HOME

Verhungertes Mädchen: Sarahs Vater bricht sein Schweigen

Eineinhalb Wochen schwieg er eisern, nun hat der Vater der verhungerten Sarah zum ersten Mal mit den Ermittlern gesprochen. Die Staatsanwaltschaft berichtet von einer umfassenden Aussage, die nun überprüft werden müsse. Auch die Großeltern des verhungerten Kindes haben sich zu Wort gemeldet.

Der Vater der verhungerten dreijährigen Sarah hat sich erstmals seit dem Tod seiner Tochter zu den Familienverhältnissen geäußert. Der 29-Jährige habe umfassend über die Verhältnisse in der Familie ausgesagt, die zuletzt im mittelfränkischen Thalmässing gelebt hatte, sagte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Donnerstag.

Die kleine Sarah war vergangene Woche in einer Nürnberger Klinik an Unterernährung gestorben, sie soll zuletzt nur noch acht Kilogramm gewogen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen beide Elternteile wegen gemeinschaftlichen Totschlags durch Unterlassung.

Stundenlanges Verhör

Bei seiner Vernehmung habe der Lastwagenfahrer auch die Entwicklung des Mädchens geschildert. "Es ist eine sehr umfangreiche Aussage gemacht worden", sagte der Sprecher der Anklagebehörde. Einzelheiten nannte er aber nicht. Ermittler hatten den in Untersuchungshaft sitzenden Mann am Mittwoch rund fünf Stunden lang nach den Lebensumständen der Familie befragt.

Die Staatsanwaltschaft will nun die Angaben des Vaters überprüfen und sich "ein Bild machen, wie es dazu kommen konnte". Auch die Ermittlungen im Umfeld der Familie dauern an. "Alle Personen, die in irgendeiner Art von Beziehung zur Familie standen, müssen angehört werden", so der Sprecher.

"Die Familie muss total abgestürzt sein"

Die 26 Jahre alte Mutter von Sarah sei dagegen noch immer nicht vernehmungsfähig. Sie liegt den Angaben zufolge weiterhin mit einer schweren Erkrankung im Krankenhaus. Die Mutter hatte wegen der Erkrankung in den vergangenen Monaten stark abgenommen, hatten Nachbarn berichtet.

Auch im zuständigen Kreisjugendamt in Roth kann mehr als eine Woche nach Sarahs Tod noch niemand sagen, wie es zu der Tragödie kam. Ein Mitarbeiter der Behörde hatte die Familie zuletzt im November 2008 in deren Wohnung in Thalmässing aufgesucht: "Die Familie muss in den nachfolgenden Monaten total abgestürzt sein", sagte der Leiter des Jugendamtes, Manfred Korth. "Ich packe diese Geschichte noch immer nicht", zeigt sich der Mann bestürzt. Er habe keine Chance gehabt, frühzeitig einzugreifen, weil keine Hinweise an das Jugendamt herangetragen worden seien.

Der Anwalt von Sarahs Großeltern, Stephan Baumann, sagte der Nachrichtenagentur AP, seine Mandanten könnten das Geschehene noch immer nicht fassen. Der Tod ihrer Enkelin sei für sie nicht erklärbar. Sie seien selbst an einer umfassenden Aufklärung des Falles interessiert.

Mutter wuchs selbst in schwierigen Verhältnissen auf

Den Großeltern zufolge habe ihre Schwiegertochter, Sarahs Mutter, während ihrer Kindheit selbst in schwierigen Familienverhältnissen gelebt und sei bei ihren Großeltern aufgewachsen.

Den vierjährigen Bruder der kleinen Sarah hatte das Jugendamt nach dem Tod des dreijährigen Mädchens vorübergehend bei den Eltern des 29-jährigen Vaters untergebracht. Er stammt laut Baumann aus einer früheren Beziehung von Sarahs Mutter und verbrachte seit seiner Geburt fast jedes Wochenende bei ihren Schwiegereltern. Inzwischen wollen die Großeltern gerne das Sorgerecht für den Jungen übernehmen.

DPA/AP / AP / DPA
Themen in diesem Artikel