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Verpfuschte Exekution in Oklahoma "Clayton Lockett wurde zu Tode gefoltert"

Die verpfuschte Hinrichtung eines Mörders in Oklahoma wirkt nach. Der Strafvollzugschef des US-Staates ist dafür, Exekutionen auszusetzen. In einem Brief beschreibt er erschütternde Einzelheiten.

Nach der qualvollen Hinrichtung eines Mannes in Oklahoma hat sich der Strafvollzugschef des US-Bundesstaats dafür ausgesprochen, alle Exekutionen auf unbestimmte Zeit auszusetzen. In einem am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichten Brief an Oklahomas Gouverneurin Mary Fallin, eine entschiedene Befürworterin der Todesstrafe, schrieb Robert Patton, die Hinrichtungsprozeduren müssten vollständig überprüft werden. In dem Schreiben befürwortet der Strafvollzugschef außerdem eine "externe Untersuchung" der Umstände bei der Hinrichtung des wegen Mordes verurteilten Clayton Lockett am Dienstag.

Patton zeichnet in dem Brief den zeitlichen Ablauf der Hinrichtung nach. Er erwähnt, dass Lockett sich einen Tag zuvor den rechten Arm zerfetzte. Am Dienstagmorgen sei mit einer Elektroschockpistole auf ihn geschossen worden. Er sei gewaltsam aus seiner Zelle geholt und geröntgt worden. Die Giftspritze sei ihm in die Leiste verabreicht worden, da es an Armen und Beinen keine geeignete Stelle gegeben habe. Die Rechtsanwältin Madeline Cohen meinte dazu, das Gift sei nicht in Locketts Venen, sondern in sein Fleisch injiziert worden.

Zweite Exekution verschoben

Die Exekution war dann laut Gefängnisverwaltung nach wenigen Minuten gestoppt worden, weil es Probleme mit der Giftinjektion gab und die Mittel nicht in den Blutkreislauf des Todeskandidaten gelangten. 43 Minuten nach Verabreichung der nicht erprobten Mischung habe Lockett dann einen Herzinfarkt erlitten. In der Zwischenzeit rang Lockett nach Luft, bäumte sich auf und wand sich in einem grauenvollen Todeskampf vor Schmerz, wie Medien berichteten.

Die für etwa anderthalb Stunden später geplante Hinrichtung von Locketts Mitgefangenem Charles Warner wurde nach dem Vorfall um zwei Wochen verschoben. Der US-Bundesstaat hatte erstmals seit 80 Jahren zwei Hinrichtungen an einem Tag angesetzt. Warners Anwältin Cohen erhob schwere Vorwürfe gegen die Behörden. "Clayton Lockett wurde zu Tode gefoltert", erklärte die Juristin. Sie forderte eine Untersuchung und eine Obduktion. Zugleich erneuerte sie die Forderung nach "vollständigen Informationen" über Zusammensetzung und Herkunft der Substanzen der Giftmischung.

Weißes Haus: "menschunwürdige Hinrichtung"

Das Weiße Haus kritisierte die Exekution als menschenunwürdig. Präsident Barack Obamas Sprecher Jay Carney sagte, selbst wenn die Todesstrafe in einigen Fällen angemessen sei, müsse sie auf humane Weise vollstreckt werden - das sei "grundlegender Standard" in den Vereinigten Staaten. "Ich denke, jeder würde anerkennen, dass dieser Fall hinter diesem Standard zurückblieb." Eine Untersuchung des Justizministeriums werde es aber vermutlich nicht geben. Obama glaube nach wie vor, dass die Todesstrafe bei einigen "abscheulichen" Straftaten angemessen sei.

"Ich kann mir kein größeres Debakel für den Staat Oklahoma vorstellen", sagte Oklahomas Senatorin Constance Johnson. "Im Moment stehen wir national und international auf der Bühne, und die Welt schaut auf uns, die Augen der Welt blicken darauf, wie wir die vor uns liegenden Probleme lösen", sagte sie laut einem Bericht der Lokalzeitung "The Oklahoman".

dho/AFP/DPA DPA

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