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Virtueller Krieg in Syrien: Saudischer Hacker soll Assads E-Mail-Postfach geknackt haben

Nicht nur auf der Straße erheben sich die Menschen gegen Syriens Machthaber Baschar al Assad. Nun ist einem Hacker offenbar ein besonderer Coup gelungen: Der Mann soll brisante E-Mails aus dem Postfach des Präsidenten gestohlen haben.

Einem Hacker aus Saudi-Arabien soll es gelungen sein, E-Mails des syrischen Präsidenten Baschar al Assad herunterzuladen. Das berichtete die saudische Zeitung "Al Madina" am Dienstag. Der Hacker namens Osama Salman al Ansi habe Daten im Umfang von vier Gigabyte gestohlen, darunter Material, das zur Enthüllung etlicher "Skandale" beitragen könnte. Unter anderem gehe es dabei um die Rolle des Iran bei der Niederschlagung des Aufstandes in Syrien. Der Hacker habe dem Präsidenten eine Botschaft übermittelt, in der er ihm gedroht habe, die Informationen zu veröffentlichen, falls er die Gewalt gegen die Protestbewegung nicht einstellen sollte.

Die Zeitung berichtete außerdem, Al Ansi habe mehrere Websites der syrischen Regierung gehackt. Allerdings funktionierten diese am Dienstag schon wieder normal. Saudische Hacker hatten in den vergangenen Wochen mehrere israelische Websites vorübergehend lahmgelegt und Daten israelischer Bürger gestohlen. Hacker aus Israel hatten daraufhin etliche saudische Websites attackiert.

Opposition ruft "Tag des Zorns" aus

Auf der Straße hat Assads gewaltsames Vorgehen gegen die Regimekritiker weitere Opfer gefordert. Nach dem gewaltsamen Tod von mehr als 300 Menschen seit dem Wochenende hat die syrische Opposition einen Tag der Trauer und des Zorns ausgerufen. Die "Massaker an Zivilisten" müssten enden, forderte der Syrische Nationalrat am Dienstag. Vor einer mit Spannung erwarteten Beratung im UN-Sicherheitsrat wuchs der Druck auf Moskau, den syrischen Präsidenten Baschar al Assad nicht länger zu stützen.

Bei den politisch motivierten Gewalttaten wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten allein am Montag rund einhundert Menschen getötet, darunter 55 Zivilisten. Der Syrische Nationalrat als Vertretung der zivilen Opposition warf der "despotischen" Führung in Damaskus vor, "Panzer und schwere Waffen gegen Wohnviertel" einzusetzen. In Rankus, 40 Kilometer nördlich der Hauptstadt, verübten die staatlichen Sicherheitskräfte nach Angaben des Nationalrates Racheakte gegen Zivilisten, weil sich dort Deserteure versteckt hatten.

In der Provinz Daraa nahmen Tausende an der Beisetzung eines Opfers der Gewalt der Armee teil und forderten den Sturz Assads. Die Kämpfe und Gewalttaten nahmen in den vergangenen Tagen landesweit stark zu. Der Nationalrat forderte für Dienstag dazu auf, aus Protest Kirchenglocken zu läuten und in Moscheen zum Gebet aufzurufen. Das syrische Volk werde "seine Revolution nicht aufgeben, egal, wie groß die Opfer sind", schwor der Nationalrat.

jwi/hw/DPA/AFP / DPA