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Vermisstenfall Amarildo: Rios verzweifelte Suche nach Gerechtigkeit

Ein 43-jähriger Maurer steigt in einen Polizeiwagen und wird fortan nie mehr gesehen. Der Fall wird in Brasilien zum Politikum - und zum Sinnbild für die Verkommenheit der Staatsdiener.

Von Oliver Noffke

Den 14. Juli 2013 wird Elizabete Gomes da Silva nie vergessen. Es ist der Tag, an dem sie ihren Mann Amarildo Souza zum letzten Mal sieht. Der Maurer aus dem Armenviertel Roncinha in Rio de Janeiro geht morgens zum Angeln, zehn fette Fische bringt er mit nach Hause. Um daraus für Elizabete und die sechs Kinder etwas Leckeres zu kochen, geht er noch einmal zum Markt, Knoblauch und Limetten kaufen. Unterwegs wird er von der Polizei angehalten: Für eine Routinebefragung soll er mit aufs Revier kommen.

In dem Moment, wo Amarildo in das Polizeifahrzeug einsteigt, wird der 43-jährige Maurer zum letzten Mal gesehen. Monatelang fragt nicht nur Elizabete, sondern ganz Brasilien: "Onde está Amarildo?" - Wo ist Amarildo?

Erst jetzt, Anfang Oktober, erlangen die Suchenden traurige Gewissheit: Amarildo Souza ist tot. Einem Untersuchungsbericht zufolge folterten ihn Polizisten zu Tode. Zehn Beamte werden der Tat beschuldigt, berichten lokale Medien am Mittwoch. Sie müssen sich wegen Folter mit Todesfolge und des Verschwindenlassens einer Leiche verantworten.

Amarildo wird zum Symbol des Protests

Die meisten Vermisstenfälle in Rio werden nicht einmal in den Zeitungen erwähnt. Doch dieser Fall liegt anders, er ist zum Symbol geworden für alles, was schiefläuft im Land. Zum Sinnbild für Polizeiwillkür und Korruption. Populär geworden ist das Verschwinden von Amarildo zunächst durch Elizabete, seine Frau, die lautstark das ungewisse Schicksal ihres Mannes beklagt. Am 16. Juli, zwei Tage nach der vermeintlichen Befragung, meldet sie ihn vermisst. Kurz darauf erfährt sie, dass am Tag der Befragung die Kameras am Eingang der Polizeistation nicht funktionierten und das GPS-Signal des Polizeiwagens, in den Amarildo stieg, ausgeschaltet war. Seit diesem Moment wächst in ihr der Verdacht, dass die Polizei etwas mit dem Verschwinden ihres Mannes zu tun hat. Dass das, was die Polizei Routinebefragung nannte, etwas ganz anderes war. Doch die Gesetzeshüter streiten einen Zusammenhang ab und vermuten eine Verbindung zum Drogenmilieu. Dabei gilt Amarildo in der Nachbarschaft als ein ehrlicher und unbescholtener Mann.

Sein Verschwinden erzürnt ein ganzes Viertel. Am 17. Juli legen die Bewohner der Favela Rocinha den Lagoa-Barre-Highway still, eine wichtige Verbindungsstraße. Mit dieser organisierten Form des Protests erzeugen sie so viel Aufmerksamkeit, dass nun auch die besser Situierten aus Stadtteilen wie Ipanema oder Leblon von dem Vorfall erfahren. Auch sie fragen plötzlich lautstark: "Wo ist Amarildo?"

Auf der Straße befindet sich die Mittelschicht zu diesem Zeitpunkt bereits, doch eigentlich aus einem anderen Grund. Die Wohlstandsbürger machen ihrer Wut über die moralische Verkommenheit der Staatsdiener Luft. Sie werfen den Politikern und Behörden vor, sich selbstherrlich im Glanz von Fußball-WM und Olympischen Spielen zu suhlen, statt Geld in Bildung und das Gesundheitswesen zu investieren. Amarildo wird zum Posterboy der Demonstranten. Der Fall zieht größere Kreise und so werden auch Netzwerke und Organisationen darauf aufmerksam, die wiederum beschließen, Amarildos Bild für ihre Kampagnen zu nutzen.

