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Vierfachmord von Annecy: Erste Festnahme nach Bluttat auf Campingplatz

Der Vierfachmord von Annecy stellte die französische Polizei vor Rätsel. Nach knapp einem Jahr gibt es ein erstes Ergebnis: In England ist der Bruder eines der Opfer festgenommen worden.

Nach dem Mord an einer Familie in den französischen Alpen im September 2012 ist ein 54-jähriger Mann in Großbritannien festgenommen worden. Dies teilte die Polizei in der Grafschaft Surrey im Süden Englands am Montag mit. Der Mann wurde wegen des Verdachts auf Verschwörung zum Mord festgenommen und befragt. Einzelheiten zu der Identität des Festgenommenen wurden von den britischen Behörden nicht mitgeteilt. Nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft handelt es sich um den Bruder des getöteten Ehemannes.

Im vergangenen Herbst waren auf einem abgeschiedenen Parkplatz in der Nähe von Annecy in Frankreich drei Mitglieder einer irakischstämmigen britischen Familie in deren Auto sowie ein Radfahrer ermordet worden. Die blutüberströmten Leichen des Ehepaares und der Mutter der Ehefrau wurden in dem Wagen gefunden - der tote Radfahrer lag neben dem Wagen. Die damals sieben und vier Jahre alten Töchter des Ehepaares überlebten den Überfall. Eines der Mädchen wurde verletzt in der Nähe des Wagens gefunden, das andere wurde erst acht Stunden später unter der Leiche ihrer Mutter gefunden.

Erbschaftsstreit möglicher Hintergrund

Die französische Staatsanwaltschaft in Annecy bestätigte, dass es sich bei dem Festgenommenen um den Bruder des ermordeten Ehemannes handelt. Bereits kurz nach dem Verbrechen war über einen möglichen Erbschaftsstreit spekuliert worden. Dabei soll es um mehrere Immobilien, unter anderem im Irak und in Spanien gegangen sein.

Die Beamten arbeiten eng mit französischen Ermittlern zusammen, hieß es von der britischen Polizei am Montag. Die Festnahme gehe auf diese Zusammenarbeit zurück und sei länger geplant gewesen. In der Nähe des Tatorts war laut Polizei ein Wagen mit britischem Kennzeichen aufgefallen.

Motiv und Umstände der Tat geben der Polizei seitdem Rätsel auf. Verschiedene Spuren wurden geprüft, darunter die Möglichkeit eines Familienstreits um eine größere Geldsumme. Nach britischen Medienberichten stritt sich der getötete Familienvater mit seinem Bruder um ein Haus im Irak und um das Vermögen der Familie. Der Iraker mit britischem Pass war demnach kurz vor der Reise nach Frankreich erst vor kurzem in seiner alten Heimat gewesen, um Immobilien zurückzufordern, die unter dem Regime Saddam Husseins enteignet worden waren.

brü/tkr/DPA / DPA