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Vergewaltigungsprozess: Die Chronologie des Falls Kachelmann

Der Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann nähert sich seinem Ende. Dienstag wird das Urteil erwartet. Auch seine Länge macht den Fall besonders. Die Chronologie.

8./9. Februar 2010:

Gegen 23 Uhr kommt der Wettermoderator Jörg Kachelmann in die Wohnung seiner damaligen Geliebten Silvia May (Name geändert) in Schwetzingen. Dort soll er sie ihren Angaben zufolge vergewaltigt haben. Er spricht von einvernehmlichen Sex. Gegen ein Uhr verlässt Kachelmann die Wohnung, fährt in ein Hotel und fliegt am nächsten Mittag zu den Olympischen Winterspielen ins kanadische Vancouver. Silvia May erstattet währenddessen Anzeige gegen ihn.

20. März: Kachelmann wird nach seiner Rückkehr aus Kanada am Frankfurter Flughafen festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht.

24. März: Bei einem Haftprüfungstermin bestreitet der TV- Wetterexperte die Vergewaltigung. Der Haftrichter entscheidet jedoch, dass er vorerst in U-Haft bleiben muss. Vor dem Gerichtsgebäude warten zahlreiche Journalisten. Kachelmann sagt: "Ich bin unschuldig, das ist alles, was ich im Moment sagen kann."

29. April: Erstmals gibt eine der vielen sogenannten "Lausemädchen" Kachelmanns ein Interview. Die Illustrierte "Bunte" druckt eine Titelgeschichte mit Viola S. Die Frau berichtet über ihre jahrelange Beziehung mit dem Wetterexperten und macht ihm schwere Vorwürfe wegen dessen Untreue.

19. Mai: Wegen des Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung erhebt die Mannheimer Staatsanwaltschaft Anklage.

29. Juli: Das Oberlandesgericht Karlsruhe hebt den Haftbefehl gegen Jörg Kachelmann auf. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr.

30. Juli: Der 52- Jährige äußert sich erstmals ausführlich öffentlich: In einem TV- Interview sagt er, unschuldig im Gefängnis zu sitzen, sei die schlimmste Erfahrung seines Lebens gewesen.

6. September: Der Prozess vor dem Landgericht Mannheim wird unmittelbar nach Beginn vertagt. Kachelmanns Anwälte hatten zuvor Befangenheitsanträge gegen zwei Richter gestellt. Das mutmaßliche Opfer erscheint überraschend vor Gericht.

13. September: Am zweiten Verhandlungstag wird die Anklage verlesen. Demnach soll Kachelmann seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben. Kachelmann sagt bis auf seine Personalien nichts.

20. Oktober: Das Gericht weist einen erneuten Befangenheitsantrag gegen die drei Richter ab. Kachelmanns Ex-Geliebte schildert das Tatgeschehen aus ihrer Sicht, insgesamt vier Verhandlugstage lang.

29. November: Kachelmann wechselt völlig überraschend seine Verteidiger. Reinhard Birkenstock und Klaus Schroth müssen ihr Mandat niederlegen. Der Hamburger Strafverteidiger Johann Schwenn wird der neue Anwalt an der Seite der Pflichtverteidigerin Andrea Combé.

20. Dezember: Ein Experte des baden-württembergischen Landeskriminalamts wird zu den Spuren am vermeintlichen Tatort vernommen vernommen. Er sagt aus, dass sich die DNA-Spuren am Griff nicht eindeutig zuordnen lassen. An der Messerklinge habe man nur geringe Spuren entdeckt, an der Messerspitze und am Rücken der Klinge dagegen gar keine, auch nicht vom mutmaßlichen Opfer. Kachelmann soll der Frau jedoch während der Tat den Messerrücken an den Hals gedrückt haben.

21. Januar 2011: Kachelmann sagt zum ersten Mal seit seiner Festnahme wieder das Wetter an. Der Radiosender Radio Basel hat ihn für die Wochenend-Vorhersage engagiert.

15. Februar: Die Verfahrensbeteiligten reisen in die Schweiz um dort eine Zeugin zu vernehmen. Die Frau berichtet Medienberichten zufolge von einem gewaltsamen Übergriff Kachelmanns Anfang.

9. Februar: Das Gericht lädt auf Antrag des Anwalts Schwenn Alice Schwarzer als Zeugin. Die Feministin und Journalistin, die für die "Bild"-Zeitung von dem Prozess berichtet, beruft sich jedoch auf ihre Zeugnisverweigerungsrecht.

9. März: Kachelmann heiratet die Studentin Miriam K. Es ist eine der Frauen, mit der er auch schon während seiner Beziehung mit Silvia May liiert war. Die 24-Jährige hatte zuvor auch als Zeugin vor Gericht ausgesagt.

25. März: Das mutmaßliche Opfer wird nochmals vernommen. Erstmals hat Kachelmanns Verteidiger Schwenn die Möglichkeit, die Frau zu befragen.

31. März: Auf Antrag der Verteidigung müssen die beiden Staatsanwälte als Zeuge auftreten und insbesondere über ihre Befragung von Silvia May berichten. Die Staatsanwälte geben an, dass sie von Kachelmanns Ex-Geliebter mehrfach belogen worden seien.

2. Mai: Die psychologische Sachverständige Luise Greuel legt ihr Gutachten zur Glaubhaftigkeit der Aussage des mutmaßlichen Opfers vor. Ihre Einschätzung gilt als entscheidend für das Verfahren. Greuel kommt zu einem offenen Ergebnis: Es könnte weder ausgeschlossen werden, dass das mutmaßliche Opfer absichtlich lüge, noch dass es sich um eine autosuggestiv kontaminierte Aussage handele.

5. Mai: Der Psychiater Hartmut Pleines wird zur Schuldfähigkeit Kachelmanns befragt und bejaht diese. Kachelmann zeige "keinen Hinweis auf gröbere psychische Störungen". Vom "Idealbild einer ausgeglichenen Persönlichkeit" sei er aber ein gutes Stück entfernt.

18. Mai: Die Staatsanwälte halten an ihrer Anklage fest. Sie glauben den Schilderungen Mays. In ihrem Plädoyer fordern sie für Kachelmann eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten wegen der besonders schweren Vergewaltigung in einem minderschweren Fall und der gefährlichen Körperverletzung.

24. Mai: Kachelmanns Verteidiger weisen jeglichen Tatverdacht gegen ihren Mandanten zurück. Sie plädieren auf Freispruch.