige am Montag in Hamburg bei der Vorstellung einer Fernseh-Dokumentation über ihre Entführung. Am 25. Januar will die ARD den 45 Minuten langen Film "Natascha Kampusch - 3.096 Tage Gefangenschaft" ausstrahlen.

Mehr als drei Jahre nach ihrer Flucht will Natascha Kampusch das Kellerverlies im Haus ihres Entführers Wolfgang Priklopil zuschütten lassen. "Ich überlege noch, was dann mit dem Haus geschehen soll", sagte die 21-Jährige am Montag in Hamburg bei der Vorstellung einer Fernseh-Dokumentation über ihre Entführung. Am 25. Januar will die ARD den 45 Minuten langen Film "Natascha Kampusch - 3.096 Tage Gefangenschaft" ausstrahlen.

Das einstige Entführungsopfer ist die Eigentümerin des Hauses von Priklopil im Strasshof bei Wien, da sie Anspruch auf Schadensersatz hat und der Täter verstorben ist. 1998 hatte Priklopil die damals zehn Jahre alte Natascha verschleppt und sie etwa acht Jahre lang in dem Kellerverließ gefangen gehalten. Im August 2006 flüchtete sie. Der Entführer nahm sich noch am selben Tag des Leben, indem er vor eine Straßenbahn lief.

Erstmals nach ihrer Flucht will Kampusch nun die Mutter ihres Entführers treffen. "In den nächsten zwei Monaten soll ein Kontakt zustande kommen", sagte Kampusch in Hamburg. Bereits kurz nach ihrer eigenmächtigen Befreiung habe sie versucht, ein Treffen mit der Frau zu arrangieren. Damals habe die Mutter Priklopils dies aber abgelehnt. Inzwischen sei sie zu einem Gespräch bereit.

Über ihren derzeitigen Alltag sagte Kampusch, dass sie "ganz zurückgezogen" lebe, sich kaum in der Öffentlichkeit zeige, dennoch aber etwa öffentliche Verkehrsmittel benutze. Noch bis zum Ende des Jahres möchte sie nach eigenen Angaben ihren Mittelstufenabschluss in der österreichischen Schulausbildung erlangen.

Obwohl ihr nach der Flucht ein soziales Umfeld vollkommen gefehlt habe, habe sie sich allmählich einen Kreis von vertrauten Personen aufbauen können: "Ich habe Leute gefunden, die ich schon fast als Freunde bezeichnen würde", sagte Kampusch. Sie wünsche sich derzeit nichts mehr, als ein normales Leben führen zu können. "Ich habe offen gestanden gar keine Ahnung, wie sich mein Leben weiter gestalten wird", bekannte die junge Frau mit Blick auf ihre berufliche Zukunft. Im österreichischen Fernsehen hatte sie bereits eine Talkshow moderiert.

In der vom NDR produzierten Dokumentation über die lange Zeit der Entführung kommt mit Ernst H. auch ein früherer Freund des Täters zu Wort. Die österreichische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann wegen Mittäterschaft. H. geriet der Behörde zufolge wegen widersprüchlicher Aussagen ins Visier der Ermittler. Außerdem soll es fragwürdige Geldtransfers zwischen ihm und Priklopil gegeben haben.

Kampusch selbst kann das Rätsel um die mögliche Mitwirkung eines zweiten Täters nach eigenen Angaben nicht klären. "Ich hatte nur Kontakt mit dem Täter", sagt sie im Film. Sie wisse nicht, ob Ernst H. irgendetwas gemacht habe. Gegen Ende ihrer Gefangenschaft habe sie ihn einmal kurz kennengelernt. Priklopil habe sie bei der Gelegenheit als Nachbarin vorgestellt.

Ihre Bereitschaft zu der ersten großen Dokumentation begründete Kampusch mit Kritik an den österreichischen Medien. "Ich wollte das einmal von einer anderen Seite betrachtet sehen", sagte sie in Hamburg. In ihrem Heimatland hätten die Berichte über ihr Schicksal bisher immer einen "Nachrichten-Wegwerf-Charakter" gehabt, erklärte Kampusch.

AP / AP
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?