HOME

Vergewaltigungsprozess in Mannheim: Kachelmann schweigt

Kachelmann-Prozess, Tag zwei: Nach Verlesung der Anklage teilt das mutmaßliche Opfer mit, nicht mehr an der Verhandlung teilnehmen zu wollen. Der TV-Moderator hüllt sich in Schweigen.

Der Fernsehmoderator Jörg Kachelmann hat im Vergewaltigungsprozess vor dem Landgericht Mannheim angekündigt, keine Angaben zu machen. Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock verwies auf die Aussage seines Mandanten vor dem Haftrichter Ende März. Darüber hinaus werde er nichts zu den Vorwürfen sagen. Zuvor hatte Kachelmann lediglich Angaben zu seinem Alter, seinem Geburtsort und seinem Wohnsitz gemacht. Die Frage nach seinem Nettoeinkommen beantwortete er nicht, wozu er auch nicht verpflichtet ist.

Staatsanwalt verliest die Anklage

Am zweiten Prozesstag verlas auch die Staatsanwaltschaft Mannheim die Anklageschrift verlesen. Sie wirft dem 52-jährigen Schweizer besonders schwere Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung vor.

Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge sagte, der Angeklagte habe seiner damaligen Freundin in ihrer Küche ein Messer vorgehalten und sie ins Schlafzimmer ihrer Wohnung geschoben. Dort habe er sie entkleidet, ihr die Schenkel auseinandergedrückt und den Vaginalverkehr mit ihr ausgeführt. Während der Tat habe er ihr den Mund zugehalten und das Messer an den Hals gedrückt, wovon sie Rötungen im Halsbereich davongetragen habe. Die Gewaltanwendung habe außerdem zu blauen Flecken an den Oberschenkeln geführt.

Das mutmaßliche Opfer war während der Verlesung der Anklageschrift anwesend. Danach verließ sie jedoch die Verhandlung. Die Hauptbelastungszeugin soll am 13. Oktober vernommen werden. An den Verfahren nehmen vier von Kachelmann beauftragte Sachverständige teil. Die Strafkammer selbst hat vier gerichtliche Gutachter benannt. Außerdem hat Kachelmann zwei weitere Wahlverteidiger beauftragt, die künftig ebenfalls neben ihm sitzen sollen.

Prozess für Rechtsgespräch unterbrochen

Die Verhandlung vor der 5. Großen Strafkammer war auf Antrag der Verteidigung am Vormittag für kurze Zeit für ein Rechtsgespräch unterbrochen. Daran nahmen neben dem Gericht und der Verteidigung auch die Staatsanwaltschaft teil. Über Inhalt und Ziel des Gesprächs wurde zunächst nichts mitgeteilt. Der Prozess wurde am späten Vormittag fortgesetzt werden.

Kachelmann war nach der Rückkehr von den Olympischen Winterspielen in Frankfurt am Main festgenommen worden und hatte vier Monate in Untersuchungshaft gesessen. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte ihn Ende Juli wieder auf freien Fuß gesetzt, weil es keinen dringenden Tatverdacht mehr gesehen habe.

Im Prozess sollen insgesamt 26 Zeuginnen und Zeugen vernommen werden, darunter weitere Freundinnen des angeklagten Wettermoderators und das mögliche Opfer als Hauptbelastungszeugin. Weiter will die 5. Große Strafkammer in dem bis 27. Oktober 2010 terminierten Prozess zahlreiche medizinische und psychologische Gutachter hören.

AFP/DPA/DAPD/nk/be / DPA