VG-Wort Pixel

Vergewaltigungsprozess in Mannheim Kachelmann-Anwalt poltert gegen Richter

Am zweiten Prozesstag übt der Verteidiger von Jörg Kachelmann scharfe Kritik an den Verhandlungsführern. Er kritisiert, dass das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer nicht zuerst gehört wird, sondern zahlreiche Ex-Geliebte.

Im Vergewaltigungsprozess gegen Fernsehmoderator Jörg Kachelmann attackiert die Verteidigung die Verhandlungsführung des Gerichts. Kachelmann-Anwalt Reinhard Birkenstock kritisiert vor allem den Plan, vor dem mutmaßlichen Opfer zunächst ehemalige Freundinnen des Angeklagten zu vernehmen. Kachelmann selbst will im Prozess vorerst schweigen.

Der 52-Jährige wird beschuldigt, seine ehemalige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge sagte, der Angeklagte habe seiner damaligen Freundin in ihrer Küche ein Messer vorgehalten und sie ins Schlafzimmer ihrer Wohnung geschoben. Dort habe er sie entkleidet, ihr die Schenkel auseinandergedrückt und den Vaginalverkehr mit ihr ausgeführt. Er habe sie ins Schlafzimmer gedrängt und gesagt: "Halt die Klappe, oder du bist tot!" Während der Tat habe er ihr den Mund zugehalten und das Messer an den Hals gedrückt, wovon sie Rötungen im Halsbereich davongetragen habe. Die Gewaltanwendung habe außerdem zu blauen Flecken an den Oberschenkeln geführt. Das mutmaßliche Opfer war während der Verlesung der Anklageschrift anwesend. Danach verließ sie jedoch die Verhandlung.

"Alles schreit danach, Frau D. zu hören"

Der Schweizer hatte die Vorwürfe stets bestritten. Am zweiten Verhandlungstag am Montag vor dem Mannheimer Landgericht wollte er sich jedoch nicht zur Anklage äußern. Sein Verteidiger verwies auf frühere Aussagen Kachelmanns gegenüber dem Haftrichter. Ob diese Aussagen öffentlich in der Verhandlung verlesen werden, war zunächst noch unklar.

"Wir sind in einer Situation, in der alles danach schreit, dass jetzt Frau D. gehört wird", sagte Birkenstock. "Ich kenne keine Verhandlung, in der nicht nach der angeklagten Person zuallernächst derjenige gehört wird, der behauptet, verletzt worden zu sein."

Nach bisheriger Planung soll die 37-Jährige erst am 13. Oktober als Zeugin gehört werden. Sie war sowohl zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche wie auch diesen Montag im Gerichtssaal erschienen. Bei der Verlesung der Anklage saß sie Kachelmann gegenüber, danach verließ sie die Verhandlung. Normalerweise dürfen Zeugen bis zu ihrer Vernehmung überhaupt nicht an der Verhandlung teilnehmen, damit sie nicht in ihrer Aussage beeinflusst werden. Als Nebenklägerin hat das mutmaßliche Opfer jedoch ein Recht auf Anwesenheit.

"Sie hat eine gewaltige manipulative Potenz"

Birkenstock forderte außerdem, Oberstaatsanwalt Oskar Gattner und Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge als Zeugen zu vernehmen. Sie hätten dem mutmaßlichen Opfer versprochen, dass Kachelmann in Untersuchungshaft bleibe, auch nachdem die Frau ihre Aussage in einigen Punkten korrigiert hatte. Dieser Vorgang sei nicht in die Akten aufgenommen worden.

Kachelmanns Verteidiger kritisierte die geplante Vernehmung zahlreicher ehemaliger Geliebter des Wettermanns. So solle noch vor der Befragung des mutmaßlichen Opfers ein schlechtes Bild seines Mandanten gezeichnet werden. Zur Aufklärung des Tatvorwurfs könnten die Ex-Freundinnen nichts beitragen.

Überdies kritisierte er, dass einige der Frauen sich bereits in den Medien äußerten: "Eine Zeugin, die ihre Aussage schon an die 'Bunte' verkauft hat, ist für die Wahrheitsfindung nicht mehr zu gebrauchen", sagte Birkenstock. In der umfangreichen Begründung seines Antrags stellte Birkenstock auch die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers infrage. "Frau D. ist eine Frau mit gewaltiger manipulativer Potenz."

AFP/DPA/DAPD/fo DPA

Mehr zum Thema



Newsticker