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Anschlag in Villingen-Schwenningen: War die Handgranate wirklich scharf?

Die Handgranate, die auf ein Flüchtlingheim in Villingen-Schwenningen geworfen wurde, enthielt Sprengstoff - aber hatte sie auch einen Zünder? Das ist für die Ermittler eine entscheidende Frage.

Spurensicherung vor dem Flüchtlingsheim in Villingen-Schwenningen

Vor dem Flüchtlingsheim in Villingen-Schwenningen untersuchen Mitarbeiter der Spurensicherung den Fundort der Handgranate

Nach dem Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft untersuchen die Ermittler, ob die Kriegswaffe einen Zünder hatte und damit tatsächlich scharf war. "Es steht fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war", sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz, auf einer Pressekonferenz in Villingen-Schwenningen am Freitag. "Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt. Das ist die entscheidende Weichenstellung."

Der Experte des Landeskriminalamtes, Andreas Stenger, erklärte, von einer scharfen Granate könne nur gesprochen werden, wenn sowohl Sprengstoff als auch vorhanden seien. Aus Polizeikreisen hatte es zunächst geheißen, die Handgranate sei scharf gewesen.

Bei dem versuchten Granaten-Anschlag sind nach neuen Erkenntnissen Menschen in unmittelbarer Nähe gewesen. Unbekannte hätten eine Handgranate von der Straße aus in eine Zufahrt des Geländes der Unterkunft geworfen, berichtete Rolf Straub von der neu gebildeten Soko "Container" auf der Pressekonferenz. Die Granate sei daraufhin an einem Sicherheitszaun abgeprallt und neben einem Container des Sicherheitsdienstes liegengeblieben. Darin hielten sich nach Auskunft von Klemens Ficht vom Regierungspräsidium Freiburg zur Tatzeit drei Sicherheitsleute auf. Die Granate explodierte jedoch nicht. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Schwere Verletzungen oder Tod

Ob der Container die Mitarbeiter bei einer Detonation geschützt hätte, könne man noch nicht sagen, sagte Dietmar Schönherr von der Kriminaldirektion Rottweil. Splitter der Granate hätten beispielsweise durchs Fenster schlagen können. "Das hätte zu schweren Verletzungen oder auch zum Tode der Personen führen können."

Bundesjustizminister (SPD) erklärte zu dem Anschlag, das "Ausmaß der Gewalt" sei "erschreckend". Er hob hervor: "Wir können alle nur dankbar sein, dass dieses Mal niemand verletzt wurde." Ein Sprecher des Justizministeriums sagte, Maas habe die Landesjustizminister für den März nach Berlin eingeladen, um über eine bessere Strafverfolgung ausländerfeindlicher Gewalt zu diskutieren. "Sprengkörper auf Flüchtlingsheime fliegen heute schon, wir dürfen nicht abwarten, bis es die ersten Toten gibt", sagte Maas.

tkr / DPA / AFP