HOME

Vor Jahrestag von Newtown-Amoklauf: Schüler macht Jagd auf seinen Lehrer

Einen Tag vor dem Jahrestag des Newtown-Amoklaufs hat ein 18-Jähriger an einer US-Schule um sich geschossen. Die neue Bluttat überschattet das Gedenken an den Amoklauf vor einem Jahr.

Kurz vor den Gedenkfeiern zum Schulmassaker von Newtown vor einem Jahr hat ein Jugendlicher an einer Schule im US-Bundesstaat Colorado zwei Mitschüler mit Schüssen verletzt und sich anschließend das Leben genommen. Der mit einem Jagdgewehr bewaffnete Schüler hatte es nach Polizeiangaben auf einen bestimmten Lehrer abgesehen, als er am Freitag mit einem Jagdgewehr die Schule stürmte. Eine 15-Jährige schwebte am Samstag weiter in Lebensgefahr.

Der Schock über die neue Bluttat überschattete das Gedenken an den Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown vor einem Jahr. Am 14. Dezember 2012 hatte der 20-jährige Adam Lanza dort 20 Erstklässler und sechs Erwachsene erschossen, ehe er sich selbst tötete.

US-Präsident Barack Obama nahm das Gedenken zum Anlass, erneut für schärfere Waffengesetze zu werben. "Wir müssen mehr tun, um gefährliche Leute daran zu hindern, so leicht an Schusswaffen zu kommen", sagte er in einer Radioansprache. Angesichts des Widerstandes im republikanisch dominierten US-Senat nahm der Präsident die Bevölkerung in die Pflicht: "Echter Wandel wird nicht aus Washington kommen. Er wird auf dem Weg kommen, den er immer genommen hat: von Euch, von der Bevölkerung der USA."

Als Reaktion auf das Newtown-Massaker hatten einige US-Staaten ihre Gesetze verschärft, von Obama unterstützte landesweite Regeln scheiterten im April im Senat aber am heftigen Widerstand der Waffenlobby und ihrer Anhänger in Washington.

Racheakt an Lehrer

Der Amoklauf am Freitag verlief glimpflicher, versetzte das Land aber erneut in Schrecken. Ein 18-Jähriger sei zur Mittagszeit in die Arapahoe High School in Centennial nahe Denver gestürmt, habe sein Gewehr hochgehalten und nach dem Lehrer gerufen, sagte Sheriff Grayson Robinson. Der Lehrer sei informiert worden und habe das Gebäude sofort verlassen. Als der Jugendliche zu schießen begann, schlossen sich hunderte Schüler in ihren Klassenräumen ein. Zwei Schüler wurden verletzt, darunter eine 15-Jährige, die in Lebensgefahr schwebte.

Nur fünf Minuten, nachdem die ersten Schüsse fielen, wurde der Schütze tot im Schulgebäude aufgefunden, wie Robinson mitteilte. Er habe sich offenbar selbst erschossen, als er gemerkt habe, dass er von Polizisten umstellt war. Die Beamten fanden in der Schule zwei Molotow-Cocktails, von denen einer gezündet worden war.

"Die Schießerei war ein Racheakt des Schützen wegen einer Meinungsverschiedenheit mit einem Lehrer", sagte Robinson. Schüler schilderten dramatische Szenen. Ein Junge sagte dem TV-Sender KDVR, seine Klasse habe das Licht ausgeschaltet und die Tür verschlossen. Seine Mutter berichtete unter Tränen, sie habe verzweifelt versucht, ihren Sohn zu erreichen. Live-Fernsehbilder zeigten, wie Schüler mit über dem Kopf erhobenen Händen das Schulgebäude verließen und sich auf dem Sportplatz versammelten.

Die Schule liegt nur wenige Kilometer von Aurora entfernt, einem anderen Vorort von Denver. Dort hatte ein Amokläufer im Juli 2012 in einem Kino wahllos ins Publikum gefeuert und zwölf Menschen getötet. Nur wenige Kilometer entfernt ist auch die Columbine High School, an der zwei Jugendliche im April 1999 zwölf Mitschüler und einen Lehrer ermordeten.

ivi/AFP / AFP