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Verschleppte Geschwister aus Hermannsburg Behörden vermuten Kinder in Ägypten

Die Mutter sitzt hilflos in Deutschland, der Vater soll mit den zwei Jungen und zwei Mädchen in Nordafrika unterwegs sein. Im Fall der verschleppten Kinder aus Niedersachsen gibt es neue Hinweise - und jede Menge offene Fragen.

Wichtige Hinweise, ein Foto und neue Hoffnung: Die vier von ihrem Vater aus Niedersachsen nach Nordafrika verschleppte Kinder sollen in Ägypten sein. "Nach neuen ernstzunehmenden Hinweisen gehen die Ermittlungsbehörden davon aus, dass der Beschuldigte am 19. Mai über Assuan wieder nach Ägypten eingereist ist", sagte Oberstaatsanwalt Lars Janßen am Dienstag in Celle. "Damals sollen die Kinder wohlauf gewesen sein".

Über den genauen Aufenthaltsort konnte die Staatsanwaltschaft aber nichts sagen. Der arbeitslose Krankenpfleger hatte die Kinder am Ostermontag unter einem Vorwand bei seiner Ex-Frau in Hermannsburg abgeholt, war mit ihnen zunächst nach Ägypten geflogen und dann in den Sudan gereist. Er gilt als christlicher Fundamentalist und hat kein Sorgerecht für die zwei Jungen und zwei Mädchen.

"Bild"-Leser fotografiert Kinder im Sudan

Ein Leser-Reporter der "Bild" hatte den Vater mit den Kindern Jonas (8), Benjamin (7), Miriam (5) und Lisa (4) im nordsudanesischen Wüstenort Wadi Halfa gesehen. Am Dienstag veröffentlichte die Zeitung ein Foto, das zwei blonde Mädchen vor einer Baracke zeigt. Zumindest eines davon hat die Mutter als ihre Tochter erkannt, das andere ist nur von hinten zu sehen. Die Zeitung hatte das Foto zuvor der Polizei vorgelegt. "Das ist ein Baustein, der das Netz weiter stützt, aber keiner, der uns weiter voranbringt", sagte Janßen.

Der Leser-Reporter soll nach "Bild"-Angaben am 9. Mai wie die Familie mit einer Fähre von Ägypten in den Sudan gereist sein. Dort hätten sie einige Tage im selben Hotel in Wadi Halfa gelebt. Die Geschwister sollen demnach zufrieden, aber auch verschüchtert gewirkt haben. Nach Angaben des Lesers habe der Vater mit den Kindern per Bus weiter in die Hauptstadt Khartum reisen wollen.

Internationale Fahndung nach dem Vater

Nach dem 37-Jährigen wird international gefahndet. Interpol, Bundeskriminalamt und Auswärtiges Amt sind eingeschaltet. "Unsere Botschaften vor Ort sind mit dem Fall befasst und haben die örtlichen Behörden um Unterstützung gebeten", hieß es am Dienstag beim Auswärtigen Amt in Berlin. Diese sei auch zugesagt worden.

Die Mutter der Kinder sitzt derweil in Niedersachsen und macht sich Sorgen. "Ich habe keine Ahnung, was er dort unten mit den Kindern macht, wie er den Alltag organisiert", hatte sie in der vergangenen Woche bei "stern TV" erklärt. "Wo wohnen sie? Wie kommen sie an Essen und sauberes Trinkwasser?" Über die Motive ihres Ex-Mannes hatte sie ebenfalls nur spekulieren können: "Für ihn war die Welt eine Sünde. Und aus dieser sündigen Welt wollte er die Kinder rausholen." Auch die Ehe sei an seinem Fanatismus zerbrochen.

cjf/DPA DPA

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