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Völkermord-Prozess in Frankfurt Ist Onesphore R. ein Massenmörder?


Bis zu eine Million Menschen sind bei Massakern in Ruanda ums Leben gekommen. Einer der schlimmsten Täter soll der heute in Deutschland lebende Flüchtling Onesphore R. gewesen sein. Jetzt steht er in Frankfurt vor Gericht.

Onesphore R. war 2002 als Flüchtling nach Deutschland gekommen, jetzt steht der Afrikaner unter Verdacht, zuvor als Bürgermeister den Befehl zu tausendfachen Morden gegeben zu haben. Seit Dienstag muss sich der 53-Jährige vor dem Oberlandesgericht Frankfurt verantworten - im ersten deutschen Prozess um den Völkermord im zentralafrikanischen Ruanda.

Der Angehörige der ruandischen Volksgruppe Hutu soll im April 1994 als Bürgermeister einer Gemeinde im Norden des Landes mehrere Massaker an Angehörigen der Tutsi angeordnet oder koordiniert haben. Dabei seien mindestens 3730 Menschen ermordet worden, heißt es in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft.

Verteidigung verlangt Identitätsnachweis

Die Verteidigerin von Onesphore R. beantragte, die Identität des Angeklagten nachzuweisen. Es bestehe zumindest der "dringende Verdacht", dass ein Massaker von einem anderen Bürgermeister oder einer anderen Autoritätsperson beaufsichtigt worden sei. Das Gericht vertagte sich auf den 25. Januar.

Zuvor hatte der Vertreter der Bundesanwaltschaft berichtet, dass es am 6. April 1994 zu "flächendeckenden Tötungen" gekommen sei, nachdem das Flugzeug des damaligen ruandischen Präsidenten, dem Hutu Juvenal Habyarimana, abgeschossen worden war. Bei dem rund drei Monaten dauernden Genozid waren laut Schätzungen bis zu eine Million Menschen ermordet worden.

fw/DPA DPA

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