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Versuchte Vergewaltigung Journalistin will Strauss-Kahn anzeigen


Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn droht womöglich auch in seiner Heimat ein Gerichtsverfahren. Eine Journalistin will ihn wegen versuchter Vergewaltigung anzeigen.

Gut anderthalb Monate nach der Festnahme von Dominique Strauss-Kahn in den USA wegen sexueller Übergriffe wirft auch eine Französin dem zurückgetretenen Leiter des Internationalen Währungsfonds (IWF) versuchte Vergewaltigung vor. Die Journalistin Tristane Banon erstatte Anzeige gegen ihren Landsmann Strauss-Kahn, kündigte ihr Rechtsanwalt David Koubbi im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "L'Express an. Das Schreiben werde der Staatsanwaltschaft am Mittwoch zugehen.

Die Vorwürfe waren schon seit längerem bekannt. Strauss-Kahns Anwälte wollen Banon jetzt wegen Verleumdung verklagen. Ihre Anschuldigungen seien "erfunden".

Die Französin hatte nach Strauss-Kahns Festnahme berichtet, der frühere französische Finanzminister habe auch sie 2002 sexuell genötigt. Die Journalistin schloss sich der Klage in den Vereinigten Staaten zunächst aber nicht an, weil sie sich nicht von der US-Justiz "instrumentalisieren" lassen wolle, wie ihr Anwalt seinerzeit erklärte.

Vorfall aus dem Jahre 2002

Banon hatte im Februar 2007 in einer Fernsehsendung berichtet, Strauss-Kahn habe sie fünf Jahre zuvor zu vergewaltigen versucht - den Namen des sozialistischen Politikers machte der Sender damals allerdings mit einem Piepton unkenntlich. Die Autorin sagte, Strauss-Kahn sei über sie hergefallen, als sie ihn bei den Vorarbeiten zu ihrem ersten Buch getroffen habe. Der Politiker habe ihren BH aufgemacht und versucht, ihr die Jeans auszuziehen.

Strauss-Kahn wird in den USA die versuchte Vergewaltigung einer Hotelangestellten vorgeworfen. Weil der Staatsanwaltschaft jedoch erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin gekommen sind, könnte die Anklage in sich zusammenbrechen. Am Freitag hob ein Gericht in New York den Hausarrest gegen Strauss-Kahn auf. Seinen Reisepass erhält er aber vorerst nicht zurück.

Spekulationen über Präsidentschaftskandidatur halten an

Bereits vor Bekanntwerden der neuerlichen Anzeige hatten die französischen Sozialisten signalisiert, dass ihr einstiger Hoffnungsträger im kommenden Jahr wohl nicht bei der Präsidententenwahl in Frankreich antreten werde. Eine Kandidatur sei das unwahrscheinlichste Szenario für die politische Zukunft Strauss-Kahns, sagte Parteisprecher Benoit Haman in Paris. Für jemanden, der Derartiges durchgemacht habe, sei eine Kandidatur "nicht der erste Gedanke". Strauss-Kahn brauche nun erst einmal Zeit "zum Durchatmen", sagte der Parteisprecher.

Auch Strauss-Kahns Parteifreund, der sozialistische Abgeordnete Jean-Christophe Cambadélis, sah keinen Hinweis auf eine Kandidatur. Strauss-Kahn habe ihn nicht gebeten, mit den Sozialisten über eine Verlängerung der Bewerbungsfrist zu sprechen, die kommende Woche abläuft; dies sei nicht die "Botschaft" des Gesprächs gewesen, das er zuletzt mit seinem Parteifreund geführt habe, sagte Cambadélis im Radiosender France Culture.

Dennoch kann sich Umfragen zufolge fast die Hälfte der Franzosen vorstellen, dass Strauss-Kahn, der bis zur Festnahme als aussichtsreichster Anwärter auf das höchste Staatsamt galt, in die Politik zurückkehrt. Und auch die Sozialisten ließen eine Hintertür offen: Wenn sich nun DSKs Unschuld herausstelle, könne man die Bewerbungsfrist von Mittwoch kommender Woche gern "bis Ende Juli, selbst Ende August" verlängern, meint der ehemalige Oppositionsführer François Hollande. "Kein Problem."

kng/DPA/AFP DPA

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