VG-Wort Pixel

Von Guttenberg bis Chatzimarkakis Plagiatsvorwürfe gegen Doktorarbeiten zahlreicher Politiker


Der Strom scheint nicht abzureißen: Einem Politiker nach dem anderen werden Plagiate an ihren Doktorarbeiten nachgewiesen. Parteien- und länderübergreifend wurden Doktortitel aberkannt. Jüngster Fall ist der FDP-Europaabgeordnete Chatzimarkakis. Ein Überblick.

Nach der spektakulären Affäre um die Doktorarbeit de früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gerieten schon bald die Dissertationen weiterer Politiker unter Verdacht. Im Internet suchten Plagiatsjäger nach Fehlern in ihren Arbeiten, was Universitäten zu offiziellen Prüfungen veranlasste. Zuletzt verlor am Mittwoch der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis seinen Doktortitel.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Wochenlang beherrschte Anfang dieses Jahres die Plagiatsaffäre um den CSU-Politiker die Schlagzeilen. Mitte Februar tauchten erste Berichte über Täuschungsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner juristischen Doktorarbeit an der Universität Bayreuth auf. Der damalige Verteidigungsminister wies den Plagiatsvorwurf zunächst als "abstrus" zurück, kurz darauf sprach er selbst von "gravierenden Fehlern". Ende Februar erkannte die Uni Bayreuth Guttenberg den Doktortitel ab. Am 1. März trat der bis dahin beliebteste deutsche Politiker zurück. Eine Uni-Kommission kam schließlich im Mai nach dreimonatigen Prüfungen zu dem Schluss, dass Guttenberg vorsätzlich getäuscht hatte. Guttenberg hatte dies immer bestritten.

Silvana Koch-Mehrin

Auch die FDP-Europaabgeordnete stolperte über Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit. Mitte Mai trat Koch-Mehrin als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament und als Vizepräsidentin des Parlaments zurück. Gut einen Monat später entzog die Universität Heidelberg ihr den Doktortitel. Die Uni klassifizierte mehr als 120 Stellen als Plagiate. Wie bei Guttenberg hatten auch in ihrem Fall Plagiatsjäger im Internet die Arbeit unter die Lupe genommen. Für Schlagzeilen sorgte Koch-Mehrin zuletzt Ende Juni, als sie erst nach heftiger Kritik ihren Sitz im EU-Forschungsausschuss aufgab.

Bernd Althusmann

Der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) steht erst seit wenigen Tagen wegen seiner Doktorarbeit unter Druck. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte in der vergangenen Woche über mögliche Regelverstöße in seiner Arbeit berichtet. Es bestehen demnach Hinweise, dass Althusmann auf 88 von 114 Seiten seiner Dissertation fremdes geistiges Eigentum verwendet habe, "ohne dies in der notwendigen Weise deutlich zu machen". Seine an der Universität Potsdam vorgelegte Arbeit soll nun überprüft werden. Besonders heikel ist der Fall, weil Althusmann derzeit auch amtierender Vorsitzender der Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder ist.

Margarita Mathiopoulos

Die Doktorarbeit der Politikprofessorin und FDP-Politikerin Margarita Mathiopoulos kommt bereits ein zweites Mal auf den Prüfstand. Die Universität Bonn will sie nach Vorwürfen der Internetplattform "VroniPlag" erneut überprüfen. Die in den 1980er Jahren vorgelegte Arbeit war bereits Anfang der 1990er Jahre in die Kritik geraten. Damals waren zwar handwerkliche Mängel festgestellt worden, die aber nicht zur Aberkennung des Doktortitels führten. Mathiopoulos war 1987 bundesweit bekannt geworden, als der damalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt die seinerzeit parteilose Politikwissenschaftlerin zur SPD-Sprecherin machen wollte. Nach heftiger innerparteilicher Kritik daran trat Brandt vom SPD-Vorsitz zurück.

Matthias Pröfrock

Der baden-württembergische CDU-Landtagsabgeordnete verlor Anfang Juli seinen Doktortitel. Der Promotionsausschuss der juristischen Fakultät der Universität Tübingen kam bei der Prüfung seiner Dissertation zu dem Schluss, dass sie "in nicht unerheblichem Maße fremde Texte wörtlich übernimmt, ohne dass dies kenntlich gemacht wurde." Pröfrock, der erst in diesem Jahr in den Stuttgarter Landtag gewählt wurde, will sein Mandat behalten.

Uwe Brinkmann

Die Universität Hamburg entzog dem SPD-Politiker nach Plagiatsvorwürfen den Doktortitel. Seine Dissertation enthielt nicht oder nicht ausreichend gekennzeichnete Zitate. Auch gegen seine Arbeit hatten zuvor Plagiatsjäger im Internet Vorwürfe erhoben. Brinkmann war in der Vergangenheit auch Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.

hw/Carsten Hauptmeier, AFP AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker