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Verschwundenes Mädchen: Madeleines Mutter ist verdächtig

Sensationelle Wende im Drama um die verschwundene Madeleine: Die Mutter des Mädchens soll zur Verdächtigen erklärt werden. Elf Stunden lang war Kate McCann von der portugiesischen Polizei befragt worden. Ein Spürhund soll an der Kleidung von Kate McCann Leichengeruch gewittert haben.

Von Cornelia Fuchs, London

Nach wochenlangen Ermittlungen im Fall des in Portugal verschwunden britischen Mädchens Madeleine rückt die Mutter der Vierjährigen ins Zentrum der Untersuchungen. Die Polizei werde Kate McCann am Freitag formell zur Verdächtigen erklären, teilte eine Sprecherin der Familie mit.

Kate McCann war gestern bis ein Uhr nachts elf Stunden lang von der Polizei als Zeugin befragt worden. Ihr Anwalt war die ganze Zeit mit ihr in der Polizeistation. Es war das zweite Mal, das Kate McCann offiziell verhört wurde. Das erste Mal sprach sie mit den Behörden am Tag nachdem ihre Tochter verschwunden war.

Leichengeruch an den Jeans von Kate McCann

Kate McCann soll für heute wieder vorgeladen worden sein und auch ihr Ehemann Gerry McCann soll heute Nachmittag weitere Aussagen machen. Warum Kate McCann den Status "Arguido" von der Polizei zugewiesen bekommen hat, ist nicht bekannt. Britische und portugiesische Zeitungen spekulieren, dass dies mit den forensischen Ergebnissen zusammenhängt, die in dieser Woche aus einem Labor in Birmingham nach Portugal zurückgeschickt wurden.

Es waren Spuren aus dem Ferien-Apartement der McCanns sowie aus dem Mietauto der Familie zur DNA-Untersuchung nach Großbritannien geschickt worden, nachdem britische Ermittler diese Wochen nach dem Verschwinden Madeleines entdeckt hatten. Welche Proben nun neue Erkenntnisse gebracht haben, ist nicht bekannt. Gestern meldete die portugiesische Tageszeitung "Correiho da Manha", dass ein Spürhund Leichengeruch an den Jeans von Kate McCann gefunden habe. Freunde der McCanns wiesen diesen Bericht zurück.

Eine portugiesische Zeitung schrieb schon vor mehreren Wochen, die Polizei sei sich inzwischen sicher, dass die Eltern Anfang Mai ihre damals drei Jahre alte Tochter aus Versehen getötet hätten, etwa mit einer Überdosis von Beruhigungsmitteln.

Britische Boulevardzeitungen berichten heute weiter von der Angst der McCanns, die portugiesische Polizei wolle sie fälschlicherweise beschuldigen, da ihre Ermittlungen in einer Sackgasse steckten. Die Familie hatte diesen Sonntag geplant, in ihren Heimatort Rothley in Leicestershire, Großbritannien, zurückzukehren.

Kate McCanns Anwalt: Sie bleibt eine Zeugin

Kate McCann ist nun neben dem Briten Robert Murat die einzige Verdächtige in dem Fall ihrer verschwundenen Tochter. Murat ist kurz nach dem Beginn der Ermittlungen von der Polizei zum "Arguido" gemacht worden. Auch größere Durchsuchungen seines Hauses und Gartens fanden bisher jedoch keine verwertbaren Spuren.

Die Sprecherin der Familie las gestern diese Stellungnahme vor der Presse, nachdem Kate McCann zum Verhör in die Polizeistation gegangen war: "Die McCanns sind zu einem Interview einbestellt worden und folgen dieser Aufforderung gerne. Sie wollen natürlich sicherstellen, dass sie der Polizei so gut wie möglich zur Seite stehen und sehen dies als einen Schritt vorwärts in der Ermittlung. Sie hoffen immer noch, dass ihre Tochter lebt. Es ist nicht Alltäglich, wenn die Polizei zum Verhör bittet. Es wäre nicht normal, wenn sie nicht etwas besorgt wären - aber sie haben nichts zu verstecken."

Kate McCann ging dann mit wehenden Haaren, die Plüschkatze ihrer Tochter in der Hand, in die Polizeistation. Als sie nach elf Stunden mitten in der Nacht wieder heraustrat, gab ihr Anwalt einen kurzen Kommentar an die dutzenden Journalisten, die auf Kate McCann warteten: "Kate wurde den ganzen Tag als Zeugin verhört und sie bleibt eine Zeugin". Einen Kommentar zu den neuen Entwicklungen gab es von Seite des Anwalts bis zum Morgen noch nicht.

mit Agenturmaterial