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16 Jahre Haft für "Costa Concordia"-Kapitän: Francesco Schettino geht gegen Urteil in Berufung

16 Jahre Haft lautet das Urteil gegen den ehemaligen Kapitän der havarierten "Costa Concordia". Vor Gericht beklagte Francesco Schettino vor allem sein eigenes Schicksal - und geht wohl in Berufung.

Francesco Schettino, ehemals Kapitän der "Costa Concordia" gab kurz vor Prozessende noch eine persönliche Erklärung ab

Francesco Schettino, ehemals Kapitän der "Costa Concordia" gab kurz vor Prozessende noch eine persönliche Erklärung ab

Schluchzend und unter Tränen bricht Francesco Schettino seine Schlussworte ab. Zum Ende des Prozesses gegen ihn will der Kapitän der "Costa Concordia" von Begegnungen mit Überlebenden berichten, als seine Stimme versagt. Die anschließende Verkündung des Urteils verpasst der 54-Jährige mit Fieber. Zuvor wendet er sich ein letztes Mal an das Gericht - allerdings nur um die Folgen des Unglücks für sich selbst zu beklagen, anstatt sich bei den Opfern zu entschuldigen. "Es ist schwierig, das ein Leben zu nennen, was ich lebe", klagt der Unglückskapitän am Mittwoch in Grosseto.

Zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt das Gericht Schettino später, unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung. Nach Angaben seines Anwalts will der Kapitän Berufung einlegen.

Stundenlang berät das Gericht, bevor es ziemlich genau um 20 Uhr vor die wartenden Anwälte und Reporter tritt. Fast eine Stunde dauert die Verlesung der Entscheidung, minutenlang liest der Richter Zahlen und Namen vor. Es geht um die Schadenersatzforderungen der Nebenkläger, über die das Gericht bis ins Detail entschieden hat. Sowohl Schettino als auch die Reederei "Costa Crociere" müssen zahlen.

Eineinhalb Jahre lang musste sich Schettino zuvor vor dem Gericht verantworten. Fast keinen der rund 70 Verhandlungstermine verpasste der Süditaliener, aber ausgerechnet bei der Verlesung des Urteils fehlte er. Die Tage zuvor war er trotz Grippe anwesend, saß wie auch sonst im Anzug neben seinen Anwälten in der ersten Reihe des zum Gerichtssaal umfunktionierten Theaters, tippt auf dem Laptop herum.

Bis zum Schluss kaum Fehler eingestanden

Schettinos schwarze Haare sind vielleicht etwas schütterer geworden, doch sonst ist er zumindest äußerlich noch immer der Mann, der vor gut drei Jahren nach der Havarie der "Costa Concordia" mit 32 Toten als "Kapitän Feigling" Schlagzeilen machte. Stets braun gebrannt, mit Sonnenbrille und selbstbewussten Schritten bewegt sich der 54-Jährige durch das Gericht, wo die Richter über sein Schicksal entscheiden.

Bis zum Schluss wollte der Kapitän kaum Fehler zugeben, sah die Hauptschuld bei seiner Crew. Aus seiner Sicht ist er ungerechtfertigt zum Sündenbock abgestempelt worden. "Drei Tage nach dem Unfall wurde mein Kopf geopfert, um wirtschaftliche Interessen zu retten", klagt er. Doch die Staatsanwaltschaft ist überzeugt von der Schuld des einzigen Angeklagten, sie forderte mehr als 26 Jahre Haft.

Er sagte nur: "Es tut mir leid"

Und auch Überlebende des Unglücks sind nicht gut auf den Kapiän aus dem kalabrischen Meta di Sorrento zu sprechen. "Es war das erste Mal, dass ich ihn gesehen habe und das war emotional verrückt", erzählt die Französin Anne Decré nach ihrer ersten Begegnung. "Ich habe ihm in die Augen geschaut und gesagt: "Ich bin eines der französischen Opfer." Er sagte nur: "Es tut mir leid" und ging weg. Ich hätte mir gewünscht, dass er mit mir spricht oder fragt, wie es mir geht."

In der sonst verschlafenen Toskana-Stadt Grosseto war die Anspannung am Tag des Urteils groß. Vor der Einfahrt zum Gericht hatte sich eine Menschentraube aus Kamerateams und Fotografen gebildet. Die Straßen rund um das Theater waren mit Übertragungswagen zugeparkt, im Zentrum gab es kein freies Hotelzimmer mehr. Die meisten Bewohner haben sich aber an den Trubel gewöhnt, kaum einer bleibt mehr stehen. Ein Mann mittleren Alters, der nur wenige Straßen entfernt wohnt, sagte: "Von dem Prozess bekommt man nicht viel mit, der läuft ja schon lange."

tkr/Miriam Schmidt, DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?