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Mysteriöser Vergiftungsfall: Polizei: Russischer Ex-Doppelagent wurde mit Nervengift attackiert

Seit Tagen beschäftigt die Briten das Rätsel um die Vergiftung eines ehemaligen russischen Doppelagenten. Am möglichen Tatort in Salisbury kam es zu einem erneuten Einsatz von Rettungskräften. Der Polizei zufolge wurde er mit Nervengift attackiert.

Der russische Ex-Spion Sergej Skripal wurde 2006 in Russland wegen Hochverrats verurteilt

Der russische Ex-Spion Sergej Skripal wurde 2006 in Russland wegen Hochverrats verurteilt, später im Zuge eines Gefangenenaustausches freigelassen

AFP

Der früherer russische Spion Sergej Skripal und seine 33-jährige Tochter sind höchstwahrscheinlich mit einem Nervengift attackiert worden. Das teilte der Chef der britischen Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, mit. Das würde aus den chemischen und medizinischen Untersuchungen sowie dem Zustand der Opfer hervorgehen. Um welchen Stoff es sich handelt, ist bislang noch unklar, die Polizei werde wegen versuchten Mordes ermitteln. Bekannte Nervengifte sind Sarin und VX. Mit letzterem wurde Kim Jong Nam getötet, der Bruder des nordkoreanischen Diktators.

Einsatzziel unklar

Am Mittwoch waren in Salisbury zuvor erneut mehrere Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen am möglichen Tatort gesichtet worden. Eine Frau sei von Beamten zu einem der Fahrzeuge geführt und mitgenommen worden, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. Was es mit dem Einsatz auf sich hatte, war zunächst unklar.

Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am Sonntag bewusstlos in ein Krankenhaus im britischen Salisbury eingeliefert worden, beide schweben nach Polizeiangaben in Lebensgefahr. Sie würden "mutmaßlichen Kontakts mit einer unbekannten Substanz behandelt".

Verdacht fiel früh auf Russland

Bereits kurz nach dem Vorfall kam der Verdacht auf, Russland könnte den einstigen Doppelagenten vergiftet haben. Skripal war 2006 in seiner Heimat wegen Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Das russische Außenministerium prangerte deswegen am Mittwoch eine "anti-russische Kampagne" an. Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sagte in Moskau: "Diese Geschichte wurde von Anfang an benutzt, um eine anti-russische Kampagne in den Medien zu befeuern."

Der britische Außenminister Boris Johnson hatte am Dienstag eine "angemessene und robuste" Antwort seiner Regierung angekündigt, sollte ein Staat hinter der Attacke stecken - und in diesem Zusammenhang Russland genannt. Johnson zog auch eine Parallele zum Giftmord am russischen Ex-Agenten und Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko 2006 in London. Die britische Regierung sieht Moskau hinter dem Verbrechen vor rund 12 Jahren.

fin mit Agenturen / AFP / DPA
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