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Neue Hoffnung?: Rebecca seit zwei Monaten verschwunden – ominöser Anruf führt nach Polen

"Wir lassen nicht locker", sagt die Berliner Staatsanwaltschaft zum Fall der seit zwei Monaten verschwundenen Rebecca. Indes gibt ein anonymer Anruf aus Polen der Familie des Mädchens neue Hoffnung.

Vermisse Rebecca aus Berlin, Polizei in Polen

Seit dem 19. Februar sucht die Berliner Polizei mit einem Foto nach der vermissten Rebecca. Ihr Vater berichtet nun von einem ominösen Hinweis aus Polen (im Bild: polnische Polizisten bei einer Übung)

Picture Alliance

Die öffentliche Aufmerksamkeit in dem Fall der vermissten Schülerin Rebecca wird geringer, die Arbeit der Berliner Mordkommission geht jedoch weiter – genauso wie die Familie der 15-Jährigen weiter hofft, Rebecca bald wieder bei sich haben zu können.

Neue Nahrung erhält diese Hoffnung durch einen anonymen Hinweis aus Polen, von dem die Eltern des Mädchens dem Fernsehsender RTL berichteten: "Es hat jemand angerufen und gesagt, dass er Rebecca in Polen gesehen hat, in einem Kaufhaus in Begleitung eines Mannes." Der Anrufer habe gemeint, Rebecca sei nicht anzusehen gewesen, dass sie sich unwohl fühlte.

Wer war der Anrufer aus Polen?

Ein ernstzunehmener Hinweis oder die perfide Masche eines Trittbrettfahrers? Ersteres, glaubt die Familie, denn: Der Mann habe die feste Zahnspange Rebeccas erwähnt – ein Detail, das in den offiziellen Fahndungsaufrufen bisher unerwähnt blieb und somit in den Augen der Familie für eine tatsächliche Sichtung der Vermissten spricht.

Laut RTL will der Vater Rebeccas den möglichen Hinweis aus Polen an die Ermittler weitergegeben haben, er fühle sich dort jedoch nicht ernstgenommen. Die Staatsanwaltschaft widersprach gegenüber dem Sender: "Wir tun alles, um das Schicksal Rebeccas aufzuklären. Das ist unsere Pflicht, das ist unser gesetzlicher Auftrag. Und ich denke, wir haben keine Veranlassung gegeben, uns zu kritisieren."

Die Botschaft dahinter: Sollten die Ermittler zu dem Schluss kommen, dass die Spur nach Polen Fortschritte versprechen könnte, würden sie sich mit ihren Kollegen im Nachbarland in Verbindung setzen.

Das Verhältnis zwischen den Berliner Mordermittlern und der Familie Rebeccas gilt als belastet. Polizei und Staatsanwaltschaft sind wenig begeistert davon, dass die Angehörigen der Vermissten regelmäßig die Öffentlichkeit suchen und zum Beispiel Interviews geben, Reporter von Fernsehsendern oder Illustrierten zu sich nach Hause einladen oder in sozialen Netzwerken zu dem Vermisstenfall posten.

Die Familie des Mädchens wirft umgekehrt den Beamten vor, seit Wochen in die falsche Richtung zu ermitteln. Die Mordkommission geht davon aus, dass Rebecca das Haus ihrer ältesten Schwester und ihres Schwagers am Morgen des 18. Februar nicht mehr bei Bewusstsein verlassen hat und die 15-Jährige inzwischen tot ist. Unter Tatverdacht steht der 27-jährige Ehemann von Rebeccas Schwester Jessica. Dabei stützen sich die Ermittler vor allem auf zwei Indizien: Zum einen auf das "Telefonverhalten von Rebecca und der Auswertung der Routerdaten aus dem Haus", wie der Leiter der Mordkommission in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" sagte.

Familie glaubt, das Rebecca lebt

Zum anderen habe der Schwager kurz nach dem Verschwinden des Mädchens mindestens zwei verdächtige Autofahrten gemacht, die bislang nicht schlüssig erklärt worden seien: Am Morgen des 18. Februar und in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar wurde das Kennzeichen des himbeerroten Renault Twingo demnach auf der Autobahn 12 südöstlich von Berlin von einem automatischen Überwachungssystem erfasst. Zu den Zeiten habe ausschließlich der Schwager Rebeccas Zugriff auf das Fahrzeug gehabt, so Hartmann seinerzeit weiter.

Zwischenzeitlich saß der Tatverdächtige sogar in Untersuchungshaft. Ein Richter verneinte später jedoch einen "dringenden Tatverdacht" und ordnete die Freilassung an. Trotzdem stehe der 27-Jährige weiter im Fokus der Ermittler, teilte die Staatsanwaltschaft anschließend mit.

Die Angehörigen Rebeccas beteuerten in diversen Interviews immer wieder, dass sie an die Unschuld des Schwagers glauben – schließlich gehen sie davon aus, dass Rebecca lebt.

Wie angespannt das Verhältnis zwischen Familie und Ermittlern ist, zeigte sich auch in einem Videoappell des Vaters von Rebecca nach dem anonymen Hinweis aus Polen, den RTL zeigte: "Wenn jemand irgendwas gesehen hat, (...) dann wäre es schön, wenn er sich melden würde, und zwar ...", es folgt ein langes Zögern und erst dann anscheinend widerwillig: " ... bei der Polizei."

Über 2000 Hinweise bei Berliner Polizei eingegangen

Seit dem Verschwinden Rebeccas sind inzwischen weit über 2000 Hinweise aus der Bevölkerung bei der Polizei eingegangen. Die Beamten prüfen und priosieren diese fortlaufend und entscheiden danach über ihre nächsten Schritte. Zuletzt konzentrierten sich die Ermittler bei ihrem Vorgehen auf die Umgebung eines kleinen Sees in Ost-Brandenburg und suchten dort nach der Leiche des Mädchens – allerdings ohne etwas gefunden zu haben.

Die Ermittlungen in dem Mord- oder Vermisstenfall sind noch lange nicht am Ende, auch zwei Monate nach dem Verschwinden Rebeccas nicht, verspricht der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, im RTL-Interview: "Wir lassen nicht locker, wir können nicht über alles reden, was wir tun. Wir suchen unverändert nach Rebecca. Darüber hinaus haben wir Spuren aus dem Pkw und aus der Wohnung, die noch ausgewertet werden müssen. Wir hoffen, dass es gelingt, das Schicksal von Rebecca aufzuklären."

Hier geht's zum Fahndungsaufruf der Berliner Polizei.

15-Jährige auf Schulweg verschwunden: Wo ist Rebecca Reusch? Polizei bittet um Hinweise

Quellen: RTL I, RTL II, Polizei Berlin, ZDF, Nachrichtenagentur DPA

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