Die Polizei, ein neues Machtsystem

Mit mehr als 100.000 Einwohnern gilt Rocinha als größter Slum Südamerikas. Es ist das Postkartenmotiv der brasilianischen Armut. Die schäbigen, schiefen Häuschen klammern sich pittoresk und nahezu vertikal in den steilen Fels. Der Ausblick auf den Atlantik ist sagenhaft. Doch in den Gassen rauscht offen das stinkende Abwasser und es grassiert Tuberkulose. Wer hier wohnt, hat vom rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Brasiliens nicht profitiert. Hier ist noch Dritte Welt. Rocinha gehört zu den Favelas in Rio, die von der Regierung zwangsbefriedet wurden. In einer dramatischen Aktion rückten dort im November 2011 Polizisten mit gepanzerten Fahrzeugen an und erklärten, es regiere ab sofort wieder das Gesetz - nicht die Pistolenkugeln der Drogenbosse. Ein Jahr später erhielt Rocinha zusätzlich einen Stützpunkt der sogenannten Befriedungs-Polizei, der Unidade de Polícia Pacificadora, kurz UPP.

"Durch die Befriedung hat die Gewalt in den Favelas zwar abgenommen", sagt Phyllis Bußler von Amnesty International stern.de, "aber gleichzeitig missachtet die UPP auch Menschenrechte. Sie ist ein neues Machtsystem." Werde zum Beispiel eine Razzia in einer Favela durchgeführt, würden Arbeiter, Hausfrauen oder Restaurantbesitzer so behandelt, als wären sie Drogenkuriere oder Gewalttäter. Die Bewohner der Favelas stünden unter Generalverdacht. Wird bei einer Razzia eine Person getötet, gebe die Polizei "Widerstand gegen die Staatsgewalt" als Todesursache an. "Dadurch, dass die Polizei nicht kontrolliert wird, kann sie machen, was sie will", erklärt Bußler.

Einer Studie der Bundesuniversität Rio de Janeiros zufolge verschwanden 2012 im gesamten Bundesstaat 5934 Menschen. Die meisten von ihnen kamen aus den Armenvierteln der 6,3-Millionen-Einwohner-Metropole am Zuckerhut. Wie genau die Zahl der Vermissten ist, lässt sich schwer sagen. Die Fälle werden von den Behörden nicht aktualisiert, wenn jemand wieder auftaucht oder wenn die Person getötet wurde. Und es gibt eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer. Was diese Zahl aber dennoch ausdrückt, ist das Ausmaß von Gewalt und Kriminalität.

Die Nachrichtenagentur Inter Press Service zitiert den Vorsitzenden der lokalen Bürgerinitiative Rio de Paz (zu deutsch: Fluss des Friedens) Antônio Carlos Costa wie folgt: "Tausende Menschen verschwinden jährlich und die Behörden kümmern sich nicht darum herauszufinden, was mit ihnen geschehen ist. Viele Fälle werden in den Polizeistationen nicht einmal registriert und die Polizei gehört zu denen, die das ausnutzen." Statt Aufklärung existierten in und um Rio verborgene Friedhöfe.

Das nutzlose Zeugenschutzprogramm

Auch zehn Wochen nach seinem Verschwinden wird Amarildos Bild noch immer bei Protesten hochgehalten. Und der Druck auf die Politik hat tatsächlich etwas bewirkt: Der Governeur des Bundesstaates, Sergia Cabral, schaltete sich persönlich ein. "Ich werde die gesamte Regierung mobilisieren, um Amarildo zu finden und diejenigen, die für sein Verschwinden verantwortlich sind", schrieb er auf Twitter. Die Führung der UPP in Rocinha wurde ausgetauscht. Priscilla Oliveira de Azevedo führt nun die Befriedungs-Polizei, eine Frau, die sich durch die Machowelt der Polizei nach oben gekämpft hat und von 2008 bis 2010 die erste UPP in Santa Marta geleitet hat.

Der Vorsitzende der Menschenrechtskommission des Bundesstaates Rio de Janeiro, Zacchaeus Teixeira, bot Elizabete und ihrer Familie an, sie ins Zeugenschutzprogramm aufzunehmen. Dies böte Sicherheit, falls doch Drogendealer hinter dem Verschwinden von Amarildo steckten. Doch der Feind ist ein anderer: Seitdem Elizabete den Fall öffentlich gemacht habe, würde sie von Polizisten angepöbelt und schikaniert, sagte sie der BBC. Eine Flucht aus der Öffentlichkeit würde sie nicht mehr vor dem langen Arm des Gesetzes schützen. Elizabete glaubt an die Schuld der Polizei und lehnt ab.

Nun zitiert das Online-Portal "globo.com" aus einem 180-seitigen Untersuchungsbericht: De Souza sei mit Elektroschocks gefoltert worden. Die Polizisten hätten Informationen zum Drogenhandel aus ihm heraus bekommen wollen. Weil der 43-Jährige Epileptiker gewesen sei, habe er die Folter nicht überstanden. Elizabete hatte die ganze Zeit Recht.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(