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Veröffentlichung kurz nach Vorfall: Frau wehrt sich per Twitter gegen sexuelle Belästigung

Eine junge Frau wird in der S-Bahn sexuell belästigt - leider ein ganz normaler Vorfall in Deutschland. Doch diese Frau wehrt sich auf besondere Art: Sie twittert direkt im Anschluss. Foto inklusive.

Von Ulrike Klode

Ein Tweet, der den Atem stocken lässt: "Ich werde von 4 Typen in der S-Bahn als Hure u Fotze beschimpft. Einer zündet ne Kippe an und sagt, er wird sie auf meiner Muschi ausdrücken." Ein paar Sekunden später der nächste: "Er holt seinen Schwanz raus, ich schreie ihn an. Die SBahn ist voll. Niemand geht dazwischen." So geschehen am Samstagabend, um 22.51 Uhr. Die Frau, die das schreibt, ist in Berlin unterwegs, in einer vollbesetzten S-Bahn. Sie ist eine bekannte Twitter-Nutzerin, gehört zu den Frauen im Netz, die sich bei der #aufschrei-Aktion gegen Sexismus beteiligt haben. Und sie greift zu der Waffe, die ihr am besten geeignet scheint: der Veröffentlichung. Sie schreibt als Nächstes: "Er macht die Hose zu und geht auf mich zu. Seine Kumpels halten ihn ab. Ich steige an der nächsten Haltestelle aus." Es wird in der Nacht nicht klar, ob sie wirklich in der Minute twittert, in der ihr das alles passiert. Inzwischen hat sich die Frau bei stern.de gemeldet und klargestellt: Sie hat nicht live während des Vorfalls getwittert, sondern wenige Minuten danach.

Die Reaktionen kommen sofort - im Netz. Es sind Hilfsangebote wie "Wie bitte? Wo bist Du? Hast Du Hilfe?" oder "ist jemand da? willst du telefonieren? kann ich was tun?" und tröstende Worte wie "WTF?! Gerade eben? Fucking hell, Menschen sind Arschlöcher!!" 199-mal wird der allererste Tweet weiterverbreitet. Die Reaktionen in der S-Bahn in Berlin sind anders. Sie beschreibt, dass ihr niemand zur Seite gesprungen sei. Außerdem: "Ein Mann kommt hinterher und sagt zu mir: 'Sie haben sich halt überschätzt'", schreibt die Frau. Und: "4 Frauen trösten mich und fragen, ob ich zur Polizei gehen will. Meine Antwort: 'die können da nichts machen.'"

Es folgen: Beschimpfungen im Netz

Um 22.54 Uhr twittert sie ein Foto. Es zeige den Mann, der sie belästigt habe, schreibt sie. Wie sie 25 Minuten später erklärt, sei er mit der Veröffentlichung einverstanden gewesen.

Die Diskussion auf Twitter nimmt in den folgenden Stunden zu - in vielen Tweets wird ihr vorgeworfen, sie stelle den Mann an den Pranger und sie habe ja zur Polizei gehen können. Hinzu kommen viele Beleidigungen und Beschimpfungen. Mittlerweile hat sie ihr Profilfoto geändert und ihren Twitteraccount für die Öffentlichkeit geschlossen, ihre Tweets können nur noch von ihren Followern gelesen werden.

Update, 18.30 Uhr

Inzwischen ist klar, dass die Betroffene nicht während des Vorfalls getwittert hat, sondern kurz danach. Wir haben den Text entsprechend aktualisiert.

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