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Vierfachmord von Eislingen: Tränen, Trauer und viele Fragen

Fassungslos stehen Freunde, Angehörige und Nachbarn vor den vier Särgen in der Evangelischen Lutherkirche von Eislingen. Unter Tränen nehmen sie Abschied von den Eltern und ihren zwei Töchtern. Noch immer können sie nicht glauben, dass der 18-jährige Sohn der Familie und dessen Freund das Blutbad begangen haben sollen.

Weiße Callas und rote Rosen liegen auf den vier schlichten Särgen, die in der Evangelischen Lutherkirche von Eislingen nebeneinander aufgereiht stehen. Lebensfroh lachen Familienvater Hansjürgen H. (57), seine Frau Else (55) und die beiden Töchter Annemarie (22) und Christin (24) die Trauergäste von den Fotos an ihren Särgen an. Gut eine Woche nach dem kaltblütigen Vierfachmord in der baden-württembergischen Kleinstadt haben am Samstag Angehörige und Freunde von der getöteten Familie Abschied genommen. Noch immer fassungslos, noch immer entsetzt über das Verbrechen, das der 18-jährige Sohn der Familie und ein Freund von ihm begangen haben sollen.

"Es wird viel geweint in diesen Tagen

"Es wird viel geweint in diesen Tagen, und Fragen werden gestellt, drängen sich auf und bedrängen uns alle, werden laut und überlaut, auch die, die keiner ausspricht, entsetzte, fassungslose Fragen", sagte Pfarrerin Kathinka Korn in ihrer Predigt während des Trauergottesdienstes. Die Familie sei durch einen "gespenstischen Ausbruch blindwütiger Gewalt" aus dem Leben gerissen worden. Aber bei Gott seien sie nicht vergessen, tröstete sie die Gemeinde. Etwa 700 Menschen sind nach Polizeiangaben gekommen, um der erschossenen Familie das letzte Geleit zu geben.

In ihrer Predigt ging die Pfarrerin aber auch auf die verdächtigen Jugendlichen ein. Auch die zwei mutmaßlichen Täter stünden für zwei geliebte Kinder, auch sie werde Gott nie vergessen, sagte Korn.

Um 10.42 Uhr war am Karfreitagvormittag der Notruf bei der Polizei eingegangen. Der 18-jährige Andreas H. erzählte, dass er gemeinsam mit einem 19 Jahre alten Schulfreund die Leichen seiner Eltern und Schwestern in ihrer Wohnung entdeckt habe. Der Sohn äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Doch Frederik gestand am vergangenen Donnerstag die gemeinsame grausame Bluttat. "Wir waren das zusammen", hat er den Ermittlern gesagt.

Die beiden Tatverdächtigen sollen ihre Opfer mit insgesamt 30 Schüssen niedergestreckt haben - erst die beiden Schwestern beim Fernsehen, dann die aus einer Gaststätte heimkehrenden ahnungslosen Eltern. Zwischendurch sollen die Tatverdächtigen sogar noch die Eltern in der Gaststätte aufgesucht haben. "Das Motiv ist bisher nicht greifbar", sagte der Leiter der Polizei Göppingen, Helmut Mauderer, am Freitag bei einer Pressekonferenz. Die Ermittler werten derzeit die Computer der beiden mutmaßlichen Täter aus.

War die Tat von langer Hand geplant

Ein schrecklicher Verdacht bleibt: Die Tat könnte von langer Hand geplant gewesen sein. Die mutmaßlichen Tatwaffen wurden möglicherweise bei einem Einbruch in der Schützengilde Eislingen im vergangenen Oktober gestohlen. Dort sind beziehungsweise waren die zwei 18- und 19-Jährigen Mitglieder. Die Waffen fand die Polizei in zwei von Frederik verratenen Verstecken.

Im Anschluss an die Trauerfeier in der Lutherkirche wurde die Familie auf dem nahe gelegenen Friedhof beigesetzt. "Chrissi und Mimi" steht auf den Holzkreuzen der beiden Mädchen. Die ältere Schwester des Familienvaters Hansjürgen H. und die beiden Schwestern seiner Frau Else wollten ihnen das letzte Geleit geben. Auch die beiden Freunde der Töchter Annemarie und Christin wollten teilnehmen. Sohn Andreas hatte ebenfalls zum Gottesdienst kommen wollen - der Haftrichter erlaubte ihm dies jedoch nicht.

DPA / DPA
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