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Vierfachmord-Prozess in Eislingen: Sohn der getöteten Familie äußert sich zu Tatvorwürfen

Im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen hat sich am Mittwoch der angeklagte Sohn der getöteten Familie zum ersten Mal zu einzelnen Tatvorwürfen geäußert.

Im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen hat sich am Mittwoch der angeklagte Sohn der getöteten Familie zum ersten Mal zu einzelnen Tatvorwürfen geäußert. Vor dem Landgericht Ulm räumte Andreas H. die ihm und dem mitangeklagten Schulfreund Frederik B. vorgeworfenen Einbrüche ein, wie H.s Rechtsanwalt Hans Steffan nach Vertagung der Verhandlung am Mittwoch mitteilte.

Zu den Tötungsvorwürfen habe sich sein Mandant nicht geäußert. Der Prozess soll dem Gericht zufolge am kommenden Mittwoch fortgesetzt werden. Die wenigen zugelassenen Medienvertreter waren am fünften Verhandlungstag erneut ausgeschlossen.

Andreas H. habe auch eingeräumt, des öfteren mit einigen der gestohlenen Waffen gemeinsam mit Frederik B. im Wald auf Gegenstände geschossen zu haben, sagte der Verteidiger weiter. Beide seien nicht in der Lage gewesen, sich von einander zu trennen. In einer Verhandlungspause hatte Steffan zuvor gesagt, die beiden Schulfreunde hätten die Einbrüche aus Abenteuerlust verübt. Wie das Gericht am Abend mitteilte, äußerte sich H. auch über seine Sicht der Beziehung zu Frederik B.. Eine "homosexuelle Komponente" bestehe dem Gericht zufolge demnach nicht.

Im Sommer 2007 waren die beiden Angeklagten laut Staatsanwaltschaft in eine Schule in Eislingen eingebrochen und hatten einen Computer und einen Beamer entwendet. Ferner seien sie zweimal in ein Vereinsheim und im Herbst 2008 in einen Supermarkt eingebrochen. In dem Discounter stahlen sie laut Anklage einige hundert Euro sowie Alkohol.

Anwalt Steffan hatte bereits im Vorfeld ein Geständnis von Andreas H. angekündigt. Dabei werde er die Aussagen von Frederik B. bestätigen, wonach dieser alle tödlichen Schüsse auf die Familie abgegeben habe. Laut Gericht hatte Frederik B. am letzten Verhandlungstag ausgesagt, dass Andreas H. sich in seiner Familie nicht wohlgefühlt und bereits 2008 daran gedacht habe, seine Eltern und seine zwei Schwestern zu töten. Dem habe sich Frederik B. nicht entziehen können, gab dieser weiter zu Protokoll. Die Eltern von B. nahmen an der nicht öffentlichen Verhandlung wieder als Zuhörer teil.

Die beiden jungen Männer sollen laut Anklage H.s Eltern und seine beiden Schwestern in der Nacht zum Karfreitag dieses Jahres aus Habgier erschossen haben. Die Tatwaffen stammten nach Angaben von Frederik B. aus einem Einbruch in ein Vereinsheim der Schützengilde Eislingen. Laut Anklage waren die beiden jungen Männer im Oktober in das Vereinsheim eingestiegen. Dort entwendeten sie demnach 17 Waffen, darunter waren auch die beiden späteren Tatwaffen. Außerdem nahmen sie 1.700 Schuss Munition mit.

Die beiden mutmaßlichen Mörder sind nach Ansicht des psychologischen Gutachters voll schuldfähig. Dies hatte der Anwalt von B., Klaus Schulz, der Online-Ausgabe des Magazins "Stern" zufolge gesagt. Der Gutachter legte sich demnach aber nicht fest, ob die zwei nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen seien, Allerdings habe der Gutachter bei seinem Mandanten deutliche Entwicklungsstörungen festgestellt, sagte Schulz den Angaben zufolge.

Der 57-jährige Heilpraktiker Hansjürgen H. und seine 55-jährige Frau Else sowie deren 22 und 24 Jahre alten Töchter waren am 9. April dieses Jahres in ihrem Wohnhaus ermordet worden. Laut Anklage wollte Andreas H. zu Hause ausziehen und das Vermögen seiner Eltern - 256.000 Euro - erben und seinen Freund beteiligen. Nach Steffans Angaben könnte sich die Urteilsverkündung, die eigentlich für den 27. Januar 2010 geplant war, verzögern.

AP / AP