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Vermisste Kinder: Fünfjährige in Spanien verschwunden

Die kleine Mariluz aus der spanischen Stadt Huelva wollte nur kurz zum Kiosk gehen - jetzt ist das Mädchen seit zwei Wochen unauffindbar. Ihr Vater folgte dem Beispiel von Maddies Eltern und trägt die Suche nach seiner Tochter in die Öffentlichkeit.

Die kleine Mariluz wollte sich am Kiosk nur eine Tüte Chips kaufen. Die Fünfjährige ließ sich von ihrer Mutter einen Euro geben, verließ die Wohnung in der südspanischen Stadt Huelva, bog um eine Straßenecke und bekam ihre Chips. Dies war vor knapp zwei Wochen. Seither fehlt von dem Mädchen jede Spur. Die Polizei durchkämmte den - überwiegend von Roma bewohnten - Stadtteil El Torrejón, suchte Brachflächen und Sümpfe in der Umgebung ab und alarmierte die Sicherheitsbehörden im benachbarten Portugal. Mariluz ist jedoch wie vom Erdboden verschluckt. Ihr Verschwinden hält nicht nur die Roma-Gemeinde in Huelva, sondern ganz Spanien in Atem. Der Vater Juan José Cortés mobilisierte die Öffentlichkeit. Auf Kundgebungen in mehreren Städten rief er zur Suche nach seiner Tochter auf. Der Fall des britischen Mädchens Madeleine, das im Mai 2007 spurlos in Portugal verschwunden war, machte Schule.

Auch auf Cran Canaria sind Kinder verschwunden

Cortés, ein evangelischer Prediger und Inhaber eines kleinen Maurerbetriebs, brachte in Huelva 10.000 Menschen auf die Beine, in Madrid waren es 2000. Er gewann die Unterstützung des berühmten Flamenco-Tänzers Joaquín Cortés und des ältesten spanischen Fußballvereins Recreativo de Huelva, für den er als Jugendtrainer gearbeitet hatte. Mariluz ist nicht das einzige Kind, dessen Verschwinden in Spanien für Aufregung sorgt. Auf Gran Canaria sucht die Polizei seit Monaten nach zwei Kindern. Der neunjährige Yeremi hatte im März 2007 auf der Straße mit seinen Freunden gespielt. Als es Zeit zum Essen war, kehrten alle Jungen heim - nur Yeremi blieb verschwunden. Von der 14 Jahre alten Sara fehlt noch länger jede Spur. Das Mädchen hatte sich im Juli 2006 in der Hauptstadt Las Palmas mit einem Freund in einem Einkaufszentrum treffen wollen, kam dort aber nie an.

Polizei bestreitet jeden Zusammenhang zwischen den Fällen

Die Polizei wies Spekulationen zurück, die Kinder könnten einer "Mafia von Kidnappern" zum Opfer gefallen sein. Die Fälle hätten nichts miteinander zu tun, betonten die Ermittler. Oder vielleicht doch? Vor zwei Wochen nahm die Polizei auf Gran Canaria einen Mann fest, der versucht haben soll, ein achtjähriges Mädchen zu entführen. Der 37-Jährige ist wegen Missbrauchs seiner eigenen Tochter vorbestraft.

Er lebte auf einem heruntergekommenen Firmengelände, auf dem sich auch eine stillgelegte Verbrennungsanlage für Tierkadaver befindet. Seither stellen die Bewohner von Gran Canaria sich die bange Frage: Verschwanden in dieser Anlage die vermissten Kinder? Die Ermittler sammelten eine Reihe von Proben ein, die Analysen brachten aber bisher noch kein Ergebnis.

Seit Neujahr wird die Irin Amy vermisst

Die Polizei betont immer wieder, dass man in Spanien bei dem Verschwinden der Kinder keinesfalls von einer "Welle" sprechen könne. Pro Jahr werden 14.000 Vermisstenanzeigen erstattet. In 60 Prozent der Fälle waren Kinder von zu Hause fortgelaufen und wenig später wieder aufgetaucht. Die Polizei führt aber auch eine Liste von "beunruhigenden Fällen". Darauf stehen nach Angaben der Zeitung "El País" derzeit 20 Kinder und Jugendliche. Dazu könnte auch bald die Irin Amy gehören, die am Neujahrstag in Mijas in Südspanien verschwand. Die Beamten nahmen zunächst an, die 15-Jährige könnte nach einem Streit mit der Mutter zu ihrem in Irland lebenden Vater zurückgekehrt sein. Diese Vermutung bestätigte sich bisher aber nicht. In Mijas war 1999 ein spanisches Mädchen ermordet worden. Der Mörder, ein in Südspanien lebender Brite, wurde aber längst verurteilt und sitzt hinter Gittern.

DPA / DPA
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