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Mädchen seit 2007 vermisst Grabungen im Fall Maddie: Polizei ließ Fundamente wegbaggern - Verdächtiger soll in der Nähe gelebt haben

Polizeibeamte durchsuchen eine Kleingarten-Parzelle im niedersächsischen Seelze
Bis in die Abendstunden durchsuchten Polizisten im Zusammenhang mit der verschwundenen Madeleine McCann eine Kleingarten-Parzelle im niedersächsischen Seelze
Seit 13 Jahren fehlt von der in Portugal verschwundenen kleinen Madeleine McCann jede Spur. Die Fahnder in Niedersachsen haben einen Deutschen als Mordverdächtigen im Visier. An diesem Mittwoch setzen sie ihre Grabungsarbeiten in einem Kleingarten in Hannover fort.

Die Polizei in Hannover setzt an diesem Mittwoch die Durchsuchung eines Kleingartens im Zusammenhang mit der kleinen Madeleine McCann fort. Bis zum Sonnenuntergang waren Beamte am Dienstagabend auf der Parzelle am Stadtrand im Einsatz. Mit einem Bagger sowie per Spaten und Harke durchkämmten Polizisten das Erdreich. Die Grabungen stehen im Zusammenhang mit der 2007 aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwundenen dreijährigen Maddie McCann - dies bestätigt die Staatsanwaltschaft Braunschweig. 

Fall Maddie: Verdächtiger soll in Hannover gelebt haben

Der 43-jährige Deutsche, gegen den in diesem spektakulären Fall wegen Mordes ermittelt wird, soll nach dem Verschwinden der kleinen Britin in Hannover gelebt haben. Welche Verbindungen es zwischen dem Mann und der Kleingartenparzelle geben könnte, sagten die Ermittler ebenso wenig wie, was sie sich auf dem Gelände erhoffen zu finden. An der Polizeiaktion beteiligt ist auch das Bundeskriminalamt (BKA).

Wie der Pächter der unmittelbar angrenzenden Nachbarparzelle der Deutschen Presse-Agentur sagte, war das Gartengrundstück zuletzt unbenutzt. Es befand sich kein Gartenhaus mehr darauf, auf dem Gelände wuchsen Brombeerbüsche und ein Kirschbaum. Vor Start der Grabungsarbeiten hatte die Polizei den Baum fällen und Buschwerk entfernen lassen. In den zwei Jahren, in denen er seine Parzelle nutze, habe er auf dem Nachbargrundstück niemanden gesehen, sagte der Pächter. Zu sehen war, dass die Polizei neben Erdreich auch Fundamente hatte wegbaggern lassen.

Wie lange die Durchsuchung des Grundstücks noch dauern wird, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht mit. Für die Polizeiarbeit wurde ein Zelt in dem Garten aufgebaut. Ein Einsatzwagen und Beamte blieben zur Sicherung der Einsatzstelle über Nacht vor Ort.

Der Verdächtige äußert sich nicht zu den Mordvorwürfen. "Nach Akteneinsicht sehen wir weiter", sagte sein Anwalt Friedrich Fülscher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Das Landgericht Braunschweig hatte den 43-Jährigen Ende 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hatte 2005 in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Verdächtiger wegen  Kindesmissbrauchs vorbestraft

Der Mann ist auch wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vorbestraft. Die Ermittler in Braunschweig sind für den Fall zuständig, weil der Verdächtige seinen letzten offiziellen deutschen Wohnsitz in der Stadt hatte. Jedoch lebte er auch in der niedersächsischen Landeshauptstadt, Medienberichten zufolge seit 2007.

Polizeibeamte durchsuchen eine Kleingarten-Parzelle
Wonach genau die Ermittler suchen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht mit
© Peter Steffen / DPA

Nach Recherchen der Zeitung "Neue Presse" schlief er in einem Transporter auf einem Werkstattgelände - rund vier Kilometer von dem Kleingarten entfernt. Das Amtsgericht Hannover verurteilte ihn 2010 wegen Urkundenfälschung und 2013 wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu Geldstrafen. In den Jahren 2013 bis 2015 pendelte er laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover zwischen Deutschland und Portugal. Ende 2012 eröffnete der Mann zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin einen Kiosk in Braunschweig. Nach der Trennung führte er den Laden allein weiter, anderthalb Jahre später gab er ihn und die angrenzende Wohnung auf.

Nach einem erneuten Zeugenaufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" zum Fall Maddie Anfang Juni gingen mehr als 800 Hinweise bei den Ermittlern ein. Zudem werden europaweit ungeklärte Verbrechen beziehungsweise Vermisstenfälle überprüft, ob es Bezüge zu dem verurteilten Sexualstraftäter geben könnte. Ermittler in Belgien und den Niederlanden öffneten alte Akten noch einmal.

Anfang Juli hatte die portugiesische Polizei mit Hilfe von Tauchern in drei Brunnen nach der vor 13 Jahren verschwundenen Maddie gesucht - ohne Erfolg.

jek DPA

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