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Vorwurf Vergewaltigung: Klassenfahrt endet im Londoner Knast

Auf einer Klassenfahrt in London sollen zwei Lübecker Schüler eine 15-Jährige zum Oralsex gezwungen haben. Am Mittwoch entscheidet ein Gericht, ob die beiden in U-Haft bleiben müssen.

Von Cornelia Fuchs und Manuela Pfohl

Sie hatte sich eigentlich auf eine fröhliche Klassenfahrt gefreut. Ziel: London. Doch für eine 15- jährige Realschülerin aus der Nähe von Bremen wurde daraus ein Horrortrip. Azad E. und Arman P., zwei 19-jährige Berufsschüler aus Lübeck, sollen sie in der vergangenen Woche in einem Londoner Jugendhotel zum Oralsex gezwungen haben. Ein schwerer Vorwurf, den die Metropolitan Police in der britischen Hauptstadt aber offenbar sehr ernst nimmt.

Die Polizei bestätigte, dass die beiden jungen Männer, die zur 12. Klasse des Fachgymnasiums Technik der Emil-Possehl-Schule, einer berufsbildenden Schule in der Hansestadt gehören, am Montag wegen des Verdachts der Vergewaltigung vorläufig festgenommen worden waren.

Die Ermittler erklärten, dass am Mittwoch am Southwark Crown Court eine Anhörung stattfinde. Dabei solle geklärt werden, ob die Lübecker Schüler auf Kaution freikommen. Ein Anwalt, der die Beschuldigten vertritt, hatte das beantragt. Die Realschülerin hingegen ist bereits nach Hause zurückgekehrt. Sie soll von der Bremer Polizei zum Tatgeschehen befragt werden.

Erst zusammen gefeiert, dann vergewaltigt?

Was genau sich in dem "Youth Hostel" in Westminster abspielte, müssen die Ermittlungen der Polizei zeigen. Laut "Lübecker Nachrichten" habe die Londoner Polizei bislang nur soviel bekannt gegeben: Am Donnerstag vergangener Woche sollen zunächst fünf 17 bis 19 Jahre alte Lübecker mit dem Mädchen, das mit seiner Klasse ebenfalls in dem Hostel wohnte, gefeiert haben. Dabei seien größere Mengen Alkohol geflossen. Im Laufe der Nacht sei es dann in einem der Herbergszimmer zu der Vergewaltigung gekommen.

Nach stern.de-Informationen hat Arman P. am 8. Mai Geburtstag. Lief da eine Geburtstagsparty gewaltig aus dem Ruder?

Laut "Lübecker Nachrichten" gibt es einen schweren Verdacht: Die beiden hätten die Tat möglicherweise genau geplant und ihr Opfer gezielt mit Alkohol abgefüllt. Und noch schlimmer: Sie stehen laut "Lübecker Nachrichten" außerdem im Verdacht, die Vergewaltigung mit ihren Handys gefilmt haben.

Die 15-Jährige habe sich unmittelbar nach der Tat ihrer Lehrerin anvertraut, die sofort die Behörden alarmierte. Daraufhin seien zunächst alle fünf Jungen festgesetzt worden. Nach 36 Stunden seien drei von ihnen wieder freigelassen worden. Doch gegen zwei wogen die Vorwürfe offenbar so schwer, dass sie in Haft blieben.

Noch ist unklar, wie es weitergeht

Die beiden Beschuldigten streiten die Vorwürfe allerdings ab. Die "Lübecker Nachrichten" zitieren den Sprecher des Kieler Bildungsministeriums, Thomas Schunck, mit den Worten: "Wir müssen den Vorfall jetzt minutiös mit den Lehrkräften aufarbeiten und prüfen, ob diese möglicherweise gegen ihre Aufsichtspflicht verstoßen haben." Bislang gebe es dafür allerdings keine Hinweise. "Die betreffenden Lehrer haben sofort die Schulleitung informiert, die wiederum die Schulaufsicht und uns als Ministerium eingeschaltet hat", so Schunck.

Zwar habe das Land die Polizei und die Staatsanwaltschaft in Lübeck um Unterstützung bei den Ermittlungen gebeten. Wie es jetzt juristisch weitergeht, sei jedoch noch völlig unklar - vor allem, ob und wie lange die Beschuldigten in britischer Haft bleiben müssen. "Die Entscheidungsgewalt obliegt allein den Behörden in Großbritannien", sagt ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Da es sich sowohl bei den vermeintlichen Tätern als auch bei dem angeblichen Opfer um deutsche Bürger handele, sei denkbar, dass der "Magistrate Court" in London das Verfahren an die hiesigen Behörden abgebe. Allerdings habe es auch schon Prozesse in Großbritannien gegeben, in denen die britische Justiz Ausländer verurteilt habe.

Es drohen bis zu zehn Jahre Haft

Der Lübecker Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schultz konnte laut "Lübecker Nachrichten" zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen die beiden Schüler noch keine Angaben machen. Allerdings könnten eigene Ermittlungen in dem Fall grundsätzlich schwierig werden, zumal der angebliche Tatort London sei, das Opfer überdies nicht aus Schleswig-Holstein stamme. Entsprechend sei noch völlig unklar, ob beispielsweise ein Auslieferungsantrag an die britischen Behörden gestellt werden könne, so Schultz. Nach britischem Gesetz drohen den Beschuldigten im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Von:

und Manuela Pfohl